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Reiche reist nach China: Deutsche Wirtschaft kämpft um Marktanteile

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche will deutsche Interessen in China offensiv vertreten – der China-Schock trifft Deutschland besonders hart.

Reiche reist nach China: Deutsche Wirtschaft kämpft um Marktanteile

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche bricht zu einer Chinareise auf – mit klarem Auftrag. „Wir haben unsere Interessen in der Vergangenheit nicht klar genug benannt", erklärte Reiche im Kölner Stadtanzeiger. Die Reise findet in einem wirtschaftlich angespannten Umfeld statt: Chinesische Unternehmen drängen mit staatlich subventionierten Produkten auf die Weltmärkte und setzen die deutsche Industrie massiv unter Druck.

Sebastian Roloff, wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, begleitet die Ministerin und plädiert für ein selbstbewusstes Auftreten. „Uns brechen wahnsinnig Absatzmärkte weg, und die Chinesen konkurrieren mit uns auf hohem Niveau, gerade auch zum Beispiel im Bereich Maschinenbau", sagt Roloff. Die Politik müsse den Gesprächskanal zur chinesischen Regierung offenhalten und konkrete Themen klären. „Dementsprechend könnte die Aufgabe kaum größer sein", so Roloff weiter.

Deutschland im Epizentrum des China-Schocks

Das Problem betrifft nicht nur Deutschland – der sogenannte China-Schock, also der starke Anstieg chinesischer Exporte, trifft Volkswirtschaften weltweit. Doch laut einer Studie der Londoner Denkfabrik Center for European Reform ist Deutschland sogar das Epizentrum dieser Schockwelle. Besonders betroffen sind Schlüsselbranchen wie die Automobil- und Chemieindustrie.

Grünen-Politiker Omid Nouripour, Mitglied der Deutsch-Chinesischen Parlamentariergruppe im Bundestag, warnt deshalb vor nationalen Alleingängen. „Wir haben relativ ähnliche Interessen Richtung China und sind wirksamer, wenn wir zusammen sind", sagt Nouripour. Er plädiert dafür, dass deutsche Minister gemeinsam mit europäischen Amtskollegen – etwa aus Luxemburg, Rumänien, Polen oder Italien – nach China reisen.

Zölle oder Kooperation? Experten uneinig

Über den richtigen Umgang mit der chinesischen Konkurrenz gehen die Meinungen auseinander. Jürgen Matthes vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln) sieht im Nicht-Handeln hohe Kosten – bis hin zur Deindustrialisierung. Als Gegenmittel schlägt er Ausgleichszölle vor: „Letztlich geht es darum, fairen Wettbewerb herzustellen." Im Idealfall wünsche er sich ein Weltkartellamt, das chinesische Subventionen verbietet – doch das existiere nicht.

CDU-Politiker Thomas Bareiß, der Reiche ebenfalls nach China begleitet, sieht das anders. Er warnt vor zu vielen Handelshemmnissen: „Alle Handelshemmnisse, die aufgebaut werden, schaden letztendlich auch beiden Seiten und auch dem Wohlstand." Gerade in wirtschaftlich schwachen Zeiten solle man keine Maßnahmen ergreifen, die langfristig mehr schaden als nützen.

Volker Treier, Außenwirtschaftschef der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), setzt auf Kooperation statt Konfrontation. Er sieht in der Reise die Chance, „ein nächstes Kapitel der besseren Beziehung zwischen der chinesischen und der deutschen Volkswirtschaft aufzuschlagen". Gleichzeitig betont er, dass Probleme wie Subventionen, der schwierige Zugang zu kritischen Rohstoffen und der Schutz geistigen Eigentums offen angesprochen werden müssten. „Die Liste ist lang", so Treier.

Die Chinareise von Wirtschaftsministerin Reiche steht damit sinnbildlich für das Dilemma der deutschen Wirtschaftspolitik: Einerseits ist China ein unverzichtbarer Handelspartner, andererseits ein immer stärker werdender Konkurrent. Für Privatanleger, die in deutsche Industriewerte oder exportabhängige Unternehmen investiert sind, bleibt der Ausgang dieser Gespräche von erheblicher Bedeutung.

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