RTX-Aktie: Warum Raytheon vom Iran-Krieg profitieren könnte
Der Iran-Konflikt treibt die US-Rüstungsbestellungen in die Höhe – RTX gilt als klarer Gewinner, auch nach einem möglichen Waffenstillstand.

Die geopolitische Lage rund um den Iran bleibt angespannt und volatil. Noch am vergangenen Freitag schien eine Öffnung der Straße von Hormus möglich – bis der Iran am Samstag die Kontrolle über die kritische Wasserstraße zurückgewann und sogar auf passierende Schiffe feuerte. Am Montag nahmen die Spannungen erneut zu, und ein fragiler Waffenstillstand steht kurz vor dem Ablauf. Für Investoren liefert diese Situation dennoch klare Signale.
Besonders interessant ist dabei die Entwicklung der RTX-Aktie, der Muttergesellschaft von Raytheon. Während der breitere Markt in der vergangenen Woche zulegte – getrieben von Hoffnungen auf eine Entspannung im Nahen Osten –, verlor RTX rund 2,55 Prozent. Auf den ersten Blick könnte man meinen, RTX brauche den Krieg, um zu steigen. Doch die Realität sieht anders aus.
Die US-Regierung braucht Raketen – RTX liefert sie
RTX ist das Ergebnis der Fusion von Raytheon und United Technologies. Der Name Raytheon war bereits ein Jahrhundert lang in Gebrauch, bevor 2023 das Rebranding zu RTX erfolgte. Raytheon gehört weiterhin zum Konzern und zählt zu den führenden Herstellern von Raketen für das US-Militär – genau jene Waffen, die seit Beginn des Iran-Krieges intensiv eingesetzt werden.
Ein konkretes Beispiel verdeutlicht das Ausmaß: Allein im ersten Kriegsmonat verschossen die USA 319 Tomahawk-Raketen aus Raytheon-Produktion – das entspricht 10 Prozent des gesamten US-Bestands. Normalerweise produziert Raytheon rund 500 Tomahawks pro Jahr. Aufgrund der raschen Erschöpfung der Vorräte hat die US-Regierung das Unternehmen beauftragt, die Produktion zu verdoppeln. In einigen Produktkategorien soll die Fertigungsrate sogar vervierfacht werden.
Neben der Tomahawk setzt das US-Militär im Konflikt auch auf weitere Raytheon-Produkte: Luft-Luft-Abwehrraketen sowie Abfangraketen gehören ebenfalls zum Einsatzspektrum. All diese Systeme gelten als „missionskritisch", und die Regierung erhöht die Bestellungen entsprechend. Die Produktionsstätten befinden sich dabei in Alabama, Arizona und Massachusetts – ein Aspekt, der auch industriepolitisch relevant ist.
RTX als Kauf für die Nachkriegszeit
Selbst wenn der Konflikt beigelegt wird, dürfte RTX profitieren. Die Logik dahinter folgt dem Prinzip „Frieden durch Stärke": Militärische Aufrüstung dient als Abschreckung. Wer gut ausgerüstet ist, muss seltener kämpfen. Für die US-Regierung bedeutet das, erschöpfte Bestände aufzufüllen und neue Kapazitäten aufzubauen – unabhängig davon, ob der aktuelle Konflikt endet oder nicht.
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Zur AktienanalyseHinzu kommt ein industriepolitischer Aspekt: Die Aufrüstung deckt sich mit dem politischen Ziel, die amerikanische Industrie zu stärken. RTX ist dabei ein zentraler Akteur, da ein Großteil der geforderten Produktionssteigerungen direkt in US-amerikanischen Werken umgesetzt wird.
Für Anleger ergibt sich daraus ein interessantes Bild: Die kurzfristige Kursschwäche bei RTX, ausgelöst durch Entspannungshoffnungen, spiegelt möglicherweise nicht die fundamentale Nachfragesituation wider. Die Regierung hat sich bereits zu Ersatzbestellungen verpflichtet – unabhängig vom weiteren Kriegsverlauf. Wer in Verteidigungsaktien investiert, sollte diese strukturelle Nachfrage im Blick behalten, anstatt kurzfristige geopolitische Stimmungsschwankungen überzubewerten.


