Risiko bei Fintech-Zinsen unterschätzt
Wie Trade Republic und Scalable Kundengelder in Geldmarktfonds investieren

Der Neobroker Trade Republic und sein Wettbewerber Scalable Capital locken mit hohen Guthabenzinsen zahlreiche Kunden an. Die Anbieter sind als Plattformen für den Handel mit Aktien und ETFs bekannt, doch ihr jüngster Erfolg basiert auf attraktiven Zinsofferten. Trade Republic zahlte zeitweise bis zu vier Prozent Zinsen auf Guthaben, mittlerweile sind es drei Prozent. Scalable verfolgt ein ähnliches Modell. Kunden wie Thomas Schmidt, ein 31-jähriger Lehrer, schätzten dieses Angebot als sichere Anlagemöglichkeit. Doch nun kommen Zweifel auf.
Ein zentrales Thema ist die Art und Weise, wie die Neobroker die Kundeneinlagen verwalten. Statt diese klassisch auf Bankkonten zu parken, fließen Teile der Guthaben in Geldmarktfonds. Diese Fonds gelten zwar als vergleichsweise sicher, bieten jedoch keine Einlagensicherung wie klassische Tagesgeldkonten. Während Bankeinlagen bis zu 100.000 Euro gesetzlich geschützt sind, unterliegen Geldmarktfonds Marktschwankungen und können im Extremfall Verluste verursachen. In der Finanzkrise 2008 verzeichneten einige dieser Fonds Verluste von bis zu fünf Prozent.
Besonders kritisch sehen Verbraucherschützer die Kommunikation der Fintechs mit ihren Kunden. Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale kritisiert die Informationspolitik als intransparent. Kunden würden oft nicht klar erkennen, dass ihr Geld in Geldmarktfonds fließt. Die Anbieter betonen hingegen, dass sie auf der Webseite und in der App über ihre Vorgehensweise informieren. Die Darstellung der Informationen sei jedoch für Kunden nicht immer leicht zugänglich. Thomas Schmidt stellte erst nach mehreren Klicks in der Trade-Republic-App fest, dass knapp 9.500 Euro seiner Ersparnisse in einem Geldmarktfonds angelegt waren. Der Weg zu dieser Information war umständlich, was Zweifel an der Transparenz aufkommen lässt.
Auch die Verteilung der Kundengelder sorgt für Verwirrung. Während einige Kunden mit hohen Guthaben nahezu vollständig in Geldmarktfonds investiert sind, verbleiben bei anderen die gesamten Einlagen auf Partnerbank-Konten. Trade Republic erklärt dazu, dass die Verteilung von den Kapazitäten im globalen Refinanzierungsmarkt abhängig sei. Konkurrent Scalable gibt ebenfalls keine klaren Kriterien an, nach denen das Geld der Kunden in Fonds fließt.
Die Anbieter verteidigen ihr Modell mit dem Argument, dass die Investition in Geldmarktfonds erst die hohen Zinsen ermögliche. Ohne diese Fonds wären die angebotenen Zinssätze nicht realisierbar. Verbraucherschützer fordern jedoch eine transparentere Darstellung der Risiken. Ein klarer Hinweis auf mögliche Verluste fehle in der Werbung und auf den Hauptseiten der Anbieter weitgehend. Erst in tief verlinkten PDF-Dokumenten werde erwähnt, dass Geldmarktfonds Verluste bis hin zum Totalverlust erleiden könnten.
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Zur AktienanalyseTrade Republic hat seine App mittlerweile angepasst und verweist nun direkter auf die Verteilung der Kundengelder. Dennoch bleibt offen, ob dies ausreicht, um Kunden umfassend über die Risiken aufzuklären. Thomas Schmidt plant trotz seiner Bedenken keinen sofortigen Rückzug, fordert jedoch eine klarere Kommunikation seitens der Fintechs, um sein Risiko besser einschätzen zu können.


