RBA-Notenbankerin: Ölschock bremst Australiens Wirtschaft bislang kaum
Trotz gesunkener Stimmung zeigt Australiens Wirtschaft laut RBA-Vize-Gouverneurin Hunter bisher kaum Anzeichen einer deutlichen Verlangsamung.

Die australische Notenbank (Reserve Bank of Australia, RBA) sieht trotz des jüngsten Ölpreisschocks noch keine gravierenden Bremsspuren in der Realwirtschaft. Sarah Hunter, stellvertretende Gouverneurin der RBA, erklärte am Mittwoch in einer Rede über Angebotsschocks, dass der Schock zwar das Verbraucher- und Geschäftsklima belastet habe, eine deutliche Verlangsamung der wirtschaftlichen Aktivität aber bislang ausgeblieben sei. Dennoch warnte Hunter vor möglichen Zweitrundeneffekten und betonte die Bedeutung stabiler Inflation.
Hunter machte deutlich, dass es nicht immer richtig sei, über Angebotsschocks hinwegzusehen. Sollten die Inflationserwartungen zu steigen beginnen, könnte eine Phase niedriger Inflation und höherer Arbeitslosigkeit erforderlich werden. „Während Angebotsschocks schwierige Abwägungen erfordern, mindern sie nicht die Bedeutung einer niedrigen und stabilen Inflation", sagte Hunter.
RBA hat Leitzins bereits dreimal angehoben
Die RBA hat in diesem Jahr bereits dreimal die Leitzinsen angehoben und liegt nun bei 4,35 Prozent. Hintergrund ist ein globaler Energieschock infolge des Iran-Krieges. Im Juni hielt die Notenbank zwar an ihrer Geldpolitik fest, schloss jedoch weitere Zinserhöhungen nicht aus – insbesondere mit Blick auf mögliche Zweitrundeneffekte der höheren Ölpreise auf andere Preise.
Eine mögliche Beilegung des Iran-Krieges im Juni ließ die Ölpreise zwischenzeitlich wieder auf das Vorkriegsniveau sinken. Die Märkte gingen daraufhin davon aus, dass der Zinsgipfel wahrscheinlich erreicht sei. Bis zum Jahresende ist lediglich eine weitere Straffung um 15 Basispunkte eingepreist.
Die Lage bleibt jedoch angespannt: Brent-Rohöl-Futures erreichten am Mittwoch ein Hoch von 76,38 US-Dollar pro Barrel, nachdem die USA nach Angriffen auf Schiffe in der Straße von Hormus neue Schläge gegen den Iran eingeleitet hatten. Die geopolitische Unsicherheit hält die Energiemärkte damit weiterhin in Atem.
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Zur AktienanalyseHunter skizzierte das geldpolitische Dilemma klar: „Wenn die Wirtschaft von einem Angebotsschock getroffen wird, der einen anhaltenden Aufwärtseffekt auf die Inflation hat, könnte eine gewisse Straffung erforderlich sein." Gleichzeitig müssten die Geldpolitiker dies gegen eine mögliche Abschwächung der Wirtschaftsaktivität und des Arbeitsmarktes abwägen.
Die Notenbankerin betonte, dass eine stärkere negative Beeinträchtigung der Wirtschaftsaktivität durch den Schock die Neigung zu weiteren Zinserhöhungen begrenzen könnte. Die RBA verfolgt damit einen datenabhängigen Kurs und beobachtet die Entwicklungen an den Energie- und Arbeitsmärkten genau. „Der Rat wird weiterhin nach Bedarf handeln, um sicherzustellen, dass die Inflation zum Zielwert zurückkehrt und der Arbeitsmarkt eine nachhaltige Vollbeschäftigung erreicht", so Hunter abschließend.


