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Rheinmetall-Aktie stürzt 17 Prozent nach Fregattenprogramm-Absage

Deutschland streicht milliardenschweres F126-Fregattenprogramm – Rüstungsaktien brechen europaweit ein, Rheinmetall auf dem schlechtesten Tag seit 1989.

Rheinmetall-Aktie stürzt 17 Prozent nach Fregattenprogramm-Absage

Rüstungsaktien haben am Mittwoch massive Verluste verzeichnet, nachdem Berichte bekannt wurden, wonach Deutschland das milliardenschwere Bauprogramm für sechs F126-Fregatten aufgeben will. Rheinmetall, einer der bedeutendsten deutschen Rüstungskonzerne, verlor im Mittagshandel bis zu 17,3 Prozent – laut FactSet der schlechteste Handelstag des Unternehmens seit 1989. Die Nachricht schürte Sorgen unter Anlegern, dass der erwartete Aufschwung für Rüstungsunternehmen durch steigende Staatsausgaben möglicherweise nicht in vollem Umfang eintreten wird.

Laut mehreren Medienberichten unter Berufung auf informierte Kreise plant Berlin, das F126-Fregattenprogramm zu streichen. Es wäre der größte Auftrag für Kriegsschiffe seit dem Zweiten Weltkrieg gewesen. Stattdessen soll Deutschland acht kleinere Meko A-200-Fregatten vom deutschen Unternehmen TKMS kaufen.

Milliardenschwerer Auftrag wechselt den Empfänger

Das F126-Programm hatte ein Volumen von bis zu 12,8 Milliarden Euro (rund 14,5 Milliarden US-Dollar). Es wurde erwartet, dass Rheinmetall im Rahmen dieses Geschäfts zum Hauptauftragnehmer wird – vorbehaltlich der Zustimmung des Haushaltsausschusses. Das Unternehmen hätte den Vertrag nach jahrelangen Verzögerungen von der niederländischen Werft Damen Naval übernommen. CNBC hat sowohl Rheinmetall als auch die Bundesregierung um eine Stellungnahme gebeten.

Der direkte Profiteur der Neuausrichtung ist TKMS: Die Aktie des kleineren Konkurrenten legte am Mittwoch um 15 Prozent zu. Für Rheinmetall hingegen stellt der Verlust des Auftrags laut Analysten die Marine-Ziele des Unternehmens von 5 Milliarden Euro bis 2030 infrage. Charles Armitage von Citi prognostiziert, dass der Marine-Geschäftsbereich in diesem Zeitraum nur die Hälfte dieses Ziels erreichen wird – bei einem angestrebten Gesamtumsatz der Gruppe von 37 Milliarden Euro.

Armitage bekräftigte dennoch seine Kaufempfehlung für die Rheinmetall-Aktie. Die Nachricht nehme „etwas Schaum vom Markt", sagte er, und fügte hinzu, dass die Bewertung „nicht übertrieben" sei.

Europäische Rüstungsbranche unter Druck

Die Kursverluste beschränkten sich nicht auf Rheinmetall. Der Stoxx Europe Aerospace & Defense ETF notierte 1,9 Prozent tiefer. Andere in Deutschland börsennotierte Titel wie Hensoldt und Renk fielen um 5,1 beziehungsweise 5,8 Prozent. Die schwedische Saab verlor 3,5 Prozent, die italienische Leonardo 4,4 Prozent, und der britische Branchenriese BAE Systems sank um 1,2 Prozent. Der europaweite Leitindex Stoxx 600 tendierte dagegen weitgehend unverändert.

Die Kursbewegungen spiegeln eine breitere Stimmungseintrübung im Sektor wider. Europäische Rüstungsaktien haben seit Jahresbeginn deutlich nachgegeben. Anleger wägen die Aussicht auf ein Ende der Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten ab und hinterfragen, inwieweit die Versprechen der Regierungen für Militärausgaben tatsächlich umgesetzt werden. Rheinmetall-Aktien lagen vor dem Handelsstart am Mittwoch bereits rund 30 Prozent unter ihren Höchstständen vom Januar.

Trotz der jüngsten Rückgänge verzeichneten europäische Rüstungsaktien in den vergangenen Jahren einen massiven Aufschwung mit schnell wachsenden Auftragsbeständen und stark gestiegenen Bewertungen. Nalin Patel, Director of Research für EMEA Private Capital bei PitchBook, bezeichnete den Verteidigungssektor am Mittwoch gegenüber CNBC als „überzeugende Investmentstory" – angesichts gestiegener Militärausgaben, auch durch Deutschland als größte Volkswirtschaft Europas.

Deutschlands Rüstungsambitionen bleiben hoch

Eine Neuausrichtung des F126-Programms wäre ein Schlag sowohl für Rheinmetall als auch für die Verteidigungsambitionen Deutschlands. Das Land hat versprochen, bis 2039 die „stärkste konventionelle Armee in Europa" aufzubauen. Zudem plant Deutschland gemeinsam mit Frankreich eine Beteiligung von 40 Prozent am Panzerbauer KNDS, dessen Börsengang in Kürze erwartet wird.

Vor einem Jahr vereinbarten die NATO-Verbündeten nach jahrelangem Druck aus Washington, die Verteidigungsausgaben bis 2025 von 2 auf 5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu erhöhen. Ob und wie diese Mittel tatsächlich fließen, bleibt für Investoren die entscheidende Frage.

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