ANZEIGEDie kleine Aktie ist aktuell gnadenlos unterbewertet. So profitieren deutsche Anleger…

Rheinmetall steigt in die Marine ein

Übernahme von NVL stärkt das Geschäft, sorgt aber für Skepsis in der Branche

Rheinmetall steigt in die Marine ein

Rheinmetall setzt seinen Kurs in Richtung globaler Rüstungsanbieter fort und übernimmt das Marinegeschäft der Bremer Lürssen-Gruppe. Vorstandschef Armin Papperger präsentierte den Schritt vor Investoren und zeigte sich sichtlich begeistert. Der Deal mit der Militärtochter NVL bringt den Konzern in eine neue Dimension, indem er neben Heer und Luftwaffe nun auch die Marine vollständig abdeckt. An der Börse stieg der Kurs um bis zu drei Prozent, Analysten werteten die Übernahme im Umfang von rund anderthalb Milliarden Euro positiv.

Während Investoren den Zukauf feiern, ist die Reaktion in der Branche zurückhaltender. Kritiker befürchten, dass die Übernahme den Standort schwächen und die dringend notwendige Konsolidierung in der deutschen Schiffbauindustrie ausbremsen könnte. Zudem sei das Risiko hoch, da Rheinmetall bislang kaum Erfahrung im komplexen Geschäft mit Kriegsschiffen habe. Bisher lag der Schwerpunkt des Konzerns auf Munition, Fahrzeugen und Abwehrsystemen. Erst vor zwei Jahren stieg Rheinmetall durch die Beteiligung am F-35-Programm in das Luftfahrtgeschäft ein.

Mit NVL will Papperger drei Ziele erreichen: den Ausbau zum Komplettanbieter für alle Teilstreitkräfte, eine Stärkung der Bilanz und langfristig höhere Gewinne. Die Marineaktivitäten sollen in den nächsten zehn Jahren 50 bis 80 Milliarden Dollar zusätzliches Geschäft in Europa ermöglichen. Papperger rechnet damit, dass die Rendite ähnlich hoch wie im Munitionsgeschäft ausfallen könnte und ab 2030 jährlich eine Milliarde Euro zusätzlicher Gewinn erzielt wird. Synergien in Einkauf und Fertigung sollen dazu beitragen, etwa indem Werftarbeiter auch Teile für Panzer und Lkw produzieren.

Besondere Aufmerksamkeit richtet sich auf das deutsche Fregattenprojekt 126. Der Auftrag im Volumen von neun Milliarden Euro steckt in massiven Schwierigkeiten, nachdem die niederländische Damen-Werft in Verzug geraten ist. Die Bundesregierung prüft nun Alternativen, darunter eine stärkere Einbindung deutscher Unternehmen wie TKMS oder NVL. Beobachter sehen darin eine Chance für Rheinmetall, sich frühzeitig mit einem Großauftrag auf dem neuen Geschäftsfeld zu positionieren.

Die Risiken bleiben allerdings hoch. Kriegsschiffe mit einem Stückpreis von bis zu einer Milliarde Dollar gelten als weitaus komplexer als Panzer, und internationale Beispiele wie Lockheed Martin oder Northrop Grumman zeigen, dass selbst erfahrene Konzerne mit Marineprojekten gescheitert sind. Papperger setzt auf das bestehende Management von NVL unter CEO Tim Wagner und lobt dessen Struktur und Prozesse. Branchenkenner zweifeln jedoch, ob der Rheinmetallchef bereit ist, genug Eigenständigkeit zuzulassen.

Viele in Politik und Rüstungsindustrie hätten NVL lieber bei TKMS gesehen, da dort weniger Risiken vermutet wurden und zugleich eine Konsolidierung des deutschen Marktes möglich gewesen wäre. Stattdessen rechnen Fachleute nun mit verstärktem Wettbewerb, da Rheinmetall nach Einschätzung vieler Akteure den Markt nicht beruhigen, sondern zusätzlich beleben wird.

RheinmetallRüstungsindustrieInvestitionen

Disclaimer