Rio Tinto bereitet erste Erzlieferung aus Simandou vor
Mega-Projekt in Guinea soll Chinas Stahlindustrie beliefern und weltweiten Eisenerzmarkt verändern

Rio Tinto hat im westafrikanischen Guinea rund zwei Millionen Tonnen hochwertiges Eisenerz für den ersten Export aus dem Simandou-Projekt zusammengetragen. Nach Angaben mehrerer mit dem Vorgang vertrauter Personen soll die erste Lieferung Mitte November erfolgen. Es wäre der Auftakt für eine der bedeutendsten Minenentwicklungen der vergangenen Jahre, die den weltweiten Eisenerzmarkt spürbar verändern dürfte. Das Projekt gilt als strategisch wichtig, da es das Angebot an hochwertigem Eisenerz deutlich erhöhen und die Preisbildung auf dem Weltmarkt beeinflussen könnte.
In seinem Produktionsbericht für das dritte Quartal teilte Rio Tinto mit, dass der zum Konzern gehörende Bereich SimFer bereits 1,5 Millionen Tonnen Erz gelagert habe. Im Oktober sei die erste Ladung auf die Schiene verladen worden. Ein Unternehmenssprecher erklärte, man bringe das Projekt zügig voran, ohne jedoch nähere Angaben zu machen. Die erste Ausfuhr ist nach Informationen aus Industriekreisen für China bestimmt, den größten Stahlproduzenten der Welt, der mehr als 70 Prozent des globalen Seehandels mit Eisenerz aufnimmt.
Rio Tinto wird die anfänglichen Exporte über die Infrastruktur des Partners Winning Consortium Simandou abwickeln, dessen Hafenanlagen kurz vor der Fertigstellung stehen. „Wir erwarten, im November mit dem Beladen eines Schiffes zu beginnen“, teilte das Unternehmen mit, ohne das genaue Volumen zu nennen. Die Eigentumsverhältnisse an Simandou sind zwischen Rio Tinto und dem chinesischen Staatskonzern Chalco auf der einen sowie dem singapurisch-chinesischen Konsortium WCS auf der anderen Seite aufgeteilt. Die Mine ist über eine rund 600 Kilometer lange Bahnstrecke und einen Tiefseehafen mit dem Atlantik verbunden.
Die Vorkommen in Simandou werden auf rund vier Milliarden Tonnen Erz mit einem durchschnittlichen Eisengehalt von 65 Prozent geschätzt. Bei voller Auslastung soll das Projekt jährlich bis zu 120 Millionen Tonnen liefern, wobei SimFer etwa die Hälfte beisteuert. Der Internationale Währungsfonds rechnet damit, dass Guinea durch Simandou bis 2030 ein Wirtschaftswachstum von 26 Prozent erzielen könnte. Die Militärregierung des Landes plant, das Projekt am 11. November offiziell einzuweihen.
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Zur AktienanalyseAuch das WCS-Konsortium hat im September mit der Einlagerung von Erz begonnen und bereitet sich auf den Produktionsstart vor. Experten gehen davon aus, dass Simandou den Preisdruck auf kostspieligere Anbieter aus Australien und Brasilien erhöhen wird. Bis 2028 könnte das Projekt die weltweite Seeverfügbarkeit von Eisenerz um bis zu neun Prozent steigern. Gleichzeitig verstärkt China seinen Einfluss auf Guineas Rohstoffsektor, der bereits einer der wichtigsten Lieferanten von Bauxit für das Land ist.


