Rekordwert: Mehr Frauen in Spitzenpositionen bei Finanzinstituten
Trotz politischem Gegenwind in den USA steigt der Frauenanteil in Führungspositionen auf ein Rekordhoch – doch bis zur Parität ist es noch weit.

Die Zahl der Frauen in Spitzenpositionen bei führenden Finanzinstituten hat ein Rekordhoch erreicht. Das zeigt der neue Gender Balance Index (GBI) des Londoner Think Tanks OMFIF, der am Mittwoch veröffentlicht wurde. Demnach halten Frauen nun 19% der Führungspositionen bei Zentral- und Geschäftsbanken sowie Staats- und Pensionsfonds – ein Anstieg gegenüber 16% im Vorjahr.
Der Bericht basiert auf Daten von 335 Institutionen weltweit. Unterstützt wurde die positive Entwicklung unter anderem durch US-Institutionen wie die Federal Reserve, bei der nun sechs der regionalen Bankleiter Frauen sind. Besonders bemerkenswert ist dies vor dem Hintergrund der Bemühungen von US-Präsident Donald Trump, Programme für Diversität, Gleichberechtigung und Inklusion einzuschränken.
„Es war eine kleine Überraschung", sagte Andrea Correa, die Autorin des Berichts. „Die Institutionen mussten mit ihren öffentlichen Botschaften vorsichtiger sein, aber sie halten weiterhin daran fest." In Nordamerika stieg der GBI-Wert auf 82 Punkte – eine der stärksten regionalen Verbesserungen.
Gläserne Decke bleibt ein hartnäckiges Problem
Trotz der positiven Signale bleibt der Weg zur Geschlechterparität lang. Der Gesamtwert des Index liegt bei lediglich 44 von 100 möglichen Punkten – also weniger als die Hälfte des Weges zur vollständigen Parität. Der Anteil der Frauen in leitenden Funktionen stieg nur geringfügig auf 33%.
Correa warnte vor übertriebenen Erwartungen: „Selbst bei der in den letzten Jahren beobachteten Verbesserungsrate würde es noch 22 Jahre dauern, bis der GBI-Wert einen Durchschnitt von 100 erreicht" – und fügte hinzu, dass es sogar noch länger dauern könnte. Strukturelle Hindernisse wie lange Arbeitszeiten, Kinderbetreuung und Haushaltsrollen seien weiterhin zentrale Hürden für Frauen auf dem Weg an die absolute Spitze.
Der Bericht führte zudem eine sogenannte „Gläserne-Decke-Quote" ein, die misst, in welchem Maß die Repräsentanz von Frauen an der Spitze von Institutionen abnimmt. Der indexweite Wert von 0,56 zeigt: Frauen sind in Spitzenpositionen nur mit etwas mehr als der Hälfte der Rate vertreten, die aufgrund ihres Anteils an Führungspositionen insgesamt zu erwarten wäre.
Zentralbanken vorne, Geschäftsbanken hinken hinterher
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Zur AktienanalyseDie größte Verbesserung verzeichneten die Zentralbanken: 35 der 185 im Index enthaltenen Institute werden nun von Frauen geleitet – ein neuer Rekordwert. Auch Staatsfonds, die das Vermögen eines Landes verwalten, verzeichneten ihre größte Verbesserung seit fünf Jahren, wobei der Anteil weiblicher CEOs auf 18% stieg.
Bei den Geschäftsbanken hingegen stagniert der Fortschritt. Von den 50 untersuchten Instituten haben nach wie vor nur sieben eine weibliche CEO. Geschäftsbanken weisen mit einem Gläserne-Decke-Wert von 0,41 den niedrigsten Wert aller Institutstypen auf. Fast die Hälfte der Geschäftsbanken im Index hat zudem keine einzige Frau in ihrer Führungsebene.
Die Talent-Pipelines bleiben ebenfalls dünn: Der Gesamtanteil der Frauen in C-Suite-Positionen – also auf Vorstandsebene – verharrte bei 20%. Die Zahl der Frauen an der Spitze von Pensionsfonds sank sogar leicht von 12 auf 11. Correa bezeichnete die anhaltenden Aufstiegshürden als einen „anhaltenden Beförderungsstau" – ein strukturelles Problem, das die gesamte Finanzbranche betrifft.


