SBTi kippt Regeln: Tech-Konzerne dürfen Gasrechenzentren als grün deklarieren
Meta und Amazon profitieren: Die SBTi lässt strengere Klimaregeln für gasbetriebene Rechenzentren fallen – nach massivem Lobbydruck.

Technologiekonzerne wie Meta und Amazon erringen einen bedeutenden Sieg im Bereich der Klimaberichterstattung. Die Science Based Targets initiative (SBTi), eine der führenden Aufsichtsinstanzen für Klimaziele von Unternehmen, hat beschlossen, geplante strengere Regeln für Betreiber von Rechenzentren fallen zu lassen. Damit können diese Unternehmen künftig weiterhin behaupten, dass ihre mit Gas betriebenen Rechenzentren vollständig durch Investitionen in saubere Energie abgedeckt sind.
Dieser Schritt folgt auf massiven Druck von Lobbygruppen auf die SBTi. Die Initiative hatte ursprünglich Regeln vorgeschlagen, die es für Betreiber von Rechenzentren, die überwiegend mit fossilen Brennstoffen betrieben werden, deutlich schwerer gemacht hätten, entsprechende Klimaansprüche geltend zu machen.
Hintergrund: Was ist die SBTi?
Die Science Based Targets initiative ist eine der weltweit angesehensten Organisationen, die Unternehmen dabei begleitet, wissenschaftlich fundierte Klimaziele zu setzen und zu validieren. Ihre Standards gelten in der Finanz- und Unternehmenswelt als wichtige Orientierungsgröße für die Bewertung von Nachhaltigkeitsstrategien. Wenn die SBTi Regeln verschärft oder lockert, hat das direkte Auswirkungen darauf, wie Unternehmen ihre Klimabilanz gegenüber Investoren und der Öffentlichkeit darstellen dürfen.
Im Kern der nun fallen gelassenen Regeländerung stand das Konzept der zeitgleich erzeugten erneuerbaren Energie. Die ursprünglich geplanten Vorschriften hätten verlangt, dass Rechenzentren ihren Strombedarf durch zeitgleich – also zur selben Stunde – erzeugte erneuerbare Energie nachweisen müssen. Dies hätte es für Betreiber fossiler Rechenzentren erheblich schwieriger gemacht, ihre Klimaziele als erfüllt auszuweisen, da der bloße Kauf von Ökostromzertifikaten nicht mehr ausgereicht hätte.
Lobbyismus mit Wirkung
Dass die SBTi nun von diesen Plänen abrückt, zeigt die erhebliche Einflussnahme der Tech-Branche auf klimapolitische Rahmenbedingungen. Konzerne wie Meta und Amazon betreiben weltweit eine wachsende Zahl von Rechenzentren, deren Energiebedarf enorm ist – und der durch den Boom der Künstlichen Intelligenz weiter rasant steigt. Viele dieser Anlagen sind zumindest teilweise auf Gas als Energiequelle angewiesen, da erneuerbare Energien allein die konstante und hohe Grundlastversorgung noch nicht vollständig sicherstellen können.
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Zur AktienanalyseFür deutsche und europäische Anleger ist diese Entwicklung aus mehreren Gründen relevant. Zum einen betrifft sie die Glaubwürdigkeit von ESG-Ratings und Nachhaltigkeitsberichten großer Tech-Unternehmen, in die viele institutionelle und private Investoren hierzulande engagiert sind. Zum anderen wirft die Entscheidung grundsätzliche Fragen über die Unabhängigkeit und Robustheit freiwilliger Klimastandards auf.
Die Entscheidung der SBTi dürfte die Debatte über die Verlässlichkeit freiwilliger Klimarahmenwerke neu entfachen. Kritiker werden argumentieren, dass ohne verbindliche gesetzliche Vorgaben Lobbyinteressen großer Konzerne letztlich die Oberhand über ambitionierte Klimastandards gewinnen. Befürworter hingegen sehen in der Flexibilität der SBTi eine pragmatische Anpassung an die technischen und wirtschaftlichen Realitäten der Energieversorgung moderner Rechenzentren.


