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Schweizer Bahnchef kritisiert Zustand der Deutschen Bahn

Vincent Ducrot sieht Versäumnisse in Deutschlands Infrastruktur und zeigt Verständnis für Herausforderungen

Schweizer Bahnchef kritisiert Zustand der Deutschen Bahn

Vincent Ducrot, Chef der Schweizer Bundesbahnen (SBB), zeigt sich verständnisvoll gegenüber den Herausforderungen der Deutschen Bahn (DB). Die DB kämpft seit Jahren mit Verspätungen und Problemen im Schienenverkehr, was Ducrot oft Mitleid empfinden lässt. Bei einem Treffen mit seinem deutschen Kollegen Richard Lutz in Frankfurt stellte Ducrot fest, dass die schwierigen Rahmenbedingungen in Deutschland eine reibungslose Bahnführung erschweren. Trotz seiner kritischen Betrachtung ist Ducrot von Lutz' Bemühungen beeindruckt, das Beste aus dem bestehenden System zu machen.

Die Pünktlichkeit ist ein zentrales Anliegen der SBB, die 2023 eine Pünktlichkeitsrate von 93,7 % erreichte, was bedeutet, dass fast alle Züge weniger als drei Minuten Verspätung hatten. Im Vergleich dazu liegt in Deutschland die Grenze bei sechs Minuten, wobei etwa jeder dritte Fernverkehrszug diese Vorgabe nicht einhalten kann. Um ihren eigenen Fahrplan einzuhalten, greifen die SBB in Basel zu Maßnahmen: Züge aus Deutschland, die mehr als 15 Minuten verspätet sind, dürfen nicht weiterfahren. Stattdessen werden pünktliche Ersatzzüge eingesetzt, um den Verkehr in der Schweiz stabil zu halten.

Ein Vergleich der Investitionen in die Bahninfrastruktur zeigt deutliche Unterschiede: 2023 investierte die Schweiz 477 Euro pro Kopf, während Deutschland lediglich 115 Euro aufwandte. Diese finanzielle Diskrepanz spiegelt sich in der Stabilität der Bahnsysteme wider. Ducrot betont, dass eine stabile Finanzierung essenziell ist. Die Schweiz hat seit 2014 gesetzlich festgelegt, dass der Unterhalt und die Modernisierung des bestehenden Netzes Vorrang vor einem Ausbau haben. In Deutschland fehlt es hingegen an einem solchen gesetzlichen Rahmen, was sich in den Diskussionen über die Finanzierung der Bahn zeigt.

Ein wichtiger Faktor für die hohe Pünktlichkeit in der Schweiz ist die akribische Planung der Baustellen. Jede Baustelle wird genau daraufhin überprüft, wie sie den Fahrplan beeinflusst. Falls eine Baustelle zu lange dauert, muss sie überarbeitet werden. Ducrot kann sogar aufgrund der Wettervorhersage einschätzen, wie pünktlich die Züge an einem bestimmten Tag sein werden.

Die Schweiz setzt anders als Deutschland kaum auf Hochgeschwindigkeitsstrecken. Die Priorität liegt auf einem gut getakteten Netz, das zuverlässig und pünktlich ist. So wurde beispielsweise der Fahrplan in der Westschweiz angepasst, um eine robustere Verbindung trotz möglicher Störungen zu gewährleisten. Für Ducrot ist es wichtig, dass die Bahn ein verlässliches Verkehrsmittel bleibt, bei dem Kunden keine Anschlusszüge verpassen.

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