Royal Mail verfehlt Zustellziele massiv – nur 75,7 Prozent pünktlich
Der britische Postdienstleister Royal Mail stellt nur drei Viertel der Erstklasse-Briefe pünktlich zu und verfehlt sein 93-Prozent-Ziel deutlich.

Royal Mail hat im Geschäftsjahr bis Ende März lediglich 75,7 Prozent der Erstklasse-Briefe pünktlich zugestellt. Das Unternehmen verfehlte damit sein eigenes Ziel von 93 Prozent um fast 18 Prozentpunkte. Auch bei der zweiten Briefklasse sieht die Bilanz düster aus: Nur 90,2 Prozent der Sendungen wurden innerhalb von drei Werktagen zugestellt, während das Ziel bei 98,5 Prozent liegt.
Der aktuelle Qualitätsbericht ist der erste, der die Leistung des Unternehmens unter seinem neuen privaten Eigentümer widerspiegelt. Die EP Group des tschechischen Milliardärs Daniel Kretinsky hatte Royal Mail übernommen, nachdem die Aktionäre die Transaktion Ende April des vergangenen Jahres genehmigt hatten. Die schlechten Zahlen befeuern die ohnehin anhaltende Kritik an dem traditionsreichen Postunternehmen.
Sechs Jahre ohne Zielerreichung
Royal Mail kämpft seit Jahren mit strukturellen Problemen bei der Briefzustellung. Es ist mittlerweile sechs Jahre her, dass das Unternehmen zuletzt seine jährlichen Briefzustellungsziele erreicht hat. Die Leistung hatte sich nach dem Einbruch während der Covid-19-Pandemie nie vollständig erholt – ein Umstand, der Politiker und die Öffentlichkeit in Großbritannien zunehmend in Rage versetzt.
Im Oktober vergangenen Jahres verhängte die britische Regulierungsbehörde Ofcom eine Geldstrafe von 21 Millionen Pfund gegen Royal Mail wegen des Verfehlens der Zustellziele. Es handelte sich dabei um die dritthöchste Strafe, die die Kommunikationsaufsicht jemals ausgesprochen hat. Die Sanktion zeigt, wie ernst die Behörden die anhaltenden Versäumnisse des Unternehmens nehmen.
Im Februar dieses Jahres berichteten Postmitarbeiter gegenüber der BBC, dass einige Briefe wochenlang nicht zugestellt worden seien. Zudem sollen Mitarbeiter angewiesen worden sein, stattdessen die Paketzustellung zu priorisieren, da diese profitabler sei. Diese Vorwürfe führten dazu, dass Royal-Mail-Führungskräfte im März vor einen parlamentarischen Ausschuss geladen wurden.
Kretinsky entschuldigt sich, bestreitet Paket-Priorisierung
Eigentümer Daniel Kretinsky persönlich erschien vor dem Ausschuss und erklärte, es tue ihm „zutiefst leid für jeden Brief, der verspätet ankommt". Den Vorwurf, Pakete würden systematisch gegenüber Briefen bevorzugt, wies er zurück: „Ich habe nie eine Anweisung oder Diskussion gehört und an keinem Austausch teilgenommen, der genehmigen würde, dass Royal Mail Pakete gegenüber Briefen priorisiert."
Das Unternehmen selbst gibt sich optimistisch, was die künftige Entwicklung angeht. Chief Operating Officer Jamie Stephenson erklärte: „Wir investieren erheblich in die Verbesserung der Zuverlässigkeit und das Erreichen dieser neuen Zustellungsziele, aber die Umsetzung dauerhafter Veränderungen in einem Netzwerk dieser Größenordnung braucht Zeit." Royal Mail sieht sich auf Kurs, die neuen – bereits reduzierten – Ziele von 90 Prozent für Erstklasse- und 95 Prozent für Zweitklasse-Sendungen bis zum gleichen Zeitpunkt im nächsten Jahr zu erreichen.
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Zur AktienanalyseVerbraucherschützer üben scharfe Kritik
Verbraucherschützer zeigen sich wenig beeindruckt von den Versprechen des Unternehmens. Tom MacInnes, Policy Director bei Citizens Advice, bezeichnete die schlechte Leistung als „Business as usual" bei Royal Mail. „Was noch schlimmer ist: Royal Mail behauptet, dass die Menschen ein weiteres Jahr warten müssen, bis das Unternehmen seine neuen, niedrigeren Zustellungsziele erreichen kann", kritisierte er.
Im Rahmen seines Verbesserungsplans hat Royal Mail Teilzeitkräften die Option eingeräumt, längere Arbeitszeiten zu übernehmen. Darüber hinaus hat das Unternehmen mit der Ofcom einen Plan vereinbart, die Zustellung von Zweitklasse-Briefen an Samstagen im Rahmen seines neuen Betriebsmodells einzustellen. Ob diese Maßnahmen ausreichen, um das Vertrauen der Bevölkerung zurückzugewinnen, bleibt abzuwarten.


