RBC stuft WH Smith ab – geopolitische Risiken belasten britischen Reisehandel
RBC Capital Markets senkt WH Smith von „Outperform" auf „Sector Perform" und kürzt das Kursziel auf 650p.

RBC Capital Markets hat die Aktie von WH Smith Plc (LON: SMWH) am Montag von „Outperform" auf „Sector Perform" herabgestuft und das Kursziel von 675p auf 650p gesenkt. Hintergrund ist eine Reduzierung der Gewinnprognosen für die Geschäftsjahre 2026 und 2027 um jeweils vier Prozent. Die revidierten Schätzungen liegen damit knapp unter dem unteren Ende der unternehmenseigenen Prognosespanne von 100 bis 115 Millionen Pfund für den Vorsteuergewinn.
Analyst Richard Chamberlain begründete den Schritt mit einer Reihe struktureller und geopolitischer Belastungsfaktoren. Dazu zählen ein schwächerer Ausblick für den britischen Arbeitsmarkt, steigende Hypothekenzinsen seit Beginn des Iran-Konflikts sowie höhere Flugpreise – allesamt Faktoren, die das britische Passagieraufkommen unter Druck setzen. „Wir halten die Ziele von WH Smith für erreichbar, sehen jedoch angesichts der jüngsten geopolitischen Entwicklungen die Risiken eher auf der Unterseite", sagte Chamberlain.
Die revidierte Prognose von RBC für das bereinigte Vorsteuerergebnis im Geschäftsjahr 2026 beläuft sich auf 99 Millionen Pfund – rund sechs Prozent unter dem Visible Alpha-Konsens. Für das Geschäftsjahr 2027 liegt die Schätzung sogar zwölf Prozent unter dem Marktkonsens, was die Dimension der Neubewertung verdeutlicht.
Heathrow-Schließungen und neue Lebensmittelvorschriften als Zusatzbelastung
WH Smith sah sich zuletzt mit weiteren operativen Herausforderungen konfrontiert. Die vorübergehende Schließung von Filialen in den Heathrow-Terminals 3 bis 5 belastete das Geschäft, wobei eine Wiedereröffnung im April – noch vor der Hauptreisesaison – geplant ist. Hinzu kommen neue britische Vorschriften zur Bewerbung von Lebensmitteln mit hohem Fettgehalt, die insbesondere das Bahngeschäft treffen, in dem sich die Süßwarenverkäufe konzentrieren.
Die 48 Filialen des Unternehmens im Nahen Osten – darunter 40 Franchise-Betriebe und 8 Joint Ventures – sind derzeit geschlossen. RBC schätzt, dass Passagiere aus der Region etwa fünf Prozent des weltweiten Branchenpassagieraufkommens ausmachen. Die Auswirkungen auf den Konzerngewinn werden jedoch als relativ gering eingestuft.
US-Geschäft zeigt sich widerstandsfähiger
Positiver gestaltet sich die Lage im US-Segment. Die TSA-Passagierzahlen seit Jahresbeginn liegen weiterhin im Wachstumspfad, getrieben durch einen Anstieg des Reiseaufkommens im Frühjahr. RBC beschreibt das US-Geschäft als widerstandsfähiger und erwartet, dass das Angebot an Reisebedarfsartikeln („Travel Essentials") durch neue Filialeröffnungen und ein Wachstum der Ausgaben pro Passagier gestützt wird.
Gleichzeitig läuft eine Überprüfung des InMotion-Filialportfolios, und es gibt Pläne zur Schließung der verbleibenden Modegeschäfte in Las Vegas. Für das Geschäftsjahr 2026 modelliert RBC Margen unterhalb der von WH Smith prognostizierten 14 bis 15 Prozent für Großbritannien, im Mittelwert der 7- bis 8-Prozent-Spanne für die USA sowie unter der Prognose von rund fünf Prozent für den Rest der Welt.
Bewertung und neuer Executive Chairman
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Zur AktienanalyseBei der Kurszielermittlung von 650p verwendet RBC einen Durchschnitt aus DCF- und Sum-of-the-Parts-Analysen. Das DCF-Modell arbeitet mit einem WACC von 8,5 Prozent und einer Endwachstumsrate von 1,0 Prozent, was einen Aktienkurs von rund 631p impliziert. Die SOTP-Analyse bewertet das britische Reisegeschäft mit dem 8,4-fachen EV/EBIT, das US-Reisegeschäft mit dem 13-fachen und den Rest der Welt mit dem 12-fachen – was 665p impliziert. Auf aktuellem Niveau wird die Aktie mit einem geschätzten KGV von 12 für das Kalenderjahr 2026 gehandelt.
Das Verhältnis von Nettoverschuldung zu EBITDA lag zuletzt bei 2,1x, was laut RBC kurzfristige Kapitalrückzahlungen an die Aktionäre ausschließt. Neu im Unternehmen ist Executive Chairman Leo Quinn, ehemals CEO von Balfour Beatty. RBC sieht in ihm einen möglichen Treiber für eine beschleunigte Restrukturierung mit Fokus auf Cash, Kosten und Bilanz – erwartet jedoch, dass sein erster Auftritt bei den Halbjahresergebnissen am 23. April noch zu früh für signifikante neue strategische Aussagen sein wird.
Als bevorzugte Midcap-Werte im britischen Einzelhandel nennt RBC weiterhin Dunelm Group PLC und B&M European Value Retail PLC, beide mit dem Rating „Outperform".


