René Benko vor Gericht
Der einstige Signa-Gründer steht wegen mutmaßlicher Vermögensverschiebungen im ersten Strafprozess unter Druck.

Vom gefeierten Selfmade-Milliardär zum Angeklagten: René Benko steht erstmals vor Gericht. Der einstige Gründer und Chef des Signa-Imperiums muss sich in Innsbruck wegen des Verdachts verantworten, Vermögenswerte beiseitegeschafft und damit Gläubiger geschädigt zu haben. Der Prozess markiert den Beginn einer Reihe von Strafverfahren, die aus der spektakulären Pleite des einst größten Immobilienkonzerns Österreichs hervorgegangen sind. Trotz der massiven öffentlichen Aufmerksamkeit gilt für Benko die Unschuldsvermutung.
Im Mittelpunkt der Anklage der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) steht der Vorwurf, Benko habe bei absehbarer Insolvenz rund 660.000 Euro an Vermögen entzogen. Davon entfielen 360.000 Euro auf eine Vorauszahlung für ein Haus in Innsbruck, das einer Stiftung gehört, deren Begünstigte seine Mutter ist. Weitere 300.000 Euro soll Benko im November 2023 verschenkt haben. Die Ermittler werten beides als Versuch, Vermögenswerte Gläubigern zu entziehen. Parallel dazu läuft eine zweite Anklage, in der Benko beschuldigt wird, Luxusuhren, Manschettenknöpfe und Bargeld im Wert von insgesamt rund 370.000 Euro in einem Privathaus versteckt zu haben. Der Vorwurf lautet auf betrügerische Krida – im deutschen Recht vergleichbar mit Bankrott.
Im Falle einer Verurteilung drohen Benko bis zu zehn Jahre Haft, da der Schadensbetrag über 300.000 Euro liegt. Der Angeklagte befindet sich seit Monaten in Untersuchungshaft, die im Falle eines Schuldspruchs angerechnet würde. Das Landesgericht Innsbruck hat zwei Verhandlungstage angesetzt. Für den ersten Tag sind die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung sowie eine Befragung Benkos geplant. Am zweiten Tag sollen acht Zeugen gehört werden, darunter Familienmitglieder und der ehemalige Finanzchef von Signa, Manuel Pirolt.
René Benko weist die Vorwürfe zurück. Während seiner Vernehmungen sprach er von Vorverurteilung und Ungerechtigkeit. Sein Anwalt erklärte, Benko werde sich vor oder während des Prozesses nicht öffentlich äußern.
Der Zusammenbruch der Signa-Gruppe gilt als die größte Unternehmenspleite der österreichischen Wirtschaftsgeschichte. Der Konzern, der in Immobilienprojekte von Hamburg bis New York investierte, geriet 2022 in die Krise, als die Zinsen stiegen und Investoren das Vertrauen verloren. Im November 2023 meldete die Signa Holding Insolvenz an. Betroffen sind neben internationalen Großinvestoren auch Banken und Versicherungen aus Deutschland, der Schweiz und Österreich.
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Zur AktienanalyseNach Angaben der Insolvenzverwalter summieren sich die Forderungen gegen die Signa Holding auf mehr als acht Milliarden Euro. Bislang konnten nur Teile des Vermögens verwertet werden, darunter Immobilien, Beteiligungen und sogar Einrichtungsgegenstände aus Benkos Büro. Die vollständige Abwicklung des Konzerns dürfte sich bis 2026 hinziehen.


