SAP-Quartalszahlen beflügeln Aktie und gesamten Softwaresektor
Starkes Cloud-Wachstum überzeugt Anleger: SAP-Aktie springt knapp sieben Prozent nach oben und zieht den DAX mit.

Nach monatelangem Kursrückgang hat SAP mit seinen Quartalszahlen für eine spürbare Erholung gesorgt. Die Aktie des Walldorfer Softwarekonzerns legte am Freitag im Mittagshandel um knapp sieben Prozent zu – und das, nachdem sie am Vortag noch den tiefsten Stand seit November 2023 markiert hatte. Als DAX-Schwergewicht zog SAP dabei auch den deutschen Leitindex spürbar nach oben.
Im Mittelpunkt des Anlegerinteresses stand eine zentrale Kennzahl: der sogenannte Current Cloud Backlog. Dieser Wert gibt an, welche Cloud-Umsätze in den nächsten zwölf Monaten bereits vertraglich gesichert sind – und damit einen verlässlichen Ausblick auf die künftige Geschäftsentwicklung liefert. Im zweiten Quartal stieg dieser Vertragsbestand um 27 Prozent auf fast 23 Milliarden Euro.
Für Analysten ist das ein klares Signal: Die Nachfrage nach SAPs Cloud-Angeboten bleibt robust, trotz der zuletzt gedämpften Stimmung im Technologiesektor. Konzernchef Christian Klein verwies zudem auf eine starke Nachfrage nach KI-gestützten Produkten, die Unternehmen bei der Automatisierung von Geschäftsprozessen unterstützen sollen.
Analysten sehen Trendwende bei KI-Skepsis
Besonders aufschlussreich ist die Reaktion der Experten. „Das zweite Quartal kann die zuletzt spürbaren Bedenken rund um das Trendthema Künstliche Intelligenz etwas mildern", kommentierte Analyst Oliver Frey von der Privatbank Metzler. Auch Charles Brennan vom Investmenthaus Jefferies wertete die Zahlen als Gegensignal zur verbreiteten Anleger-Zurückhaltung.
Denn genau diese Zurückhaltung hatte Softwareaktien in den vergangenen Monaten belastet. Die zentrale Sorge: Könnten KI-Systeme klassische Softwaremodelle überflüssig machen und den Bedarf an herkömmlichen Unternehmenslösungen senken? Die SAP-Zahlen liefern nun ein konkretes Gegenargument – die KI-Nachfrage stärkt das Geschäft, anstatt es zu untergraben.
Nicht alles glänzt jedoch im Quartalsbericht. Das operative Ergebnis blieb hinter den Erwartungen zurück. Zudem senkte SAP wegen der Übernahmen der Softwarefirmen Dremio und Prior Labs die Prognose für das bereinigte operative Ergebnis leicht. Statt des bisher erwarteten Wachstums von 14 bis 18 Prozent rechnet der Konzern nun mit 13 bis 17 Prozent.
Gesamter Softwaresektor profitiert vom SAP-Effekt
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Zur AktienanalyseAn der Börse spielten diese Abstriche zunächst kaum eine Rolle. Die Erleichterung über die Cloud-Stärke überwog deutlich – und die positive Stimmung griff auf den gesamten deutschen Softwaresektor über. Aktien von Nemetschek, Teamviewer und Atoss Software legten ebenfalls zu und gehörten mit zwischenzeitlichen Anstiegen von drei bis sechs Prozent zu den größten Gewinnern im MDAX und SDAX.
Besonders Atoss Software überzeugte mit eigenständig starken Zahlen. Der Münchner Spezialist für Personalmanagement steigerte im zweiten Quartal sowohl Umsatz als auch Gewinn. Der Cloud-Vertragsbestand wuchs im Jahresvergleich um 25 Prozent – ein Wert, der dem von SAP kaum nachsteht.
Die Erholung kommt zu einem wichtigen Zeitpunkt. SAP hat seit seinem Rekordhoch im Februar 2025 erheblich an Wert verloren und zählte 2026 bislang zu den schwächsten DAX-Titeln. Die neuen Quartalszahlen könnten nun zumindest einen Teil der Zweifel am Wachstumspotenzial der Branche ausräumen – und Privatanlegern einen Hinweis geben, dass der Ausverkauf im Softwaresektor möglicherweise übertrieben war.


