Rom-Fiumicino plant Milliarden-Expansion zum größten Flughafen Westeuropas
Flughafen-Chef Marco Troncone setzt auf neun Milliarden Euro Investitionen und 100 Millionen Passagiere bis 2033.

Der Flughafen Rom-Fiumicino gehört zu den wachstumsstärksten Airports Europas. In den vergangenen Jahren legte der Verkehr jeweils um bis zu gut 20 Prozent zu – ein Tempo, das kaum ein anderer europäischer Großflughafen mithalten kann. Nun hat Aeroporti di Roma-Chef Marco Troncone im Interview mit der Wirtschaftswoche seine Wachstumsstrategie für die kommenden Jahre skizziert.
Trotz der aktuellen geopolitischen Spannungen durch den Golfkrieg zeigt sich Troncone gelassen. Im März sei der Verkehr gegenüber dem Vorjahr sogar gewachsen, so der Manager. In Richtung Fernost gebe es mittlerweile mehr Direktflüge statt Umsteigeverbindungen, und das Wachstum aus Nord- und Südamerika sei besonders stark. Risiken sieht Troncone vor allem dann, wenn sich der Konflikt auf weitere Länder wie Ägypten ausweiten oder dauerhaft hohe Kerosinpreise die Branche belasten sollten.
Ita Airways als Lufthansa-Hub: Strategischer Wendepunkt für Rom
Ein zentraler Faktor für die positive Stimmung ist die Integration der italienischen Heimatairline Ita Airways in die Lufthansa-Gruppe. Damit ist Rom-Fiumicino nun offiziell ein Hub der Lufthansa-Gruppe – ein Umstand, den Troncone als „gute Nachricht" wertet. Die jahrzehntelange Instabilität der Vorgängerairline Alitalia hatte den Flughafen strukturell geschwächt.
Troncone sieht Rom als idealen Knotenpunkt: geographisch das südlichste Hub der Lufthansa-Gruppe, strategisch positioniert für Verbindungen zwischen Ost und West, zwischen Mittel- und Nordeuropa sowie Südamerika – und künftig verstärkt auch Afrika. Ita ist zudem Teil der Star Alliance und des transatlantischen Joint Ventures A++ mit Air Canada und United Airlines. Um dieses Potenzial vollständig zu nutzen, seien jedoch noch Genehmigungen der Wettbewerbsbehörden nötig – ein Prozess, der etwa ein Jahr in Anspruch nehmen dürfte. Die Mehrheitsübernahme durch Lufthansa wird laut Troncone wahrscheinlich im Juni erfolgen, andernfalls im Juni 2027.
Neun Milliarden Euro: Größter Flughafen Westeuropas als Ziel
Das ambitionierteste Projekt ist die geplante Erweiterung des Airports. Insgesamt neun Milliarden Euro sollen in den nächsten 20 Jahren investiert werden – nach bereits 3,6 Milliarden Euro in den vergangenen zwölf Jahren. Davon fließen vier Milliarden in die Modernisierung und Wartung bestehender Strukturen, fünf Milliarden in neue Kapazitäten wie ein zusätzliches Terminal und eine neue Start- und Landebahn. Zusätzlich sind mehr als 300 Millionen Euro für regionale Infrastrukturprojekte vorgesehen.
Das Ziel: 100 Millionen Passagiere jährlich – was Rom-Fiumicino zum größten Flughafen Westeuropas machen würde. Die Erweiterung soll bis 2033 abgeschlossen sein, pünktlich zum nächsten Heiligen Jahr, das erfahrungsgemäß enormen Reiseverkehr nach Rom bringt. Alle Genehmigungen sollen in spätestens zwei Jahren vorliegen.
Die Finanzierung stemmt Aeroporti di Roma ohne staatliche Mittel – aus Eigenmitteln und Fremdkapital. Die Nettoverschuldung von rund zwei Milliarden Euro sei im Branchenvergleich niedrig, betont Troncone. Rechnerisch entsprechen die neun Milliarden Euro mindestens dem Zwölffachen des operativen Gewinns – ein ambitionierter, aber nach Einschätzung des Managements tragbarer Rahmen.
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Zur AktienanalyseTourismus-Boom und Rückendeckung durch Mundys
Beim Passagiermix dominieren Touristen klar: Geschäftsreisende machen lediglich 15 bis 20 Prozent der Fluggäste aus. Besonders stark ist derzeit der Zustrom aus Nordamerika. Das große Wachstumspotenzial der Zukunft sieht Troncone jedoch im Osten – in Indien, China und Südostasien. Diese Reisenden zieht es nach Paris, London und Rom.
Rückendeckung erhält Aeroporti di Roma vom Mutterkonzern Mundys, dem Infrastrukturkonglomerat der Familie Benetton. Troncone hebt vor allem die langfristige Investitionsstrategie des Konzerns hervor – im Gegensatz zu kurzfristig orientierten Investmentfonds. Operative Synergien gebe es zwar kaum, doch die finanzielle Stabilität und internationale Aufstellung von Mundys seien entscheidend für die Umsetzung der Wachstumspläne. Auch der Gemeinderat von Fiumicino und die italienische Regierung unterstützen das Vorhaben – nicht zuletzt wegen der wirtschaftlichen Bedeutung des Flughafens für die Region und die Beschäftigung im Land.

