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Renditeerwartungen von Anlegern weit von der Realität entfernt

US-Anleger erwarten 12,6% Realrendite pro Jahr – doch die historische Wahrheit ist ernüchternd.

Renditeerwartungen von Anlegern weit von der Realität entfernt

US-Anleger gehen im Durchschnitt davon aus, dass ihre Portfolios die Inflation langfristig um 12,6% pro Jahr übertreffen. Das ist jedoch fast mit Sicherheit mehr als doppelt so hoch wie das, was realistischerweise zu erwarten ist. Und da es sich um einen Durchschnittswert handelt, rechnen viele Anleger sogar mit noch deutlich höheren Renditen.

Die historischen Daten zeichnen ein ganz anderes Bild: Die Gesamtrendite des US-Aktienmarktes nach Inflation liegt seit 1793 bei annualisierten 6,1% pro Jahr. Diese Zahl basiert auf fast 230 Jahren Marktgeschichte und gilt als einer der verlässlichsten Maßstäbe für langfristige Aktienrenditen.

Die Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Selbst wer auf breit gestreute Marktindizes wie den S&P 500 setzt, dürfte es schwer haben, die Erwartungen zu erfüllen. Denn laut historischer Datenlage werden solche Indizes besser abschneiden als rund 90% aller Anlegerportfolios. Das bedeutet: Die überwiegende Mehrheit der Privatanleger erzielt langfristig schlechtere Ergebnisse als der breite Markt.

Selbst wenn ein Privatanleger also genauso gut abschneiden würde wie der gesamte Aktienmarkt – was bereits eine sehr optimistische Annahme ist –, wäre eine annualisierte Realrendite von 12,6% schlicht nicht erreichbar. Die Wahrscheinlichkeit, diesen Wert dauerhaft zu übertreffen, ist nach historischem Maßstab verschwindend gering.

Für deutsche Privatanleger ist diese Erkenntnis besonders relevant. Hierzulande sind Renditeerwartungen zwar traditionell etwas konservativer als in den USA, doch auch deutsche Anleger neigen dazu, ihre Portfolioentwicklung zu optimistisch einzuschätzen. Wer langfristig plant – etwa für die Altersvorsorge – sollte seine Annahmen kritisch hinterfragen und auf realistische Grundlagen stellen.

Was bedeutet das für die Anlageplanung?

Die historische Realrendite von 6,1% pro Jahr ist kein schlechtes Ergebnis – im Gegenteil. Über lange Zeiträume und dank des Zinseszinseffekts kann auch diese Rate zu einem erheblichen Vermögensaufbau führen. Wer jedoch mit 12,6% plant und nur 6% erzielt, riskiert erhebliche Lücken in der Finanzplanung, etwa beim Ruhestandskapital oder bei langfristigen Sparzielen.

Die Botschaft aus den historischen Daten ist klar: Überhöhte Renditeerwartungen sind nicht nur unrealistisch, sie können auch gefährlich sein. Anleger, die ihre Ziele auf falschen Annahmen aufbauen, treffen möglicherweise falsche Entscheidungen – sei es bei der Sparrate, der Risikobereitschaft oder dem geplanten Renteneintrittsalter. Eine nüchterne, faktenbasierte Erwartungshaltung ist daher eine der wichtigsten Grundlagen solider Geldanlage.

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