Ryanair senkt Sommerpreise trotz Rekordgewinn und Kerosinsorgen
Europas größte Fluggesellschaft meldet 40% Gewinnplus, kämpft aber mit nervösen Verbrauchern und hohen Treibstoffkosten.

Ryanair hat nach der Bekanntgabe eines Rekordjahresgewinns angekündigt, die Flugpreise im Sommer zu senken, um vorsichtige Verbraucher anzulocken. Der Jahresüberschuss der irischen Billigfluggesellschaft stieg um 40% auf 2,26 Milliarden Euro – ein leicht besseres Ergebnis als die intern prognostizierten 2,2 Milliarden Euro. Gleichzeitig senkte das Unternehmen seine Prognosen für die Tarifeinnahmen, da Konsumenten angesichts der Auswirkungen des Iran-Krieges zunehmend zurückhaltend buchen.
Vorstandschef Michael O'Leary sprach in einer Telefonkonferenz mit Analysten offen über die aktuelle Lage: „Es herrscht eine gewisse Nervosität unter den Kunden. Wir müssen leichte Preisnachlässe gewähren, um die Auslastung hochzuhalten." Für das Quartal von April bis Juni erwartet Ryanair einen Rückgang der Durchschnittspreise im mittleren einstelligen Prozentbereich gegenüber dem Vorjahr. Für den Zeitraum Juli bis September rechnet das Unternehmen mit einer weitgehend unveränderten Entwicklung.
O'Leary bezeichnete diese Prognose jedoch als konservativ und zeigte sich zuversichtlich: Nach dem Ende des Krieges erwartet er einen „angemessenen Aufschwung" bei der Nachfrage. Die Aktie reagierte zunächst mit einem Minus von 3%, erholte sich nach den optimistischeren Aussagen in der Analystenkonferenz jedoch deutlich und notierte bis 13:18 Uhr GMT mit einem Plus von 5,5%.
Kerosinrisiko auf „fast Null" gesunken
Ein zentrales Thema für die europäische Luftfahrtbranche war zuletzt die Sorge um mögliche Kerosinengpässe. O'Leary zerstreute diese Bedenken: Das Risiko eines Treibstoffmangels, der in diesem Sommer zu Flugstreichungen in Europa führen könnte, sei auf „fast Null" gesunken. Grund dafür seien Produktionssteigerungen der Raffinerien, nachdem Alternativen zu Rohöl aus der Golfregion gesichert wurden.
Dennoch bleibt das Treibstoffthema ein Kostenfaktor. Ryanair hat zwar 80% seines Kerosinbedarfs für das bis Ende März nächsten Jahres laufende Geschäftsjahr zu einem Preis von 67 US-Dollar pro Barrel abgesichert – weniger als die Hälfte des aktuellen Spotpreises. Sollten die Treibstoffpreise jedoch auf dem derzeit hohen Niveau verbleiben, könnten die Kosten pro Passagier dennoch um einen mittleren einstelligen Prozentsatz steigen. Sollte sich der Krieg zudem hinziehen, würde Ryanair sowohl durch schwächere Nachfrage als auch durch höhere Kosten unter Druck geraten.
Nicht im Jahresüberschuss enthalten ist eine Rückstellung in Höhe von 85 Millionen Euro im Zusammenhang mit einer Geldstrafe der italienischen Wettbewerbsbehörde. Ryanair erwartet allerdings, dass diese Strafe im Berufungsverfahren aufgehoben wird.
O'Learys Vertrag bis 2032 fast besiegelt
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Zur AktienanalyseAbseits der Geschäftszahlen steht auch die Zukunft von Unternehmenschef O'Leary im Fokus. Die Verhandlungen über eine Verlängerung seines Vertrags bis 2032 sind laut Unternehmensangaben fast abgeschlossen. Die Vereinbarung beinhaltet ein Aktienoptionsprogramm im Wert von 10 Millionen US-Dollar, das an die Erreichung von Leistungszielen geknüpft ist. Ein früheres Aktienoptionsprogramm soll O'Leary bis zu 100 Millionen Euro – umgerechnet rund 116,5 Millionen US-Dollar – einbringen.
Der 65-jährige Manager beantwortete eine Frage eines Analysten, ob dies seine letzte Vertragsverlängerung sei, nicht direkt. O'Leary führt Ryanair seit Jahrzehnten und gilt als einer der prägendsten Manager der europäischen Luftfahrtbranche. Unter seiner Führung hat sich Ryanair zur passagierreichsten Fluggesellschaft Europas entwickelt.


