Russlands Zentralbank plant Pflicht-Mindestreserven in chinesischen Yuan
Moskau will Yuan-Engpässe am Devisenmarkt verhindern und übermäßige Kreditvergabe durch neue Reservepflicht eindämmen.

Die russische Zentralbank plant, Geschäftsbanken zur Haltung von Mindestreserven in chinesischen Yuan zu verpflichten. Gouverneurin Elvira Nabiullina begründete den Schritt am Dienstag auf einer Bankenkonferenz in Moskau mit wiederkehrenden Liquiditätsengpässen bei der chinesischen Währung sowie einer ausufernden Kreditvergabe in Yuan.
Der Hintergrund ist konkret: Im März stiegen die Zinssätze für Yuan-Swaps auf über 40 Prozent. Ausgelöst wurde dieser Anstieg durch eine starke Nachfrage nach Yuan-Krediten und gleichzeitig geringere Zuflüsse der Währung. Schwache Ölpreise hatten zu Jahresbeginn die russischen Exporterlöse belastet und damit die Verfügbarkeit von Yuan im Inland verringert.
„Als Kunden ihre Yuan abzogen, suchten viele Banken am Geldmarkt nach Yuan. Es handelt sich um einen kurzfristigen Markt, und die Zinsen dort schossen in die Höhe", erklärte Nabiullina. Die Zentralbankchefin machte deutlich, dass sie die Volatilität für vermeidbar hält: „Es scheint uns, dass die Banken aus der Vergangenheit hätten lernen müssen, dass eine solche Volatilität unnötig ist."
Yuan als wichtigste Fremdwährung Russlands
Der chinesische Yuan hat sich seit den westlichen Sanktionen zur meistgehandelten Fremdwährung in Russland entwickelt. Nachdem zahlreiche russische Banken und die Moskauer Börse mit Sanktionen belegt wurden, verlagerte sich der Handel mit US-Dollar und Euro weitgehend in den außerbörslichen Markt. Der Yuan füllt seither die entstandene Lücke im russischen Devisenhandel.
Nabiullina räumte ein, dass die geplante Regulierung bei den Banken auf Widerstand stoßen könnte: „Die Banken mögen nicht erfreut sein, aber wir prüfen die Machbarkeit einer gesonderten Regulierung der Fremdwährungsliquidität, da dies nicht das erste Mal ist, dass die Zinsen derart in die Höhe geschnellt sind." Vor einer endgültigen Entscheidung will die Zentralbank die Geschäftsbanken zu dem Vorschlag konsultieren.
Nationale Wohlfahrtsfonds kauft wieder Yuan
Nabiullinas Aussagen fallen in eine sensible Phase für den russischen Devisenmarkt. Im Mai plant der russische Staat, im Rahmen des Nationalen Wohlfahrtsfonds – der fiskalischen Reserve des Landes – wieder Devisengeschäfte aufzunehmen und Yuan anzukaufen. Voraussetzung dafür ist, dass der Ölpreis über dem Grenzwert von 59 US-Dollar pro Barrel liegt, was derzeit der Fall ist.
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Zur AktienanalyseDmitry Pyanov, stellvertretender CEO der VTB – Russlands zweitgrößter Bank – warnte jedoch bereits am Montag, dass solche staatlichen Käufe das Risiko bergen, den inländischen Devisenmarkt kurzfristig zu destabilisieren. Die Kombination aus staatlicher Yuan-Nachfrage und möglichen neuen Reservepflichten für Banken dürfte die Diskussion um die Stabilität des russischen Devisenmarktes in den kommenden Wochen weiter anheizen.
Die geplante Mindestreservepflicht in Yuan wäre ein weiterer Schritt Russlands, sein Finanzsystem strukturell auf die chinesische Währung auszurichten – ein Prozess, der seit 2022 erheblich an Fahrt aufgenommen hat und die tiefe wirtschaftliche Verflechtung zwischen Moskau und Peking widerspiegelt.


