SAP stoppt Einstellungen und Reisen für massive KI-Offensive
Der deutsche Software-Konzern SAP leitet Einsparungen aus Einstellungs- und Reisestopp gezielt in eine „erhebliche KI-Offensive" um.

SAP SE schränkt neue Einstellungen ein und kürzt Geschäftsreisen außerhalb des KI-Bereichs – das berichtete Bloomberg am Donnerstag. Die freiwerdenden Mittel fließen direkt in eine vom Unternehmen selbst als „erheblich" bezeichnete KI-Offensive. Die SAP-Aktie reagierte positiv: Im vorbörslichen Handel an der NYSE legte der Titel um 0,5 Prozent auf 159,15 US-Dollar zu.
Die Maßnahmen sind Teil einer tiefgreifenden strategischen Neuausrichtung, die die Führungsebene des Walldorfer Konzerns im laufenden Jahr bereits zweimal umgestaltet hat. Für Anleger kommt der Schritt zu einem sensiblen Zeitpunkt: Die SAP-Aktie notiert an der NYSE rund 47 Prozent unter ihrem Jahreshoch und liegt damit knapp über dem 52-Wochen-Tief von 148,06 US-Dollar. Der Q2-Ergebnisbericht ist für den 23. Juli angesetzt.
Führungsumbau unter dem Namen „Project Fuji"
Im Zentrum der Reorganisation steht CEO Christian Klein, der im Rahmen des internen Programms „Project Fuji" die direkte Kontrolle über die KI-Produktentwicklung übernommen hat. Er absorbierte damit die Aufgaben des ausscheidenden Vorstandsmitglieds Muhammad Alam, ohne sofort einen Nachfolger zu benennen. Chief Operating Officer Sebastian Steinhäuser übernahm zusätzlich den Bereich Industrial AI.
SAP selbst begründete den Schritt in einer Stellungnahme gegenüber CIO.com: „SAP entwickelt seine Organisation weiter, um die Transformation zu einem KI-gesteuerten autonomen Unternehmen zu beschleunigen. Die neue Struktur rückt KI, Daten und Kernanwendungen enger zusammen und ermöglicht so integriertere End-to-End-Lösungen, die auf der einzigartigen Prozessexpertise von SAP aufbauen."
Es ist bereits die zweite große Reorganisation im Jahr 2026. Im März wurde die „Customer Value Group" geschaffen, im Mai folgten die dedizierten Einheiten „Business AI Platform" und „Autonomous Suite", die beide direkt an Klein berichten. Das hohe Tempo des internen Wandels unterstreicht, wie ernst SAP den KI-Schwenk nimmt – und wie stark der Druck der Anleger ist: Die Aktie liegt mehr als 26 Prozent unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 182,43 Euro.
Klein: „Sehr, sehr andere Belegschaft" erwartet
CEO Christian Klein äußerte sich gegenüber der New York Times ungewohnt offen über die Konsequenzen für die Mitarbeiter. „Ich bin mir nicht sicher, ob hier in zwei oder drei Jahren noch jemand Software programmieren wird", sagte er. „Ich erwarte nicht, mit einer kleineren Belegschaft zu arbeiten, aber mit einer sehr, sehr anderen Belegschaft."
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Zur AktienanalyseDie Aussagen erinnern an frühere Einschnitte im Konzern. SAP baute bereits 2023 rund 3.000 Stellen ab und startete Anfang 2024 ein zwei Milliarden Euro schweres Kostenprogramm, das 8.000 Positionen betraf. Dennoch hat das Unternehmen seither netto mehr Stellen aufgebaut als abgebaut – ein Hinweis darauf, dass der Konzern trotz Sparmaßnahmen weiter in Wachstum investiert.
Die aktuelle Kombination aus Ausgabendisziplin, Führungskonzentration und KI-Fokus zeigt: SAP setzt alles auf eine Karte, um im globalen KI-Wettbewerb mit Unternehmen wie Microsoft, Oracle und Salesforce mithalten zu können. Für deutsche Privatanleger bleibt der Ergebnisbericht am 23. Juli ein wichtiger Gradmesser, ob die Strategie erste Früchte trägt.


