Rindfleischpreise auf Rekordhoch: Amerikaner kaufen trotzdem weiter
Hackfleisch, Steak und Rindernacken kosten bis zu 18 Prozent mehr als im Vorjahr – doch die US-Nachfrage erreicht ein 25-Jahres-Hoch.

Die Rindfleischpreise in den USA befinden sich auf Rekordniveau. Laut dem Bureau of Labor Statistics (BLS) liegen sie mindestens 14 Prozent über dem Vorjahreswert – und trotzdem kaufen amerikanische Verbraucher so viel rotes Fleisch wie seit dem Jahr 2000 nicht mehr. Der Retail All Fresh Beef Demand Index des Livestock Marketing Information Center hat einen neuen Höchststand erreicht.
Die konkreten Zahlen sind beeindruckend: Hackfleisch kostete im März durchschnittlich rund 6,70 US-Dollar pro Pfund – ein Plus von etwa 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Unzubereitete Rindersteaks lagen bei 12,73 Dollar, rund 16 Prozent mehr als im Vorjahr. Den stärksten Anstieg verzeichnete USDA Choice Sirloin mit einem Plus von mehr als 18 Prozent auf 14,12 Dollar pro Pfund. Auch die Terminkontrakte für Mastvieh (Feeder Cattle) für April erreichten Anfang der Woche neue Höchststände.
Warum die Preise so stark steigen
Der Hauptgrund für die hohen Preise liegt im Angebot – oder vielmehr im Mangel daran. Die US-Rinderbestände haben ein 75-Jahres-Tief erreicht. Der aktuelle Rinderzyklus befindet sich bereits im 13. Jahr und verzeichnet das achte Jahr der Kontraktion. Jahrelange Dürre, sich verschlechternde Weidebedingungen und höhere Futtermittelpreise haben die Lage verschärft.
Diese Faktoren haben viele Landwirte dazu bewogen, ihr Vieh frühzeitig zur Schlachtung zu verkaufen, anstatt die Herden aufzubauen. Dr. Michael Swanson, Chefökonom für Agrarwirtschaft am Wells Fargo Agri-Food Institute, erklärt die Logik der Erzeuger so: „Sie schauen sich das an und sagen sich: ‚Wow, ich kann diese Mühe heute einfach verkaufen und weitere 2.500 bis 3.000 Dollar einstreichen'." Die hohen Preise machen es schlicht teuer, Färsen für künftige Einnahmen zurückzuhalten.
Rinderzyklen dauern in der Regel etwa ein Jahrzehnt: Sie expandieren zunächst, wenn Erzeuger ihre Herden wieder aufbauen, und kontrahieren anschließend in der Schlachtphase. Der aktuelle Zyklus wurde jedoch durch eine ungewöhnliche Kombination aus Klimaproblemen und gestiegenen Betriebskosten deutlich verlängert – mit spürbaren Folgen für die Verbraucherpreise.
Verbraucher zeigen kaum Reaktion auf höhere Preise
Trotz der hohen Preise bleibt die Nachfrage robust. Swanson erklärt dies mit dem schrittweisen Anstieg der persönlichen Einkommen und Löhne in den USA. Im Verhältnis zu den Löhnen sei der Preis, so Swanson gegenüber Investopedia, „kein großartiger Preis, aber er ist auch nicht schrecklich." Dieser graduelle Anstieg verhindert offenbar einen klassischen Preisschock beim Konsumenten.
Auch der Einzelhandel bestätigt die anhaltend starke Nachfrage. Costco (COST) meldete für das zweite Geschäftsquartal ein „starkes Wachstum" sowohl beim Absatz von Premium-Fleischstücken als auch bei preisgünstigerem Hackfleisch. Die Grillsaison dürfte die Nachfrage weiter ankurbeln.
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Zur AktienanalyseLebensmittelkonzerne unter Druck
Für die Fleischindustrie ist die Situation dennoch herausfordernd. Donnie King, Chef von Tyson Foods (TSN), sprach im Februar von Problemen beim Volumen: „Eines der Probleme, die wir hatten – insbesondere in den letzten Jahren in Bezug auf Rindfleisch – ist das Volumen." Der COO des Unternehmens, Devin Cole, beobachtete zwar „erste Anzeichen für einen Wiederaufbau der Herden", warnte jedoch, dass dies kurzfristig sogar zu „weniger Verfügbarkeit" führen könnte, da einige Tiere dem Markt vorenthalten werden.
Wann der aktuelle Zyklus bricht, ist offen. Swanson sieht in einer unvermeidlichen Trendwende jedoch einen guten Grund für Mutterkuhhalter, ihre Geschäfte jetzt abzusichern. Für deutsche Verbraucher und Investoren ist die Entwicklung auf dem US-Rindfleischmarkt ein wichtiges Signal: Strukturelle Angebotsengpässe, veränderte Klimabedingungen und steigende Betriebskosten können auch global die Fleischpreise langfristig beeinflussen.


