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Schweizer Uhrenhersteller unter US-Zolldruck

Strafzölle treffen wichtigsten Exportmarkt und zwingen Marken zu Preiserhöhungen und neuen Strategien

Schweizer Uhrenhersteller unter US-Zolldruck

Die Nachricht von Strafzöllen in Höhe von 39 Prozent auf Schweizer Luxusuhren traf die Branche mitten in der Urlaubszeit und löste große Verunsicherung aus. Für Hersteller wie Rolex, Cartier oder Patek Philippe steht dabei weit mehr als nur ein Markt auf dem Spiel, denn die Vereinigten Staaten sind inzwischen der wichtigste Absatzkanal für die traditionsreiche Industrie. Während China schwächelt und Europa stagniert, hatten die USA zuletzt für Wachstum gesorgt. Nun drohen steigende Preise die Nachfrage zu belasten.

Vorbereitung auf die Maßnahme gab es durchaus. Schon kurz nach dem sogenannten „Liberation Day“ im April, den Donald Trump ausgerufen hatte, verschifften die Hersteller große Mengen in die Vereinigten Staaten. Nick Hayek, Chef der Swatch Group, sprach von Lagerbeständen für drei bis sechs Monate. Die Exporte stiegen rasant, und die Konzernmarken Omega, Longines, Rado oder Tissot erzielten im ersten Halbjahr ein Wachstum zwischen 10 und 30 Prozent. Damit sichern sich die Produzenten Zeit, bevor höhere Preise durchschlagen.

Die Abhängigkeit vom US-Markt ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. 2024 gingen 17 Prozent aller Schweizer Uhren dorthin, mit einem Wert von rund vier Milliarden Franken. Historische Verbindungen wie die Rolle von Omega bei der Mondlandung oder das Engagement von TAG Heuer im Motorsport haben das Geschäft zusätzlich beflügelt. Viele Marken investierten massiv in eigene Boutiquen in den Vereinigten Staaten, um Margen selbst einzubehalten. Breitling-Chef Georges Kern bezeichnete den Markt als entscheidend für sein Unternehmen, das dort rund ein Viertel des Umsatzes erzielt.

Langfristig werden die Strafzölle kaum ohne Folgen bleiben. Branchenexperte Oliver Müller rechnet mit Preissteigerungen von 12 bis 14 Prozent für Endkunden. Erste Anpassungen sind bereits sichtbar: Rolex erhöhte im Mai die Preise um drei Prozent, im Januar hatte es schon Aufschläge auf Golduhren von bis zu 14 Prozent gegeben. Als Stiftung mit jährlich rund einer Million Uhren und einem Marktanteil von etwa 33 Prozent verfügt Rolex über eine Sonderstellung, während kleinere Hersteller größere Schwierigkeiten haben dürften, die Mehrkosten weiterzugeben.

Neue Absatzmärkte in Indien oder Mexiko können den Ausfall der USA nur teilweise kompensieren. „Man müsste einen neuen Kontinent erfinden“, formulierte Müller. Während Platzhirsche wie Rolex dank Wartelisten und globaler Nachfrage vergleichsweise gelassen reagieren, könnte es bei Zulieferern bald zu Schließungen und Entlassungen kommen. Viele Firmen haben bereits begonnen, offene Stellen nicht nachzubesetzen.

Einige Hersteller suchen dennoch nach Wegen, flexibel zu reagieren. Porsche Design investiert in eine neue Manufaktur in Grenchen und betont das Label „Swiss Made“. Kleinere Marken wie H. Moser & Cie. prüfen dagegen, Teile ihrer Fertigung nach Deutschland zu verlagern. Für exklusive Nischenanbieter wie Jean-Claude Bivers eigene Marke mit limitierten Stückzahlen bleibt die Lage entspannter. Optimistisch zeigt sich auch Swatch-Chef Hayek, der auf die Kaufkraft und Reiselust amerikanischer Kunden verweist. Ob es tatsächlich zu einer politischen Einigung kommt, bleibt ungewiss. Doch die Uhr tickt für die Schweizer Uhrenindustrie.

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