Schott Pharma im Umsatzwachstum
Gewinn sinkt trotz hoher Nachfrage nach injizierbaren Medikamenten.

Schott Pharma hat im vergangenen Jahr einen vielversprechenden Börsengang hingelegt, bei dem das Unternehmen von erheblichen Wachstumsaussichten sprach. Trotz der hohen Nachfrage nach ihren Produkten hat sich die finanzielle Lage im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres verschlechtert. Der Umsatz stieg um elf Prozent auf 247 Millionen Euro, jedoch sank das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 69 Millionen Euro im Vorjahresquartal auf 44 Millionen Euro. Auch die währungsbereinigte Ebitda-Marge verringerte sich von 30,7 Prozent auf 27 Prozent. Diese Entwicklungen wurden von Schott Pharma mit Anlaufkosten für neue Produktlinien begründet.
Andreas Reisse, der Geschäftsführer von Schott Pharma, betont, dass das Unternehmen trotz der aktuellen Herausforderungen gut positioniert sei, um vom attraktiven Markt für injizierbare Medikamente zu profitieren. Schott Pharma, ein Tochterunternehmen des Spezialglasherstellers Schott, stellt vorfüllbare Spritzen aus Glas und Polymer, Fläschchen und Ampullen her. Die wichtigsten Wachstumstreiber sind weiterhin GLP-1-Mittel, die gegen Diabetes oder als Adipositasmedikamente eingesetzt werden, und mRNA-Technologie, die durch die Corona-Impfstoffe bekannt wurde.
Allerdings zeigt sich, dass sich Schott Pharma auf einem begrenzten Markt von wenigen Herstellern abhängig macht. Die innovativen GLP-1-Medikamente, die auch als Abnehmspritzen bekannt sind, werden nur von zwei Pharmaunternehmen produziert: Novo Nordisk und Eli Lilly. Auch bei den mRNA-Impfstoffen ist der Abnehmerkreis klein, mit Biontech, Pfizer und Moderna als Hauptakteuren. Die Nachfrage nach mRNA-Impfstoffen sinkt jedoch, auch wenn neue Anwendungen wie mRNA-Mittel gegen Grippe oder Krebs entwickelt werden.
Schott Pharma betont, dass das Unternehmen keine großen Abhängigkeiten von wenigen Großkunden sehe. Mit über 1800 Kunden weltweit, zu denen alle der Top 30 führenden Pharmaunternehmen gehören, sei der Kundenstamm breit und treu. Trotzdem machen die zehn umsatzstärksten Kunden mehr als ein Drittel des Gesamtumsatzes aus.
Die Risiken einer Abhängigkeit von einem kleinen Kreis von Wachstumsunternehmen wurden bereits deutlich. Mitte Mai musste Schott Pharma eine Gewinnwarnung aussprechen und die Wachstumsaussichten für 2025 senken, nachdem ein Spritzenhersteller seine Abnahmemengen reduzierte. Der Aktienkurs reagierte negativ auf diese Nachricht und fiel um fast 30 Prozent auf weniger als 27 Euro, was rund 20 Prozent unter dem Ausgabepreis von September 2023 liegt.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseMit einem Emissionsvolumen von 935,3 Millionen Euro hatte Schott Pharma im September 2023 den größten Börsengang des Jahres durchgeführt. Das Unternehmen musste jedoch im ersten Jahr an der Börse die Wachstumsaussichten kürzen, was Analysten der Deutschen Bank als "Worst-Case-Szenario" bezeichnen. In Gesprächen mit Investoren wurde empfohlen, volatilere mRNA-Verträge nicht in die mittelfristigen Prognosen aufzunehmen, trotz der weiterhin attraktiven Branchendynamik.
Victoria Lambert, Analystin bei Berenberg Research, sieht bis 2030 ein potenzielles Vertragsvolumen von 1,7 Milliarden Euro für GLP-1-Mittel und mRNA-Impfstoffe für Schott Pharma. Der Großteil davon dürfte auf Diabetes- und Diätspritzen entfallen. Anfang September gab Geschäftsführer Andreas Reisse an, dass sich die Verträge für GLP-1-Mittel bis 2030 auf eine Milliarde Euro beliefen.


