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Ruhe nach dem Gas-Sturm trügt

Deutsche Gasversorgung anfällig für Infrastrukturprobleme

Ruhe nach dem Gas-Sturm trügt

Die akute Gaskrise in Deutschland scheint überwunden - doch die Abhängigkeit bleibt hoch. Nur weil kurzfristig Ersatz für russisches Gas gefunden wurde, sollten wir uns nicht in falscher Sicherheit wiegen. Denn unsere Versorgung steht weiterhin auf tönernen Füßen.

Zwei kalte Winterwochen könnten ausreichen, um die Preise wieder drastisch steigen zu lassen. Teile der Wirtschaft wären dann erneut gefährdet. Deutschland braucht auf absehbare Zeit Gas, sei es für die Industrie oder als Back-up beim Strom. Die rasche Inbetriebnahme des ersten LNG-Terminals war daher richtig und wichtig.

Doch die Krisenpolitik der letzten Monate hat auch zu trügerischer Entspannung geführt. Der dringend nötige Umstieg auf erneuerbare Energien gerät ins Stocken. Dabei ist dieser Wandel aus Klimaschutzgründen unverzichtbar. Zudem bleibt die Gasversorgung fragil, wie das aktuelle Leck in der Balticconnector-Pipeline zeigt.

Schon geringe Infrastrukturprobleme lassen die Preise steigen, da es kaum Puffer gibt. Fallen wichtige Lieferanten aus Norwegen oder beim LNG aus, droht neues Chaos. Russland hat zudem Interesse, Europa durch Angriffe auf Pipelines zu destabilisieren.

Klar ist: Wir müssen unabhängiger von einzelnen Energieträgern, Lieferanten und Pipelines werden. Der Ausbau von Wind- und Solarenergie muss endlich Fahrt aufnehmen, langfristig müssen wir vollständig auf erneuerbare Quellen umsteigen. Wir benötigen zudem mehr und breiter gestreute Bezugsquellen für Gas.

Die Regierung sollte die Gunst der Stunde nutzen und einen Masterplan für eine beschleunigte Energiewende vorlegen. Dazu gehören deutlich höhere Ausbauziele bei Wind- und Solarenergie, Vereinfachungen der Genehmigungsverfahren, eine Solarpflicht für Neubauten und große Parkplätze sowie massive Investitionen in Speichertechnologien.

Auch beim Einsparen von Energie ist noch viel Luft nach oben, sei es durch Sanierungen im Gebäudebereich oder eine höhere Energieeffizienz in der Industrie. Statt wieder in den Krisenmodus zu verfallen, müssen wir jetzt die Weichen für eine sichere und nachhaltige Energiezukunft stellen. Sonst stehen wir beim nächsten kalten Winter vor den gleichen Problemen - oder noch schlimmeren.

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