Rekord-Dieselpreise: Wie der Diesel-Floater Transportkosten treibt
Diesel kostet so viel wie nie – und die Transportbranche gibt die Mehrkosten direkt an Kunden weiter.

Der Liter Diesel kostet an einer Berliner Sportboottankstelle in Spandau derzeit 2,63 Euro. „Bei uns ist es immer 30 bis 40 Cent teurer als an einer Tankstelle an der Straße", erklärt der dortige Tankwart. Der Grund: „Ganzes Jahr Kosten, halbes Jahr Geschäft." Für die bevorstehende Saison rechnet er mit einem schwierigen Absatz – die Einkaufsmenge wurde bereits reduziert.
Das ist kein Einzelfall. Der Dieselpreis hat über das Osterwochenende Rekord um Rekord gebrochen. Am Dienstag markierte Diesel mit durchschnittlich 2,502 Euro das siebte landesweite Allzeithoch in Folge. Ob Taxiunternehmen, Speditionen, Binnenschiffer oder Sportboottankstellen – das gesamte Transportgewerbe spürt den Druck unmittelbar.
Diesel-Floater: Die versteckte Preisschraube
Die Speditionen bleiben auf den gestiegenen Kosten nicht sitzen. Vertraglich gesichert durch sogenannte „Diesel Floater" oder „Diesel Surcharge"-Klauseln können sie die Mehrkosten an ihre Kunden weitergeben. Beim Logistikunternehmen trans-o-flex lag dieser Aufschlag vor dem Beginn des Iran-Kriegs noch bei rund 19 Prozent auf die Netto-Transportkosten. Im April beträgt er bereits 27,1 Prozent – ein Anstieg von acht Prozentpunkten auf jede einzelne Rechnung.
Das Problem: Die Preisanpassungen hinken der Realität hinterher. Aufschläge werden häufig für einen Monat oder ein ganzes Quartal festgelegt. Steigen die Dieselpreise so abrupt wie über Ostern, tragen die Speditionen die Mehrkosten zunächst selbst – die Weitergabe an Kunden erfolgt oft erst Wochen später.
Die Karldischinger-Gruppe etwa hat mit Kunden aus der Automobilindustrie Drei-Monats-Dieselfloater vereinbart, die sich auf die Dieselpreise des Vormonats beziehen. Laut Karlkristian Dischinger müssen so bis zu vier Monate lang höhere Spritkosten vorgestreckt werden. Gespräche über eine Verkürzung dieser Fristen laufen derzeit.
Branche fordert schnellere Anpassungszyklen
„Die aktuellen Preisbewegungen zeigen deutlich, dass die bisher üblichen Anpassungszyklen nicht mehr ausreichen", sagte Nikolja Grabowski, Vorstand des Speditionsverbunds Elvis, kürzlich gegenüber einem Fachmedium. Die finanzielle Belastung ist erheblich: Nach Angaben des Branchenverbandes BGL machen Kraftstoffe ein Drittel der Gesamtkosten der Transportbranche aus. Steigt der Dieselpreis um zehn Prozent, erhöhen sich die Gesamtkosten um drei Prozent.
Auch Europas größtes Binnenschiffunternehmen HGK Shipping zieht Parallelen zur Lage nach dem russischen Angriff auf die Ukraine vor vier Jahren. Man sei stark abhängig von der Preisentwicklung an den Rohstoffbörsen. Nach dem Preisschub 2022 hatten Kunden vor allem mit reduzierten Aufträgen reagiert – das transportierte Volumen war damals deutlich zurückgegangen.
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Zur AktienanalysePolitik diskutiert Steuersenkungen
Die politische Debatte über eine Entlastung bei den Spritpreisen gewinnt an Fahrt. Die Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB) fordern eine vorübergehende Senkung der Energiesteuern. „Der Staat bestimmt bei Benzin und Diesel die Hälfte des Preises – über Energiesteuer, CO₂-Steuer und Mehrwertsteuer", erklärt der stellvertretende UVB-Hauptgeschäftsführer Sven Weickert. „Da ist Spielraum für eine Steuersenkung, die aber temporär sein muss und sehr genau beobachtet werden muss."
Für Privatanleger ist die Entwicklung relevant: Steigende Transportkosten erhöhen den Kostendruck auf Unternehmen entlang der gesamten Lieferkette – von der Industrie bis zum Einzelhandel. Wer in Logistik-, Konsumgüter- oder Industrieaktien investiert ist, sollte die Dieselpreisentwicklung als wichtigen Kostenfaktor im Blick behalten. An der Berliner Sportboottankstelle setzt der Tankwart derweil auf eine andere Hoffnung: Steigen auch die Flugpreise, könnte das Interesse an Inlandsurlaub und Ausflugsbooten zunehmen – und damit auch sein Absatz wieder anziehen.


