Samsung investiert 1,5 Milliarden Dollar in Chip-Testwerk Vietnam
Der südkoreanische Konzern baut seine erste Halbleiter-Testanlage in Vietnam – zur Linderung des weltweiten Chip-Mangels.

Samsung Electronics plant den Bau einer Halbleiter-Testanlage in Vietnam mit einem Investitionsvolumen von 39 Billionen Dong – umgerechnet rund 1,5 Milliarden US-Dollar. Dies geht aus einem Vorschlagsdokument hervor, das Reuters vorliegt. Die Anlage soll dazu beitragen, den weltweiten Mangel an Speicherchips zu lindern, der durch die rasant steigende Nachfrage aus dem Bereich der Künstlichen Intelligenz angeheizt wird.
Der Bau der neuen Fabrik hat bereits begonnen. Das Werk entsteht in einem Industriepark rund 60 Kilometer nördlich von Hanoi, in der Provinz Thai Nguyen. Laut dem im April an die lokalen Behörden übermittelten Dokument soll der Betrieb im November 2027 aufgenommen werden. Es wäre Samsungs erste Chip-Testanlage überhaupt in Vietnam.
Engpass bei Speicherchips trifft viele Branchen
Die robuste Nachfrage nach Speicherchips seitens der Betreiber von KI-Rechenzentren hat das verfügbare Angebot für andere Industrien stark eingeschränkt. Branchen wie Smartphones, Laptops und Automobile spüren den Mangel deutlich. Große Hersteller reservieren zunehmend einen größeren Teil ihrer Produktionskapazitäten für die Fertigung von KI-Chips, was auch bei ausgereiften Speicherchips zu erheblichen Engpässen führt.
Die neue Fabrik soll sich auf ältere Chip-Generationen, sogenannte „Legacy Chips", konzentrieren. Obwohl diese für KI-Lieferketten weniger kritisch sind, besteht auch hier ein erheblicher Bedarf. Die geplante jährliche Kapazität ist beachtlich: Das Werk soll 153,3 Milliarden Gigabit (Gb) an DRAM-Chips (Dynamic Random-Access Memory) sowie weitere 255,6 Milliarden Gb an NAND-Speicherchips produzieren können.
Reinvestition in eine mögliche zweite Fabrik geplant
Besonders bemerkenswert ist ein weiterer Aspekt des Dokuments: Samsung beabsichtigt, Gewinne aus dem Projekt – „sofern vorhanden" – bis zu einer Höhe von rund 2,5 Milliarden US-Dollar für den Bau einer potenziellen zweiten Fabrik zu reinvestieren. Dies deutet auf eine langfristige Strategie des Konzerns in Vietnam hin.
Die Investition wurde im März von den vietnamesischen Behörden genehmigt. Ob die Fabrik bereits alle erforderlichen Genehmigungen erhalten hat oder ob Gespräche mit den Behörden noch andauern, ist unklar. In Vietnam ist es üblich, dass Unternehmen mit ersten Erdarbeiten beginnen, während sie noch auf Umweltgenehmigungen warten. Das Dokument, das Reuters einsehen konnte, wurde eingereicht, um genau solche Umweltgenehmigungen für den neuen Standort zu erhalten.
Mehr als 200 Ingenieure und Mitarbeiter von Samsung arbeiten bereits seit mindestens April auf dem Projektgelände, wie eine mit der Angelegenheit vertraute Person berichtete. Reporter von Reuters beobachteten bei einem Besuch schwere Baumaschinen und Arbeiter auf dem Gelände. Ein Wachmann bestätigte, dass dort ein Halbleiterwerk von Samsung entsteht. Samsung selbst lehnte eine Stellungnahme ab.
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Zur AktienanalyseSamsung ist bereits größter ausländischer Investor in Vietnam
Der südkoreanische Technologiekonzern ist keine unbekannte Größe in Vietnam. Samsung ist bereits der größte ausländische Investor des Landes und hat über Jahrzehnte mehr als 23 Milliarden US-Dollar in mehrere Anlagen investiert. Das neue Werk wird direkt neben einem bestehenden großen Komplex errichtet, in dem Samsung Electronics Smartphones und Tablets herstellt.
Vietnam spielt generell eine wichtige Rolle in der globalen Back-End-Halbleiterindustrie. Dieser Bereich ist arbeitsintensiver und weniger komplex als die eigentliche Chip-Herstellung. Das Land beherbergt bereits Montage-, Verpackungs- und Testanlagen mehrerer multinationaler Konzerne, darunter Intel, Amkor Technology und Hana Micron. Das Testen ist der letzte Prozess in der Chipherstellung: Dabei werden zuvor montierte und verpackte Halbleiter vor dem Versand auf mögliche Defekte geprüft.


