Schaeffler setzt auf Elektromobilität und Rüstung
Fusion mit Vitesco soll Synergien schaffen – Tausende Stellen fallen weg, kurzfristig hohe Verluste erwartet

Der Name „Vitesco“ prangt noch immer deutlich sichtbar am ehemaligen Hauptsitz des Unternehmens in Regensburg. Dabei existiert das Unternehmen in seiner bisherigen Form längst nicht mehr. Seit der Übernahme durch den Automobilzulieferer Schaeffler im vergangenen Oktober ist Vitesco offiziell Geschichte. Doch während der Name noch nicht aus der Öffentlichkeit verschwunden ist, stellt Schaeffler bereits entscheidende Weichen für die Zukunft. Mit insgesamt 120.000 Beschäftigten gehört das Unternehmen nun zu den weltweit größten Zulieferern der Automobilbranche.
Die Integration beider Unternehmen gestaltet sich jedoch schwieriger, als ursprünglich angenommen. Klaus Rosenfeld, Vorstandsvorsitzender von Schaeffler, räumt ein, dass der Zusammenschluss langsamer als geplant verläuft. Dennoch ist er überzeugt, dass die Fusion langfristig enorme Chancen bietet. Die Technologien von Vitesco werden nicht nur weitergeführt, sondern bilden künftig den Kern einer umfassenden Konzernstrategie, die weit über den Automobilsektor hinausgeht. Schaeffler strebt an, sich als universeller Anbieter für Antriebslösungen und Bewegungstechnik zu positionieren.
Vor allem die Elektromobilität spielt hierbei eine entscheidende Rolle. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten gilt Vitesco als zukunftsweisender Partner, der Schaeffler entscheidendes technologisches Know-how liefert, das bisher im Konzern fehlte. E-Achsen, Inverter und Leistungselektronik zählen zu den Kernprodukten, auch wenn gerade dieser Bereich derzeit noch tief in der Verlustzone steckt. Allein für dieses Jahr prognostiziert Schaeffler einen Verlust von rund 14 Prozent im Segment „E-Mobility“, vor allem aufgrund der schleppenden Nachfrage durch Autohersteller.
Ungeachtet dessen bleibt das Unternehmen optimistisch. Ab 2029 sollen allein durch Synergieeffekte etwa 600 Millionen Euro jährlich eingespart werden. Hinzu kommen kurzfristig weitere 200 Millionen Euro Einsparungen durch den bereits angekündigten Stellenabbau von 4.700 Arbeitsplätzen. Auch außerhalb des klassischen Automobilsektors sieht Schaeffler Wachstumspotenziale: Neben industriellen Anwendungen wie Robotik prüft der Konzern aktuell intensiv einen Einstieg in die Rüstungsindustrie, insbesondere bei Steuergeräten für militärische Fahrzeuge.
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Zur AktienanalyseDoch bis diese ambitionierten Pläne Früchte tragen, bleiben kurzfristige Herausforderungen bestehen. Zwar verfügt Schaeffler bereits über prall gefüllte Auftragsbücher im Bereich der Elektromobilität, mit fast zehn Milliarden Euro allein im vergangenen Jahr, jedoch bleiben Unsicherheiten. Die tatsächliche Umsetzung dieser Aufträge ist nicht garantiert, insbesondere angesichts der volatilen Lage in der Automobilindustrie. Dennoch zeigt sich Schaeffler zuversichtlich, die Übergangszeit der nächsten zwei bis drei Jahre erfolgreich überstehen zu können.

