Rio Tinto steigert Gewinn um 43 Prozent dank KI-Metallnachfrage
Der Bergbauriese profitiert von Kostensenkungen, steigenden Rohstoffpreisen und wachsender Nachfrage durch KI-Investitionen.

Der britisch-australische Bergbaukonzern Rio Tinto hat für das erste Halbjahr 2025 einen bereinigten Gewinn von 6,9 Milliarden US-Dollar gemeldet – ein Plus von 43 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Steigende Rohstoffpreise und Produktivitätsvorteile in Höhe von 870 Millionen US-Dollar trieben das starke Ergebnis. Damit kehrt das Unternehmen eindrucksvoll zu alter Stärke zurück, nachdem der bereinigte Halbjahresgewinn im Vorjahr aufgrund schwacher Eisenerzpreise und produktionsstörender Zyklone auf ein Fünfjahrestief von 4,8 Milliarden US-Dollar gesunken war.
Besonders bemerkenswert: Der freie Cashflow kletterte im Vergleich zum Vorjahr um 75 Prozent auf 3,8 Milliarden US-Dollar. Analyst James Redfern von RBC Capital Markets bezeichnete diesen Wert als „wesentlich stärker" als die vom Markt erwarteten 2,2 Milliarden US-Dollar. Auch die Nettoverschuldung von 14 Milliarden US-Dollar lag 8 Prozent unter den Marktprognosen – ein weiteres positives Signal für Investoren.
CEO Simon Trott, der im vergangenen Jahr zum Vorstandsvorsitzenden befördert wurde, sieht die Zahlen als Beweis für den eingeschlagenen Reformkurs. „Sieben Monate später ist dies der Beweis", sagte er am Mittwoch. Im Dezember hatte Trott versprochen, die Kostenbasis des Konzerns grundlegend zu reformieren und eine „effizientere" operative Leistung zu erbringen.
Kostensenkungen und Desinvestitionen zeigen Wirkung
Rio Tinto erwartet, dass die Einsparungen bis Ende des Jahres 1,8 Milliarden US-Dollar erreichen werden. Trott verwies dabei auf weiteres Potenzial: „Da kommt noch wesentlich mehr", sagte er. Der Konzern hat kleinere Geschäftsbereiche wie Borate und Titan zum Verkauf gestellt, während gleichzeitig die Kosten im Kerngeschäft gesenkt werden. Trott betonte jedoch, sein Team bleibe sich der Risiken zu tiefer Einschnitte bewusst – und verwies auf frühere Programme wie die drastischen Kürzungen der Investitionsausgaben unter dem damaligen CEO Sam Walsh vor einem Jahrzehnt.
Die Umsetzung reicht laut Trott von einer besseren Nutzung von Daten und KI bei der Erschließung der Kupfer-Untertagemine in der Mongolei bis hin zur Verbesserung der Zuverlässigkeit der australischen Eisenerzbetriebe. Der Vorstand des Unternehmens habe die Minenstandorte persönlich besucht, um die Notwendigkeit einer „fortlaufenden Kultur der kontinuierlichen Verbesserung" zu unterstreichen.
KI und Rechenzentren als neuer Wachstumstreiber
Rio Tinto ist einer der weltweit größten Bergbaukonzerne mit Vermögenswerten in einer Vielzahl von Rohstoffen. Jahrelang wurde das Ergebnis vor allem durch Eisenerzverkäufe nach China getrieben. Doch Industriemetalle wie Kupfer, Aluminium und Lithium gewinnen zunehmend an Bedeutung – insbesondere durch ihre Schlüsselrolle in der KI-Infrastruktur und bei erneuerbaren Energien.
Im ersten Halbjahr machten die Sparten Kupfer, Aluminium und Lithium bereits 57 Prozent des EBITDA aus. Trott erklärte, Rio Tinto sei gut positioniert, um von der boomenden Rohstoffnachfrage durch KI-bezogene Energie- und Rechenzentrumsinvestitionen zu profitieren. Laut dem Unternehmen wird prognostiziert, dass sogenannte Hyperscaler wie Meta und Alphabet im nächsten Jahr gemeinsam 1 Billion US-Dollar für den Bau von Rechenzentren ausgeben werden. „Das ist eine Menge Kupfer, Stahl, Lithium und Aluminium", kommentierte Trott.
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Zur AktienanalyseDas Eisenerzgeschäft hingegen verzeichnete einen Gewinnrückgang von 2 Prozent, bedingt durch Probleme im kanadischen Betrieb. Die Sanierung dieses Bereichs werde Zeit in Anspruch nehmen, so Trott. Das Eisenerzgeschäft bleibe jedoch weiterhin widerstandsfähig, auch wenn die chinesische Wirtschaft gereift sei und sich die Nachfrage verlangsamt habe. Das Unternehmen werde die Zusammenarbeit mit der von Peking unterstützten China Mineral Resources im Rahmen des „normalen Geschäftsverlaufs" fortsetzen.
Aktionäre profitieren – Aktie springt an
Rio Tinto erhöht seine Zwischendividende um 43 Prozent und schüttet 3,4 Milliarden US-Dollar an die Aktionäre aus. Die Märkte reagierten positiv: Die Aktien des Unternehmens stiegen am Mittwoch in Australien um fast 5 Prozent. Anfang des Jahres hatte Rio Tinto wochenlange Gespräche über einen möglichen Zusammenschluss mit dem Konkurrenten Glencore geführt, ohne jedoch eine Einigung zu erzielen. Auf mögliche weitere Konsolidierungsschritte angesprochen, erklärte Trott, er bleibe „voll und ganz auf sein eigenes Geschäft konzentriert".


