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Resilienz als Modewort: Was unser Lob über die Welt verrät

Resilienz wird heute in Wirtschaft und Gesellschaft inflationär gelobt – doch das Wort verrät mehr über Instabilität als über Stärke.

• 2 Min
Resilienz als Modewort: Was unser Lob über die Welt verrät

Kaum ein Begriff prägt den öffentlichen Diskurs so sehr wie „Resilienz". Von der Wirtschaft bis zum Klimawandel, von Unternehmen bis zu ganzen Volkswirtschaften – wer oder was auch immer als resilient gilt, erntet Lob. Doch Bloomberg stellt eine unbequeme Frage: Was sagt es über uns aus, wenn Widerstandsfähigkeit zur meistgefeierten Eigenschaft unserer Zeit wird?

Die Antwort ist ernüchternd. Die wachsende Betonung von Resilienz sagt weniger über unsere kollektive Stärke aus als über eine Welt, von der wir zunehmend erwarten, dass sie instabil ist. Was wir feiern, spiegelt wider, womit wir konfrontiert werden – und das ist keine beruhigende Botschaft.

Vom Ausnahmefall zur Dauernorm

Ursprünglich war Resilienz ein Begriff für außergewöhnliche Umstände. Die Widerstandsfähigkeit von Soldaten in Kriegen zu würdigen oder die Fähigkeit von Menschen zu bewundern, nach Naturkatastrophen wieder aufzubauen – das war und ist legitim und wichtig. Doch die Gesellschaft ist weit über diesen ursprünglichen Rahmen hinausgegangen.

Heute wird Resilienz wahllos und inflationär gepriesen. Unternehmen rühmen ihre resiliente Lieferkette, Politiker loben resiliente Volkswirtschaften, Ratgeber versprechen ein resilientes Mindset. Der Begriff hat sich von einer Auszeichnung für außergewöhnliche Belastbarkeit zu einem Allzweckwort entwickelt, das nahezu überall Anwendung findet.

Für Privatanleger und Wirtschaftsbeobachter ist diese Entwicklung besonders aufschlussreich. Wenn Resilienz in der Finanzwelt zur Standardanforderung wird – an Portfolios, Unternehmen, ganze Branchen –, dann signalisiert das, dass Krisen und Schocks nicht mehr als seltene Ausnahmen, sondern als erwartbarer Normalzustand betrachtet werden.

Ein Spiegel unserer Zeit

Was eine Gesellschaft in einer bestimmten Ära feiert, sagt viel darüber aus, wer sie ist und welchen Herausforderungen sie gegenübersteht. Die Allgegenwart des Resilienz-Begriffs ist damit auch ein Symptom: Sie zeigt, dass wir uns in einer Welt eingerichtet haben, die von Instabilität, Unsicherheit und wiederkehrenden Krisen geprägt ist.

Das ist eine wichtige Erkenntnis – gerade für deutsche Anleger, die in den vergangenen Jahren mit einer Abfolge von Schocks konfrontiert waren: Pandemie, Energiekrise, geopolitische Verwerfungen, Inflation. Resilienz zu fordern ist verständlich. Doch wenn das Streben nach Widerstandsfähigkeit zur Dauerhaltung wird, lohnt es sich, innezuhalten und zu fragen: Warum erwarten wir eigentlich, dass die Welt so unbeständig bleibt?

Die Antwort auf diese Frage ist unbequemer als jedes Lob auf Resilienz. Sie verlangt nicht nur Anpassungsfähigkeit, sondern auch den Mut, die Ursachen von Instabilität anzugehen – statt sich lediglich mit deren Folgen zu arrangieren.

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