Russisches Urals-Öl: Preisaufschläge in Indien deutlich gesunken
Schwache Raffineriemargen zwingen indische Raffinerien zur Kaufzurückhaltung – Urals-Aufschläge fallen von 6–7 auf 2–4 Dollar pro Barrel.

Die Preisaufschläge für russisches Urals-Rohöl in Indien sind spürbar gesunken. Russisches Urals-Rohöl zur Lieferung an indische Häfen im Juni wird aktuell mit einem Aufschlag von 2 bis 4 US-Dollar pro Barrel gegenüber dem Referenzpreis Brent gehandelt. Für Lieferungen im Mai lagen diese Aufschläge noch bei 6 bis 7 US-Dollar pro Barrel – ein deutlicher Rückgang innerhalb weniger Wochen.
Hintergrund des Rückgangs ist die nachlassende Kaufbereitschaft indischer Raffinerien. Schwache Raffineriemargen – also die Gewinnspanne zwischen dem Einkaufspreis für Rohöl und dem Verkaufspreis für verarbeitete Kraftstoffe – veranlassen die Unternehmen, ihre Einkaufsmengen zu reduzieren. Weniger Nachfrage drückt naturgemäß auf die Preisaufschläge.
Straße von Hormus als Auslöser des Preisanstiegs
Dass Urals überhaupt seit Anfang März mit einem Aufschlag gegenüber Brent gehandelt wird, ist auf geopolitische Entwicklungen zurückzuführen. Der US-israelische Krieg gegen den Iran hat die Ölströme durch die Straße von Hormus unterbrochen. Dieses Nadelöhr für Ölexporte aus dem Nahen Osten ist von enormer strategischer Bedeutung: Ein faktischer Stillstand des Tankerverkehrs dort schränkt die Verfügbarkeit von Rohöl aus der Golfregion erheblich ein.
Die eingeschränkte Verfügbarkeit von Golfstaaten-Öl erhöhte die Nachfrage asiatischer Raffinerien nach alternativen Rohölsorten – darunter russische Sorten wie Urals. Dies trieb die Aufschläge in die Höhe. Nun, da die Raffineriemargen unter Druck geraten sind, bremst sich diese Dynamik spürbar ab.
Indien unter wirtschaftlichem Druck
Indien gehört zu den weltweit größten Ölimporteuren und spürt die Folgen der gestiegenen Energiepreise besonders stark. Die indische Regierung hat die inländischen Benzinpreise bislang unverändert gelassen, obwohl die globalen Rohstoffpreise gestiegen sind. Dies belastet die Devisenreserven des Landes erheblich.
Die wirtschaftlichen Auswirkungen zeigen sich auch in der Nachfrage: Indiens Kraftstoffnachfrage lag im April um 4,6 Prozent unter dem Niveau des Vorjahresmonats. Premierminister Narendra Modi drängte zuletzt auf eine Reihe von Maßnahmen, darunter Kraftstoffeinsparungen, um dem Druck auf die Staatsfinanzen entgegenzuwirken.
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Zur AktienanalyseAuch ESPO Blend unter Druck
Nicht nur Urals, sondern auch die russische Sorte ESPO Blend aus dem Fernen Osten verzeichnet rückläufige Spot-Aufschläge. Die Lieferungen nach China im Juni sind ebenfalls günstiger geworden, da schwache Raffineriemargen die Nachfrage unabhängiger chinesischer Raffinerien dämpfen. Das Muster ist damit in ganz Asien ähnlich: Die geopolitisch bedingte Nachfragebelebung für russisches Öl stößt an wirtschaftliche Grenzen, wenn die Verarbeitungsmargen der Abnehmer unter Druck geraten.

