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Russlands Kriegswirtschaft gerät von allen Seiten unter Druck

Fallende Ölpreise, zerstörte Infrastruktur und ein starker Rubel: Putins Finanzierungsspielraum für den Krieg schwindet rapide.

Russlands Kriegswirtschaft gerät von allen Seiten unter Druck

Der kurze Atemzug für Russlands Kriegswirtschaft scheint bereits wieder vorbei. Seit der Ankündigung eines Rahmenabkommens zwischen den USA und dem Iran sind die Ölpreise spürbar gefallen. Der Preis für russisches Urals-Rohöl sank zuletzt auf rund 61 Dollar je Barrel – der niedrigste Stand seit mehr als drei Monaten. Zum Vergleich: Im April wurden laut TradingEconomics zeitweise noch über 120 Dollar je Barrel gezahlt.

Die vorübergehend höheren Ölpreise hatten dem Kreml zusätzliche Einnahmen beschert. Laut der Internationalen Energieagentur (IEA) nahm Russland im Mai durch den Export von Öl und Ölprodukten rund 20,8 Milliarden Dollar ein – 65 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Mit dem nun einsetzenden Preisrückgang dürfte der Druck auf den russischen Staatshaushalt jedoch wieder deutlich zunehmen.

Ukrainische Drohnenangriffe treffen Russlands Ölinfrastruktur hart

Doch die Entwicklungen am globalen Ölmarkt sind nur ein Teil des Problems. Marktexperte Robert Rethfeld von Wellenreiter-Invest erklärte gegenüber der ARD-Finanzredaktion, dass die teilweise Zerstörung der russischen Ölinfrastruktur die Exportmöglichkeiten einschränke und zugleich den zivilen Verbrauch im Inland belaste – weil das knappe Öl vorrangig für das Militär benötigt werde. „Für Russland stellt sich nun immer mehr die Frage nach der Finanzierbarkeit des Krieges", so Rethfeld.

Seit mehreren Monaten greift die Ukraine verstärkt russische Ölinfrastruktur an: Raffinerien, Tanklager, Pipelines und Exportanlagen – inzwischen auch weit im russischen Hinterland, wie eine Analyse des Economist zeigt. Der wirtschaftliche Schaden ist dabei doppelt: Wiederholte Angriffe erschweren rasche Reparaturen, während die hohen Reparaturkosten finanzielle Mittel binden, die sonst dem Militär oder der Zivilwirtschaft zugutekämen.

Wie gravierend einzelne Exportstandorte betroffen sind, belegen Berechnungen des Centre for Research on Energy and Clean Air. Im Hafen Taman auf der gegenüberliegenden Seite der Krim sanken die Verladungen von Ölprodukten nach Drohnenangriffen im Mai um 53 Prozent. Im Schwarzmeerhafen Tuapse lagen sie sogar 91 Prozent unter dem Vorjahresmonat.

Die IEA beziffert Russlands Rohölförderung im Mai auf 8,74 Millionen Barrel pro Tag – knapp eine Million Barrel unter der mit der OPEC+ vereinbarten Zielmenge. Die Behörde führt den Rückgang vor allem auf die verstärkten ukrainischen Angriffe auf russische Energieanlagen zurück und senkte ihre Prognose für die durchschnittliche russische Rohölförderung im laufenden Jahr um 200.000 Barrel pro Tag.

Sanktionen, starker Rubel und wachsende Kreditrisiken

Zusätzlicher Druck könnte aus Washington kommen. Die Trump-Regierung hatte Sanktionen gegen russisches Öl während des Iran-Konflikts gelockert – doch diese Ausnahmeregelung lief am 17. Juni aus. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer geht davon aus, dass die USA die Sanktionen gegen den russischen Ölsektor wieder aktivieren dürften, „sobald sich die Lage am Golf entspannt hat".

Auch abseits des Ölmarkts wächst der Druck auf Moskau. Der russische Rubel wurde zuletzt bei rund 73 Rubel je Dollar gehandelt und hat damit binnen drei Monaten rund 15 Prozent aufgewertet. Für russische Exporteure ist das ein erhebliches Problem: Güter wie Getreide, Dünger, Stahl oder Metalle werden auf dem Weltmarkt teurer und damit weniger wettbewerbsfähig. Gleichzeitig sind die Einnahmen aus Dollar- oder Yuan-Geschäften nach der Umrechnung weniger Rubel wert – was sowohl die Unternehmensgewinne als auch die staatlichen Steuereinnahmen schmälert.

Ein wesentlicher Grund für den starken Rubel ist die straffe Geldpolitik der russischen Zentralbank. Trotz wachsenden Drucks aus dem Kreml senkte sie den Leitzins zuletzt lediglich um 0,25 Prozentpunkte auf 14,25 Prozent – weniger als erwartet. Die hohen Zinsen verteuern Kredite und bremsen Investitionen spürbar.

Versteckte Schulden im Bankensektor als weiteres Risiko

Auch im russischen Bankensektor könnten sich die Probleme verschärft haben. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet unter Berufung auf europäische Geheimdienstinformationen von hohen versteckten Schulden: Banken hätten auf Druck des Kremls Vorzugskredite an finanzschwache Rüstungsunternehmen vergeben, was das Risiko von Kreditausfällen erhöhe.

Unterm Strich gerät Russlands Kriegswirtschaft von mehreren Seiten gleichzeitig unter Druck:

  • Fallende Ölpreise durch das US-Iran-Rahmenabkommen
  • Förder- und Exportausfälle infolge ukrainischer Drohnenangriffe
  • Starker Rubel, der Exporterlöse und Steuereinnahmen mindert
  • Hohe Zinsen, die Investitionen und Kreditvergabe bremsen
  • Wachsende Kreditrisiken im Bankensektor
  • Mögliche Wiedereinführung westlicher Ölsanktionen

Wellenreiter-Experte Rethfeld fasst die Lage klar zusammen: „Wir gehen davon aus, dass der Ölpreis noch weiter fallen wird und der Druck auf Russland sich noch verstärken wird. Damit verbessern sich die Verhandlungsoptionen für die Ukraine."

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