Samsung und SK Hynix: Aktionäre fordern mehr vom KI-Milliardenberg
Investoren drängen die koreanischen Chipriesen auf höhere Dividenden und Aktienrückkäufe – trotz rekordverdächtiger KI-Gewinne.

Samsung Electronics und SK Hynix stehen unter wachsendem Druck ihrer Aktionäre. Investoren fordern einen größeren Anteil an den überschüssigen Barmitteln – entweder durch höhere Dividenden oder umfangreichere Aktienrückkäufe. Auslöser ist die Enttäuschung über spärliche Details zu Kapitalrückzahlungen, die beide Unternehmen bei der Bekanntgabe ihrer KI-getriebenen Rekordgewinne lieferten.
Die beiden weltgrößten Hersteller von Speicherchips profitieren massiv von der robusten Nachfrage nach Chips für KI-Anwendungen. Sie häufen Barmittelreserven in einem Tempo an, das selbst US-Technologiegiganten übertrifft. Bis zum Jahresende werden Samsung und SK Hynix zusammen voraussichtlich über eine Netto-Liquidität von insgesamt 263 Milliarden US-Dollar verfügen – mehr als das Doppelte der geschätzten 102 Milliarden Dollar des KI-Vorreiters Nvidia. Damit übersteigen die koreanischen Chipkonzerne sogar die kombinierten Barmittel der anderen sechs „Magnificent Seven"-US-Technologieunternehmen, wie Daten von LSEG und Berechnungen von Reuters zeigen.
Investoren verlieren die Geduld
Trotz dieser enormen Cashflows halten sowohl Samsung als auch SK Hynix bislang an einer Aktionärsrendite in Höhe von rund 50 Prozent des freien Cashflows fest. Zum Vergleich: Der US-Chiphersteller Micron kündigte im Juni an, 100 Prozent des freien Cashflows an seine Aktionäre zurückzugeben. Dieser Unterschied sorgt für wachsende Unzufriedenheit unter institutionellen und privaten Investoren gleichermaßen.
Richard Clode, Portfoliomanager bei Janus Henderson Investors in London, dessen Fonds Aktien von SK Hynix hält, bringt die Kritik auf den Punkt: „Wenn man an einer Rendite auf den freien Cashflow von etwa 50% festhält, führt dies letztendlich zu einer unglaublich ineffizienten Bilanz." Er fordert eine Erhöhung der Rückzahlungen von SK Hynix auf mindestens 80 Prozent des freien Cashflows. Zudem warnt er: Wer Unsicherheit über die Zukunft als Begründung für ausbleibende Ausschüttungspläne anführe, nähre lediglich das Narrativ, dass die KI-Gewinne nur vorübergehend und zyklisch seien.
Portfoliomanager Kim Kyu-shik vom Hedgefonds Vista Global Asset Management in Singapur äußerte sich nach der jüngsten Telefonkonferenz von SK Hynix noch deutlicher: „Ich war nach dem Telefonat wirklich wütend. Die Aktionäre haben das Gespräch in der Hoffnung auf ein Zeichen der Zuversicht verfolgt." SK Hynix hatte während der Quartalsergebniskonferenz lediglich erklärt, zusätzliche Maßnahmen zur Steigerung der Renditen zu prüfen und Pläne noch in diesem Jahr bekannt geben zu wollen.
Kurseinbrüche verstärken den Druck
Die Stimmung wird zusätzlich durch die jüngste Kursentwicklung belastet. Die Aktien von SK Hynix und Samsung sind gegenüber ihren im Juni erreichten Rekordhochs um rund 48 beziehungsweise 37 Prozent zurückgefallen. Analysten von JPMorgan senkten am Mittwoch ihr Kursziel für die SK Hynix-Aktie und erklärten, eine „klare Haltung zur Kapitalallokation sei zwingend erforderlich, um die Stimmung für die Aktie wiederherzustellen".
Auch Privatanleger werden aktiv. Die Plattform ACT startete eine Kampagne, um Samsung zu einer außerordentlichen Hauptversammlung und einem Aktienrückkauf im Wert von 32 Milliarden US-Dollar zu bewegen. „Privatanleger sind nach dem jüngsten Kurseinbruch verängstigt", sagte ACT-Vertreter Lee Sang-mok. „Es scheint bei Samsung und SK Hynix an Dringlichkeit zu mangeln."
Der Korea-Abschlag als strukturelles Problem
Das Thema geht über einzelne Unternehmen hinaus. Es berührt den sogenannten „Korea Discount" – die Tendenz koreanischer Unternehmen, mit niedrigeren Bewertungen als internationale Wettbewerber gehandelt zu werden. Als Mitursache gilt die traditionell geringere Aktionärsorientierung koreanischer Konzerne. Samsung und SK Hynix bleiben bei den Aktionärsrenditen hinter Wettbewerbern wie Apple und TSMC zurück, was die allgemeine Unzufriedenheit der Anleger weiter schürt.
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Zur AktienanalyseBeide Unternehmen haben sich in diesem Jahr zu Inlandsinvestitionen von insgesamt 3.200 Billionen Won (umgerechnet rund 2,07 Billionen US-Dollar) verpflichtet, um die KI-Nachfrage zu bedienen. Samsung begründet seine Zurückhaltung bei Ausschüttungen traditionell mit der Kapitalintensität und den Boom-and-Bust-Zyklen des Speicherchipgeschäfts.
Doch Analysten und Investoren sehen das anders. „Angesichts der erwarteten Cash-Generierung sollten beide Unternehmen in der Lage sein, diese Investitionen zu finanzieren und gleichzeitig wesentlich stärkere Aktionärsrenditen zu erzielen", sagte Aadil Ebrahim, Leiter des Bereichs Aktien bei der Klay Group. Es handele sich nicht um eine „binäre Entscheidung" zwischen Investitionen und Aktionärsrenditen.
Beide Unternehmen sichern sich zudem mehrjährige Lieferverträge mit Großkunden, was ihnen helfen dürfte, die übermäßigen Kapazitätsausweitungen früherer Boomphasen zu vermeiden und mehr Barmittel für Aktionärsrenditen freizusetzen. Samsung erklärte, man diskutiere die Politik der Aktionärsrenditen für dieses Jahr und darüber hinaus und beabsichtige, Details „sehr bald" mitzuteilen.


