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Reichtum in Amerika 1776: Land, Kredit und Menschenleben

Eine Ausstellung zum 250. Jahrestag der US-Unabhängigkeit beleuchtet, wie Kolonialamerikaner Wohlstand verstanden und aufbauten.

Reichtum in Amerika 1776: Land, Kredit und Menschenleben

Zum 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeit zeigt das Grey Art Museum in New York eine bemerkenswerte Ausstellung der Berkley Collection. Anhand historischer Dokumente lässt sich nachvollziehen, wie die Amerikaner ihren Reichtum zur Zeit der Gründerväter verstanden – und wie grundlegend anders dieses Verständnis von unserem heutigen war.

Heute betrachten wir Reichtum als Portfolio: eine Sammlung unpersönlicher Finanzanlagen, handelbar und abstrakt. Im kolonialen Amerika des 18. Jahrhunderts war das Konzept von Wohlstand hingegen zutiefst persönlich und konkret. Unter britischer Herrschaft gab es in Amerika weder privilegierte Aktiengesellschaften noch lizenzierte Banken. Was Reichtum bedeutete, lässt sich auf einer historischen Karte ablesen, die ebenfalls in der Ausstellung zu sehen ist.

Die Karte von Virginia und Maryland, Anfang der 1750er Jahre von den Landvermessern Joshua Fry und Peter Jefferson erstellt, zeigt akribisch jeden Bach entlang der Flüsse, auf denen Tabak in den Atlantik verschifft wurde – den Rappahannock, den York und den James. Eine Detailansicht zeigt eine Hafenszene: Gentlemen verhandeln Handelsbedingungen, während versklavte schwarze Männer Wein servieren und Tabakfässer auf ein Schiff rollen. Dieses Bild fasst die drei Säulen des kolonialen Reichtums zusammen: Land, persönlicher Kredit und Menschenleben.

Land, Kredit und versklavte Menschen als Vermögenswerte

Das beste historische Bild des kolonialen Wohlstands liefert die Historikerin Alice Hanson Jones, die in den 1960er und 1970er Jahren eine umfangreiche Datenbank von Nachlassverzeichnissen aus dem Jahr 1774 zusammenstellte. Ein Nachlassverzeichnis war eine bei Ableben erstellte Liste von allem, was der Verstorbene besaß, schuldete und was ihm geschuldet wurde. Der Tod war ein Moment der Abrechnung – Kolonialzeitungen forderten Leser regelmäßig auf, offene Kredite und Schulden mit Verstorbenen zu begleichen.

Land war in allen Kolonien die wichtigste Quelle des Wohlstands. In den verstreuten Gemeinden Neuenglands sowie in den Weizen- und Roggengürteln der mittleren Kolonien war der Landanteil am Gesamtvermögen besonders hoch. Die südlichen Tabakkolonien Maryland, Virginia und North Carolina waren zwar wesentlich wohlhabender, doch Land machte dort einen geringeren Teil des Reichtums aus. Der Unterschied wurde durch den Wert versklavter Menschen ausgeglichen, der in jedem Nachlassverzeichnis säuberlich erfasst wurde.

Die in Privatbesitz befindliche Virginia Company hatte so lange zu kämpfen, bis ihre Führung ein Wirtschaftsmodell für Tabakexporte entwickelte – angebaut von einer Mischung aus versklavten Afrikanern und Schuldknechten aus England. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts war Virginia eine Kronkolonie geworden und hatte seinen sogenannten „Black Code" verschärft, um sicherzustellen, dass die Kinder versklavter Menschen ebenfalls versklavt blieben. Solche Gesetze machten die Sklaverei zu einer Form von generationenübergreifendem Reichtum – was unter anderem Peter Jeffersons Sohn Thomas zugutekam, dem Verfasser der Unabhängigkeitserklärung, von der ein Originaldruck ebenfalls im Grey Art Museum zu sehen ist.

Kredit als wichtigste Liquiditätsform

Land war in den Kolonien zudem ein besonders flexibler Vermögenswert. Die Rechtshistorikerin Claire Priest hat darauf hingewiesen, dass Landverkäufe lokal beim Bezirksgericht registriert wurden. Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts war Land in den Kolonien veräußerbar – es konnte von Gläubigern gepfändet werden. Dies erleichterte den Zugang zu Krediten erheblich, da sowohl Land als auch versklavte Menschen als Sicherheiten dienen konnten.

Amerika verfügte über keine eigenen Gold- oder Silbervorkommen und keine lizenzierten Banken, die Banknoten ausgeben konnten. Stattdessen hatten die Kolonialversammlungen im Laufe des 18. Jahrhunderts gelernt, sogenannte „bills of credit" auszugeben – gedruckte Scheine, die durch Grundsteuern, Hypotheken auf Land oder Hafengebühren abgesichert waren und als Bargeld zirkulierten.

Wie Hanson Jones herausfand, befand sich beim Tod der Kolonisten kaum Bargeld in der Kasse – weniger als 5 Prozent ihres Nettovermögens. Was sie stattdessen besaßen, war Kredit: die grundlegende Form der Liquidität für jeden Kauf. Ladenbesitzer, Wirte und Handwerker führten Geschäftsbücher über ihre lokalen Kunden, die diese regelmäßig beglichen – mal mit Bargeld, mal mit Waren. Die Kolonisten stellten auch Schuldscheine aus, die als eine Art Bargeld zirkulierten. Viel früher als in Großbritannien erlaubten koloniale Gesetze die Übertragung solcher Schuldscheine per Unterschrift an Dritte.

Kredit war dabei eng an Status und persönlichen Ruf gebunden. In den Kolonien gab es zwar keine erblichen Titel, aber es gab Gentlemen – Männer, die von ihrem Vermögen lebten, importierten Madeira-Wein tranken und englische Werke über Höflichkeit lasen. Von einem Gentleman wurde erwartet, dass er als Gönner Kredite gewährte, aber er erwartete auch, selbst welche zu erhalten. Reichtum war damit nicht nur eine finanzielle, sondern zutiefst soziale Kategorie – ein Konzept, das sich von unserem heutigen Verständnis kaum stärker unterscheiden könnte.

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