Russisch-chinesische Pipelinepläne vor Hürden
Langwierige Verhandlungen und technische Anforderungen verzögern das Power-of-Siberia-Projekt

Ein geplantes Vorhaben zum Bau einer neuen Gaspipeline von Sibirien nach China steht nach Aussagen eines leitenden chinesischen Forschers vor erheblichen Herausforderungen. Das Projekt, die zweite Leitung des Power-of-Siberia-Systems, erfordert umfangreiche Arbeiten, zahlreiche Aufgaben und langwierige Verhandlungen. Obwohl der russische Präsident während eines Besuchs in China ein als rechtsverbindlich bezeichnetes Memorandum zur Realisierung vorgelegt hatte, blieb Peking in der öffentlichen Kommunikation bislang zurückhaltend.
Der Präsident des Forschungsinstituts des chinesischen Staatsölkonzerns, Lu Ruquan, verwies bei einer Energieveranstaltung darauf, dass groß angelegte Gasprojekte in der Regel acht bis zehn Jahre benötigen. Er betonte, dass die Umsetzung eines derart komplexen Vorhabens mit erheblichen strukturellen und technischen Anforderungen verbunden sei. Auch internationale Experten sehen einen längeren Zeitraum für die Fertigstellung, als dies in politischen Ankündigungen angedeutet wurde.
Daniel Yergin von S&P Global Energy erklärte, dass Russland zwar klar entschlossen sei, die Pipeline zu bauen und sie in die strategische Kooperation mit China einzubetten, doch zahlreiche Details noch ungeklärt seien. Dabei verwies er insbesondere auf die Preisgestaltung für das Gas, bei der beide Seiten bisher keine Einigung erzielt haben. Trotz der engen Zusammenarbeit gebe es hier unterschiedliche Vorstellungen, die die Dauer der Verhandlungen verlängerten.
Die bestehende Power-of-Siberia-1-Pipeline liefert seit Ende 2019 Gas von Ostsibirien nach China und soll in diesem Jahr ihre geplante Kapazität von 38 Milliarden Kubikmetern erreichen. Zusätzlich wurde während des jüngsten Treffens beider Staatschefs eine Ausweitung um weitere 6 Milliarden Kubikmeter über diese Route vereinbart. Darüber hinaus verpflichtete sich China, über eine separate Leitung aus der Region Sachalin jährlich zusätzliche Mengen abzunehmen. Diese Lieferungen sollen 2027 beginnen und langfristig auf bis zu 12 Milliarden Kubikmeter pro Jahr steigen.
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Zur AktienanalyseDamit ergibt sich für China ein wachsendes Portfolio an Gasimporten aus Russland, während Moskau den Ausbau der Exportinfrastruktur als zentralen Bestandteil seiner Energiepolitik betrachtet. Die Realisierung des zweiten großen Pipelineprojekts bleibt jedoch abhängig von technischen Fortschritten, wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und dem Fortschritt der bilateralen Verhandlungen.

