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SAP-Chef widerlegt die Totgesagten der SaaS-Branche

SAP-Vorstandschef erklärt, warum KI-Agenten Unternehmenssoftware nicht ersetzen, sondern stärken werden.

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SAP-Chef widerlegt die Totgesagten der SaaS-Branche

Die Softwarebranche erlebt turbulente Zeiten. Innerhalb weniger Wochen verdampften in diesem Jahr Hunderte Milliarden US-Dollar an Marktwert im Softwaresektor. Allein der Aktienkurs von SAP, dem größten europäischen Softwareunternehmen, fiel um 30 Prozent. Analysten und Investoren prophezeien das Ende des klassischen SaaS-Modells – also des Modells, bei dem Unternehmen ein Abonnement für cloudbasierte Software bezahlen.

Die Logik der Pessimisten klingt zunächst einleuchtend: Wenn KI-Agenten die Arbeit erledigen können, wer braucht dann noch die Software? Investoren befürchten, dass bestehende Software-Systeme in KI-Basismodellen aufgehen und die Branche damit vor einer fundamentalen Abrechnung steht. SAP-Vorstandsvorsitzender Christian Klein hält diese Einschätzung jedoch für grundlegend falsch – und erklärt in einem Gastbeitrag für die Financial Times, warum.

Historisches Muster: Wert wandert nach oben

Klein verweist auf ein wiederkehrendes Muster bei großen Plattformwechseln. Zu Beginn jeder technologischen Revolution fließt der Wert zunächst in die untersten Schichten des sogenannten Tech-Stacks: Rechenleistung, Modelle und Infrastruktur – die sprichwörtlichen „Schaufeln im Goldrausch". Mit der Zeit wandert der Wert jedoch nach oben in die Anwendungsschicht, wo Technologie in konkrete Geschäftsergebnisse umgesetzt wird.

Als Beleg führt Klein den eigenen Cloud-Übergang von SAP an. Als das Unternehmen vor sechs Jahren den Wechsel von klassischen On-Premise-Softwarelizenzen zu Cloud-Abonnements beschleunigte, waren die Skeptiker ebenso lautstark wie heute. Der Übergang bedeutete, vorübergehend niedrigere kurzfristige Margen zu akzeptieren – im Austausch für ein beständigeres, wiederkehrendes Geschäftsmodell. Der Aktienkurs spiegelte diese Unsicherheit wider, wie Klein einräumt – „länger, als mir lieb war".

Die eigentliche Herausforderung war dabei nicht die Technologie selbst. Es war die Überzeugungsarbeit bei Tausenden von Großunternehmen, deren Altsysteme die Lohnabrechnung erledigen, die Bücher schließen und Fabriken am Laufen halten. Jeder Chief Information Officer und Chief Financial Officer wog das Versprechen von Flexibilität gegen das Risiko von Betriebsunterbrechungen ab, die man sich schlicht nicht leisten konnte. Heute macht der Cloud-Umsatz den Großteil des SAP-Gesamtumsatzes aus.

Warum KI ohne Unternehmenssoftware scheitert

Bei der KI-Transformation sieht Klein dieselbe Dynamik am Werk. Einige Unternehmen nutzen die Technologie bereits erfolgreich, um Prozesse zu automatisieren und Arbeitszeit zurückzugewinnen. Doch weit mehr kämpfen damit, ihre Technologie-Experimente in messbare, unternehmensweite Ergebnisse umzumünzen. Die Ursachen sind vielfältig: fragmentierte Daten, isolierte Prozesse, inkonsistente Governance und KI-Modelle, die auf veraltete Bestandssysteme aufgepfropft wurden.

Die Risiken sind dabei erheblich. Der kleinste Fehler – etwa die Verwendung veralteter, unvollständiger oder falscher Daten – kann sich unbemerkt zu Fehlentscheidungen, fehlerhaften Transaktionen und erheblichen Verlusten ausweiten, bevor jemand im Unternehmen bemerkt, was schiefgelaufen ist. Um zuverlässige Ergebnisse zu liefern, benötigen KI-Agenten laut Klein drei wesentliche Voraussetzungen:

  • Tiefes Branchenwissen, das Kontext, Zusammenhänge und End-to-End-Prozesse abbildet
  • Semantisch reichhaltige Daten, um Kontext zu verstehen – nicht nur Antworten zu generieren
  • Eine Governance, die sicherstellt, dass KI stets innerhalb definierter Leitplanken agiert

KI-Modelle können logische Schlüsse ziehen, aber sie wissen nicht, wie ein Hersteller Teile über eine globale Lieferkette hinweg sequenziert oder wie eine Bank Tausende von Transaktionen mit regionalen Vorschriften abgleicht. Dieses Wissen wird nicht aus dem Internet gelernt – es ist in Unternehmenssoftware kodiert und durch jahrzehntelangen Praxiseinsatz verfeinert worden.

Software wird nicht ersetzt – sie wird gefordert

Kleins Fazit ist klar: Softwareunternehmen werden sich verändern müssen, und Investoren müssen davon überzeugt werden, dass das Neue stärker ist als das Alte. Doch die Lektion aus dem Cloud-Übergang lautet: Unternehmen, die sich an der technologischen Zukunft ausrichteten, anstatt das Bewährte zu verteidigen, gingen am Ende mit gestärkten Beziehungen daraus hervor.

Software werde nicht ersetzt, so Klein – von ihr werde verlangt, weit mehr zu leisten als bisher. Für deutsche Anleger, die SAP-Aktien im Depot halten oder den Softwaresektor beobachten, ist diese Einschätzung des Unternehmenschefs ein wichtiges Signal: Der aktuelle Kursrückgang könnte eine Übergangsphase widerspiegeln – kein strukturelles Ende eines Geschäftsmodells.

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