RBC hebt Kursziele für Tesco und Sainsbury's an
RBC Capital Markets sieht britische Supermarktketten als defensive Gewinner der Lebensmittelinflation – und einen klaren Favoriten.

Die Analysten von RBC Capital Markets haben ihre Kursziele für die britischen Lebensmittelhändler Tesco und Sainsbury's angehoben. Hintergrund ist die erwartete Rückkehr der Lebensmittelinflation auf rund 3 Prozent sowie steigende Ölpreise, die Verbraucher dazu veranlassen dürften, diskretionäre Ausgaben zugunsten von Grundnahrungsmitteln zu kürzen. Davon profitieren nach Einschätzung der Bank vor allem die etablierten Supermarktketten.
Für Tesco hob RBC das Kursziel von 440 Pence auf 465 Pence an. Grundlage ist eine niedrigere Annahme für den gewichteten durchschnittlichen Kapitalkostensatz (WACC), der die defensiven Eigenschaften des Unternehmens widerspiegelt. Tesco führt Verbraucherumfragen bei Preis-Leistungs-Verhältnis, Sortiment, Verfügbarkeit und Filialstandards an. Bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von rund 16x für das Kalenderjahr 2026 lässt die Bewertung jedoch weniger Spielraum für weitere Kurssteigerungen.
Kurzfristiger Gegenwind droht Tesco durch Schwäche auf dem irischen Markt, ein herausforderndes Umfeld in Zentraleuropa sowie Belastungen beim Großhandelsarm Booker nach der Insolvenz von Pizza Hut und dem Wegfall eines Vertrags mit M&S. Positiv: Die Energiekosten sind gut abgesichert, der Lieferdienst Whoosh wächst überdurchschnittlich, und der freie Cashflow dürfte am oberen Ende der Zielspanne von 1,4 bis 1,8 Milliarden Pfund liegen.
Sainsbury's als klarer Favorit mit Bewertungsabschlag
Sainsbury's ist der Sektorliebling von RBC. Der entscheidende Grund: Anleger erhalten ein vergleichbares Wachstumsprofil wie bei Tesco, zahlen dafür aber deutlich weniger – das KGV für 2026 liegt bei rund 14x gegenüber 16x beim Marktführer. RBC erwartet eine Beschleunigung der Marktanteilsgewinne durch Flächenexpansion und ein verbessertes Preis-Leistungs-Angebot.
Zusätzlichen Rückenwind liefert das Retail-Media-Geschäft Nectar360 Pollen, das leicht über dem Zielwert eines Gewinnbeitrags von 100 Millionen Pfund für das Geschäftsjahr 2027 liegt. Dieser margenstärkere Wachstumstreiber sei vom Markt möglicherweise noch nicht vollständig eingepreist. Eine Dividendenrendite von rund 4 Prozent und eine solide Bilanz runden das Investmentbild ab.
Ocado bleibt Sorgenkind – Verluste bis mindestens 2028
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Zur AktienanalyseAm anderen Ende der Überzeugungsskala steht Ocado. RBC behält die negative Einschätzung für den Online-Lebensmittelhändler bei und prognostiziert negative Ergebnisse je Aktie bis mindestens zum Geschäftsjahr 2028. Der Umsatz soll laut Schätzung von 1,69 Milliarden Pfund im Geschäftsjahr 2026 auf 1,44 Milliarden Pfund im Geschäftsjahr 2027 sinken, bevor eine Erholung einsetzt. Die Nettoverschuldung liegt bei fast 900 Millionen Pfund.
Strukturell kämpft Ocado mit seiner Premium-Positionierung in einem Umfeld, in dem preisbewusste Verbraucher zunehmend Discounter und Treueprogramme der großen Ketten bevorzugen. Das Kursziel von 175 Pence impliziert nur begrenztes Aufwärtspotenzial und spiegelt ein Unternehmen wider, das noch immer nach einem Weg zur nachhaltigen Rentabilität sucht.


