Roche und Pfizer drängen in den Abnehm-Markt
Milliardenpotenzial lockt – neue Medikamente sollen Novo Nordisk und Eli Lilly herausfordern

Mehr als eine Milliarde Menschen weltweit leiden unter starkem Übergewicht. Damit gilt Adipositas als eine der größten gesundheitlichen Herausforderungen unserer Zeit, doch für die Pharmaindustrie eröffnet sich zugleich ein lukrativer Markt. Laut Prognosen könnte der Umsatz mit Abnehm-Präparaten im kommenden Jahrzehnt auf über 100 Milliarden Dollar ansteigen. Im Jahr 2024 belief sich das Marktvolumen noch auf rund 30 Milliarden Dollar. Bisher dominierten vor allem zwei Unternehmen diesen Bereich: Novo Nordisk mit seiner Abnehmspritze Wegovy und Eli Lilly mit dem Präparat Mounjaro.
Nun mischen auch Roche und Pfizer verstärkt mit. Roche hat angekündigt, bei Therapien gegen Übergewicht zu den drei größten Anbietern weltweit gehören zu wollen. Das Unternehmen plant, sein in Entwicklung befindliches Mittel CT-388 bereits im kommenden Jahr in die finale Testphase zu bringen. Unterstützt wird der Konzern dabei durch eine Kooperation mit Zealand Pharma. Konzernchef Thomas Schinecker hatte bereits 2024 angedeutet, dass neue Präparate möglicherweise schon 2028 auf den Markt kommen könnten.
Die Rückkehr von Roche in diesen Bereich ist bemerkenswert, da sich das Unternehmen vor einigen Jahren zunächst aus der Entwicklung von Medikamenten zur Gewichtsreduktion zurückgezogen hatte. Durch die Übernahme des US-Unternehmens Carmot Therapeutics für 2,7 Milliarden Dollar Ende 2023 sicherten sich die Schweizer nicht nur Know-how, sondern auch den Wirkstoff CT-388. An der Börse reagierten Investoren positiv auf die neuen Pläne, die Aktien legten um zwei Prozent zu.
Auch Pfizer verstärkt seine Aktivitäten und meldete den Kauf des US-Unternehmens Metsera für 7,3 Milliarden Dollar. Ausschlaggebend ist ein Medikamentenkandidat, der in einer mittleren Studienphase innerhalb von zwölf Wochen einen durchschnittlichen Gewichtsverlust von 11,3 Prozent erzielte. Im Vergleich dazu kamen die Präparate von Novo Nordisk und Eli Lilly bei längerer Einnahme auf Gewichtsverluste von 15 beziehungsweise über 20 Prozent. Ein potenzieller Vorteil des Metsera-Medikaments liegt jedoch in der Anwendung: Während die Konkurrenz auf wöchentliche Injektionen setzt, könnte hier eine einmalige Gabe pro Monat ausreichen.
Pfizer musste in diesem Segment zuvor Rückschläge hinnehmen. Der Konzern stellte im April die Entwicklung der eigenen Abnehmpille Danuglipron ein, nachdem in Studien deutliche Verträglichkeitsprobleme sowie Bedenken hinsichtlich möglicher Leberschäden auftraten. Mit dem Zukauf von Metsera will Pfizer nun ein Comeback wagen. Auch die Anleger zeigten sich überzeugt, die Aktien des US-Konzerns legten nach der Ankündigung zu.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseOb es Roche und Pfizer gelingt, sich gegen die etablierte Konkurrenz durchzusetzen, bleibt offen. Experten verweisen darauf, dass Novo Nordisk und Eli Lilly über mehrere Jahre Vorsprung verfügen und ihre Produkte bereits erfolgreich am Markt etabliert haben.

