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Russell 2000 erlebt stärkstes erstes Halbjahr seit 1991

Nebenwerte überholen die Wall Street-Giganten – und das mit der besten Halbjahresperformance seit über drei Jahrzehnten.

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Russell 2000 erlebt stärkstes erstes Halbjahr seit 1991

Der Russell 2000, der Leitindex für kleinere US-amerikanische Unternehmen, hat in den ersten sechs Monaten des Jahres rund 22 Prozent zugelegt. Das ist das beste erste Halbjahr des Index seit 1991 – und ein klares Signal, dass sich die Kräfteverhältnisse am US-Aktienmarkt verschieben könnten.

Besonders bemerkenswert ist der Vergleich mit dem technologielastigen Nasdaq Composite: Der Russell 2000 übertraf den Nasdaq in diesem Zeitraum um rund 9 Prozentpunkte. Eine derart große Outperformance gegenüber dem Nasdaq gab es zuletzt im Jahr 2006. In der vergangenen Woche verzeichnete der Index sogar zeitweise vier Rekordschlussstände in Folge.

Rotation weg von KI-Giganten

Der Aufschwung der Nebenwerte ist umso bemerkenswerter, weil der Markt seit Jahren von den Billionen-Dollar-Konzernen des KI-Booms dominiert wird. Chip-Hersteller wie Intel oder Micron Technology standen lange im Mittelpunkt der Kursrally. Nun scheint sich die Aufmerksamkeit der Anleger auf breitere Marktbereiche auszuweiten.

Einige Marktteilnehmer sehen darin ein Zeichen für eine gesunde Marktrotation. Anleger beginnen offenbar, Gewinne aus hochbewerteten Technologiewerten mitzunehmen und das Kapital in andere Sektoren umzuschichten.

Joshua Schachter, Anlagechef bei Easterly Snow, beschreibt die aktuelle Stimmung unter Investoren treffend: „Die Anleger halten inne und fragen sich: ‚Woher könnte der nächste Renditeschub kommen?'" Er bezieht sich dabei auf den Fachbegriff „Alpha" – also eine Performance, die über der jeweiligen Markt-Benchmark liegt. „Dem Markt fehlten viele interessante Ideen mit attraktiven Bewertungen", so Schachter weiter.

Kapital fließt in Gesundheit, Industrie und Konsum

Schachter selbst hat zuletzt konsequent gehandelt: Er verkaufte Halbleiteraktien und andere KI-Werte, um die freigewordenen Mittel in Unternehmen aus den Bereichen Gesundheitswesen, Industrie und zyklische Konsumgüter umzuschichten. Die Logik dahinter ist klar – nicht mangelnde Qualität der Technologieunternehmen, sondern deren Bewertung ist das Problem.

Über die großen Chip-Konzerne sagt Schachter: „Das sind großartige Unternehmen. Aber die Aktien sind einfach zu teuer." Diese Einschätzung teilen offenbar zunehmend mehr institutionelle Anleger, was den Mittelzufluss in Nebenwerte erklärt.

Für deutsche Privatanleger ist diese Entwicklung relevant, da viele internationale Fonds und ETFs den Russell 2000 als Benchmark für den US-amerikanischen Small-Cap-Markt nutzen. Eine anhaltende Outperformance von Nebenwerten könnte die Portfolioallokation vieler Investoren weltweit beeinflussen – und die Frage aufwerfen, ob auch europäische Nebenwerte von einem ähnlichen Trend profitieren könnten.

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