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Restriktivere Zentralbanken: Wie Aktienanleger jetzt reagieren sollten

Barclays warnt: Ein globaler geldpolitischer Kurswechsel könnte die Liquiditätsstütze für Aktienmärkte deutlich schwächen.

Restriktivere Zentralbanken: Wie Aktienanleger jetzt reagieren sollten

Ein koordinierter Schwenk mehrerer großer Zentralbanken in Richtung restriktiverer Geldpolitik sorgt bei Analysten von Barclays für Aufmerksamkeit. Die Währungshüter räumen der Inflationsbekämpfung zunehmend Priorität ein – und das könnte die Liquiditätsunterstützung für den laufenden Bullenmarkt bei Aktien empfindlich schwächen.

In den vergangenen Tagen trafen mehrere bedeutende Notenbanken neue Zinsentscheidungen. Als Hauptgrund für ihre Anpassungen nannten die Verantwortlichen häufig den Preisdruck im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg. Die Europäische Zentralbank (EZB) vollzog dabei ihre erste Zinserhöhung seit 2023, während die Bank of Japan (BoJ) die Zinsen auf den höchsten Stand seit 1995 anhob. Beide Institute signalisierten zudem, auf mögliche Inflationsbeschleunigungen infolge eines durch die Schließung der Straße von Hormus verursachten Energieschocks reagieren zu wollen.

Fed unter neuem Vorsitzenden mit klarem Signal

Besonders aufhorchen lässt die Haltung der US-Notenbank Federal Reserve. Zwar hielt die Fed die Zinsen in dieser Woche stabil, doch neun ihrer Mitglieder prognostizierten Erhöhungen für den weiteren Jahresverlauf – verglichen mit keiner einzigen Prognose in dieser Richtung noch im März. Die erste Erklärung unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh betonte explizit das Ziel der „Preisstabilität" und strich jegliche Erwähnung des zweiten traditionellen Fed-Mandats, der Sicherstellung von Vollbeschäftigung.

Auch die Bank of England ließ die Zinsen zuletzt unverändert, behielt jedoch trotz schwächerer Inflations- und Arbeitsmarktdaten eine restriktive Tendenz in ihrer Stimmenverteilung bei, wie Barclays-Analysten feststellten.

Zusammengenommen markierten diese Schritte laut den Barclays-Analysten um Emmanuel Cau „einen deutlichen Wandel im globalen geldpolitischen Umfeld". In einer Mitteilung schrieben sie: „Nach einer längeren Phase synchronisierter Zinssenkungen in der westlichen Welt liegt der Rückenwind durch die geldpolitische Lockerung hinter uns." Gleichzeitig könnte die Unsicherheit über die Reaktionsfunktion der Zentralbanken – insbesondere das Gleichgewicht zwischen Wachstums- und Inflationsrisiken – zu höherer Volatilität am Anleihenmarkt beitragen.

Risiko für Aktienmarkt-Bullen

Entscheidend sei laut Barclays, dass eine entschlossenere Hinwendung der Fed zur Inflationsbekämpfung und ein erneuter Eintritt in eine Straffungsphase „beginnen würde, die Liquidität zu verknappen und eine wichtige Stütze zu schwächen, die die bullischen Aktienmarktrenditen der letzten zwei Jahre untermauert hat". Die Analysten betonen jedoch, dass dies nicht ihr „Basisszenario" sei, sondern ein „zu beobachtendes Risiko".

Als positives Signal werten die Barclays-Experten die Unterzeichnung eines Interims-Friedensabkommens zwischen den USA und dem Iran. Das nachlassende geopolitische Risiko habe zu niedrigeren Ölpreisen geführt, was einige Inflationsängste besänftige. Ein Großteil des Marktfokus liegt nun auf der Wiedereröffnung der Straße von Hormus – einem lebenswichtigen Wasserweg für ein Fünftel des weltweiten Erdöls und Flüssigerdgases, der während eines Großteils des Nahostkonflikts gesperrt war. Jüngste Daten deuten darauf hin, dass der Schiffsverkehr in der Meerenge allmählich wieder fließt, wenngleich einige Strategen eine längere Erholungsphase bis zum Vorkriegsniveau erwarten.

Regionale Chancen: Europa rückt in den Fokus

Aus regionaler Perspektive sehen die Barclays-Analysten Chancen für bisherige Nachzügler. Ein potenziell besserer Makroausblick für das zweite Halbjahr sollte Regionen wie Europa unterstützen, was die Bank dazu veranlasst, ihre Untergewichtung der Region zu beenden. Hintergrund ist die nach wie vor stark auf die USA – insbesondere auf Technologie- und Halbleiterwerte – ausgerichtete Marktpositionierung.

Auf Sektorebene dürfte sich das Risiko-Rendite-Verhältnis für zyklische Konsumgüter, vor allem für Luxusgüter, verbessern. Niedrigere Ölpreise könnten das Verbrauchervertrauen stärken – selbst nachdem eine durch einen Short Squeeze ausgelöste Erholung in diesem Segment bereits eingesetzt hat. Für deutsche Anleger, die stark in europäische Werte investiert sind, könnten diese Einschätzungen besonders relevant sein, da der DAX und europäische Indizes in den vergangenen Monaten hinter der Wall Street zurückgeblieben sind.

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