Rigetti Computing: Warum die Aktie gerade stark steigt
CHIPS Act, britische Millioneninvestition und wachsende Hardware-Aufträge befeuern die Rally beim Quantencomputer-Spezialisten.

Die Aktie von Rigetti Computing befindet sich derzeit auf einem deutlichen Höhenflug. Hinter der Rally steckt kein zufälliges Marktrauschen, sondern eine Reihe konkreter Unternehmensmeldungen, die das Bild des Unternehmens grundlegend verändern. Rigetti wirkt damit weniger wie ein kleines Laborprojekt und mehr wie ein aufstrebender strategischer Akteur in der staatlich geförderten Quanteninfrastruktur.
Der entscheidende Wendepunkt kam am 21. Mai: Rigetti gab bekannt, eine Absichtserklärung mit dem US-Handelsministerium unterzeichnet zu haben. Demnach könnte das Unternehmen über drei Jahre hinweg bis zu 100 Millionen US-Dollar im Rahmen des CHIPS and Science Act erhalten. Die Mittel sind für Forschung und Entwicklung im Bereich des supraleitenden Quantencomputings vorgesehen – mit dem Ziel, die technischen Hürden bei der Skalierung von Multi-Chip-Quantenprozessoren zu überwinden.
Besonders bemerkenswert ist die Struktur der Förderung: Das Handelsministerium würde im Gegenzug eine Beteiligung an Rigetti in Höhe des Förderbetrags erhalten. Der Ausgabepreis basiert auf dem niedrigsten Schlusskurs rund um die Stichtage, abzüglich eines Abschlags von 15 Prozent. Für viele Investoren wirkt dies wie eine offizielle Bestätigung: Die US-Regierung sieht Rigetti als Teil des nationalen strategischen Instrumentariums – und nicht nur als spekulatives Technologiewetten.
Großbritannien als zweites Standbein
Nahezu zeitgleich kündigte Rigetti an, bis zu 100 Millionen US-Dollar im Vereinigten Königreich zu investieren. Ziel ist der Einsatz eines Quantencomputers mit mehr als 1.000 Qubits innerhalb der nächsten drei bis vier Jahre. Es handelt sich dabei um die erste größere Investition des Unternehmens außerhalb der USA. Grundlage ist ein bestehendes 36-Qubit-System am National Quantum Computing Centre des Vereinigten Königreichs.
Der britische Plan ist eng mit dem 2-Milliarden-Pfund-Quantenprogramm der britischen Regierung verknüpft, das auf die Beschaffung groß angelegter Quantensysteme bis Anfang der 2030er Jahre abzielt. Investoren sehen in dieser Kombination – konkretes Qubit-Ziel, klares Zeitfenster und Abstimmung mit einem bedeutenden öffentlichen Programm – einen realistischen Weg, auf dem Rigettis Hardware Teil langfristiger nationaler Infrastruktur werden könnte.
Zahlen zeigen: Noch frühe Phase
Trotz der positiven Nachrichten erinnern Rigettis eigene Quartalszahlen daran, dass das Unternehmen noch am Anfang steht. Im ersten Quartal 2026 erzielte Rigetti einen Umsatz von 4,4 Millionen US-Dollar – ein deutlicher Anstieg gegenüber 1,5 Millionen US-Dollar im Vorjahreszeitraum. Treiber waren vor allem die Auslieferung von NOVA-Quantenprozessoren vor Ort sowie staatliche Forschungsaufträge.
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Zur AktienanalyseDie Bruttomarge verbesserte sich auf rund 31 Prozent. Gleichzeitig weitete sich der operative Verlust auf rund 26 Millionen US-Dollar aus, da das Unternehmen weiterhin hohe Summen in Forschung, Entwicklung und Kommerzialisierung investiert. Gewinne sind also noch weit entfernt.
Die aktuelle Rally wird damit weniger von aktuellen Erträgen getragen als von der Erwartung, dass Rigetti durch die US-CHIPS-Förderung, die britischen Co-Investitionen und wachsende Hardware-Installationen endlich den nötigen Spielraum und die richtigen Partner für eine echte Skalierung erhält. Das ist eine überzeugende Geschichte – doch das Risiko bleibt für Anleger sehr real und sollte nicht unterschätzt werden.


