Recursion Pharmaceuticals auf 52-Wochen-Tief: Jetzt einsteigen?
Die KI-Biotech-Aktie fiel auf ein neues Jahrestief – trotz Partnerschaften mit Nvidia, Roche, Sanofi und Bayer.

Recursion Pharmaceuticals (RXRX) hat kürzlich ein neues 52-Wochen-Tief markiert. Die Aktie des KI-gestützten Biotech-Unternehmens hat sich in den vergangenen zwei Jahren deutlich schlechter entwickelt als der breite Aktienmarkt. Dabei verfolgt das Unternehmen einen durchaus ambitionierten Ansatz: Es will künstliche Intelligenz nutzen, um die Medikamentenentwicklung schneller, günstiger und erfolgreicher zu machen.
Das Problem, das Recursion Pharmaceuticals lösen will, ist real und gravierend. Die Entwicklung eines neuen Medikaments – von der Entdeckungsphase bis zur Markteinführung – dauert heute oft 10 Jahre oder länger und kostet mehrere hundert Millionen bis über eine Milliarde US-Dollar. Und das nur für jene Projekte, die überhaupt so weit kommen. Allein die Entdeckungsphase, also die Zeit vor dem Beginn klinischer Studien am Menschen, macht rund 35 Prozent dieser Gesamtkosten aus.
Prominente Partner, aber Nvidia hat sich zurückgezogen
Recursion Pharmaceuticals setzt auf ein KI-gestütztes Betriebssystem, das vorhersagt, welche chemischen Verbindungen mit größerer Wahrscheinlichkeit als Wirkstoffe geeignet sind. Dieser Ansatz hat bereits namhafte Partner überzeugt. Das Unternehmen kooperierte mit Nvidia, um den größten Supercomputer in der Pharmaindustrie zu bauen. Nvidia hielt zeitweise auch eine direkte Beteiligung an Recursion Pharmaceuticals – verkaufte jedoch im vergangenen Jahr alle seine Anteile.
Darüber hinaus sind mehrere führende Pharmaunternehmen Partnerschaften mit Recursion Pharmaceuticals eingegangen, darunter Roche, Sanofi und Bayer. Diese Kooperationen haben gleich mehrere Vorteile: Sie unterstreichen die Glaubwürdigkeit des Ansatzes und ermöglichen dem Unternehmen Zugang zu Finanzierungen, ohne dabei zwingend neue Aktien ausgeben zu müssen – ein wichtiger Vorteil gegenüber einem typischen Biotech-Unternehmen im klinischen Frühstadium.
Trotz dieser prominenten Unterstützung hat der Markt die Aktie bisher abgestraft. Der Grund liegt auf der Hand: Recursion Pharmaceuticals hat bislang kaum greifbare Belege dafür geliefert, dass seine Strategie tatsächlich funktioniert. Das Unternehmen hat keine Produkte auf dem Markt – und verfügt nicht einmal über einen einzigen Kandidaten in einer klinischen Studie der Spätphase.
Pipeline mit Potenzial, aber langer Weg bis zur Zulassung
Zu den vielversprechendsten Projekten zählt REC-4881, ein Kandidat zur Behandlung der familiären adenomatösen Polyposis (FAP). FAP ist eine seltene Erkrankung, bei der sich Polypen im Magen-Darm-Trakt bilden. Betroffene Patienten erkranken nahezu zwangsläufig an Darmkrebs. Derzeit gibt es kein zugelassenes Medikament gegen FAP; die Behandlung erfolgt meist durch invasive chirurgische Eingriffe. Der medizinische Bedarf ist also erheblich.
In einer laufenden Phase-1/2-Studie zeigt REC-4881 vielversprechende Ergebnisse bei der Reduzierung der Polypenlast. Dennoch hat dieser Kandidat noch einen weiten Weg vor sich, bis er eine behördliche Zulassung erhalten könnte. Und REC-4881 gehört bereits zu den am weitesten fortgeschrittenen Programmen im Portfolio von Recursion Pharmaceuticals.
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Zur AktienanalyseDas Unternehmen steht damit vor erheblichen klinischen und regulatorischen Risiken. In den kommenden Jahren könnten Rückschläge in klinischen Studien zu weiteren Kursverlusten führen. Der KI-basierte Ansatz ändert daran grundsätzlich nichts – solange das Unternehmen keine konkreten Erfolge vorweisen kann.
Fazit: Spekulative Wette mit hohem Risiko
Recursion Pharmaceuticals bleibt trotz des gefallenen Kursniveaus eine hochspekulative Anlage. Das Unternehmen könnte das Blatt wenden, wenn es in den nächsten zwei Jahren signifikante klinische und regulatorische Fortschritte erzielt. Doch bis dahin überwiegen die Risiken deutlich. Für die meisten Anleger empfiehlt es sich daher, auch in der Nähe des 52-Wochen-Tiefs Abstand von der Aktie zu halten und die weitere Entwicklung der Pipeline zunächst zu beobachten.


