Roche erzielt Durchbruch bei Multiple-Sklerose-Forschung
Neuer BTK-Hemmer Fenebrutinib zeigt überzeugende Wirksamkeit in zwei Phase-III-Studien

Der Schweizer Pharmakonzern Roche hat mit seinem Wirkstoff Fenebrutinib in der Behandlung der Multiplen Sklerose bedeutende Fortschritte erzielt. In einer zulassungsrelevanten Phase-III-Studie zur schubförmigen Verlaufsform der Krankheit erreichte das Mittel das primäre Studienziel. Gleichzeitig zeigte Fenebrutinib in einer weiteren Untersuchung bei primär progredienter Multipler Sklerose eine mindestens gleichwertige Wirksamkeit im Vergleich zu Ocrevus, dem bisher einzigen zugelassenen Medikament für diesen Verlauf.
Nach Angaben des Unternehmens deuten die Ergebnisse darauf hin, dass Fenebrutinib die erste hochwirksame, oral verabreichte Therapie sein könnte, die für beide Formen der Krankheit geeignet ist. Diese Entwicklung wurde von Levi Garraway, Chief Medical Officer bei Roche, als potenzieller Meilenstein in der MS-Therapie bezeichnet. Anleger reagierten positiv auf die Nachricht, die Aktien des Konzerns legten im frühen Handel um fast zwei Prozent zu.
In der Studie mit schubförmiger Multipler Sklerose verringerte Fenebrutinib die jährliche Schubrate über einen Zeitraum von mindestens 96 Wochen signifikant im Vergleich zum Präparat Aubagio von Sanofi. Bei Patienten mit primär progredienter MS zeigte der neue Wirkstoff eine ähnlich starke Verlangsamung des Krankheitsfortschritts wie Ocrevus. Die vollständigen Studiendaten sollen auf medizinischen Kongressen vorgestellt werden. Roche plant eine Einreichung bei den Zulassungsbehörden, sobald die Ergebnisse einer weiteren entscheidenden Studie vorliegen, die im ersten Halbjahr 2026 erwartet wird.
Fenebrutinib gehört zu den sogenannten Bruton-Tyrosinkinase-Hemmern (BTK-Hemmern), einer neuen Medikamentenklasse, die gezielt in die Autoimmunreaktion eingreift, die der Multiplen Sklerose zugrunde liegt. Dadurch bietet sie einen differenzierteren Ansatz als herkömmliche immunsuppressive Therapien. Neben Roche arbeitet auch Sanofi an BTK-Hemmern, während andere Hersteller in diesem Forschungsfeld Rückschläge hinnehmen mussten.
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Zur AktienanalyseAnalysten bewerteten die Ergebnisse grundsätzlich positiv, mahnten jedoch zur Vorsicht. Laut Michael Leuchten von Jefferies sei die Nachricht eine willkommene Überraschung nach einer Phase gedämpfter Erwartungen. Unklar bleibe allerdings, ob die gezeigte Gleichwertigkeit zu Ocrevus für eine Zulassung bei primär progredienter MS ausreiche. Zudem erinnerte der Analyst daran, dass ein teilweiser Studienstopp durch die US-Gesundheitsbehörde FDA wegen möglicher Leberschäden aus dem Jahr 2023 bislang nicht offiziell aufgehoben wurde.


