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RBA-Notenbanker warnt: Inflationsrisiken in Australien weiter aufwärtsgerichtet

Australiens Zentralbank sieht weitere Zinserhöhungen als möglich – viele Bedingungen müssen stimmen, um den Leitzins stabil zu halten.

RBA-Notenbanker warnt: Inflationsrisiken in Australien weiter aufwärtsgerichtet

Die australische Zentralbank (Reserve Bank of Australia, RBA) sendet erneut ein klares Signal an die Märkte: Die Inflationsrisiken sind weiterhin nach oben gerichtet, und eine weitere Zinserhöhung bleibt eine reale Möglichkeit. Christopher Kent, stellvertretender Gouverneur der RBA, äußerte sich am Donnerstag bei einer Reuters NEXT Newsmaker-Veranstaltung in Sydney entsprechend deutlich.

„Unser Eindruck ist, dass die verschiedenen Risiken, die wir benannt haben, in Bezug auf die Inflation stark nach oben tendieren", sagte Kent. Er betonte, dass „viele Dinge" positiv verlaufen müssten, damit die Zinsen auf dem aktuellen Niveau von 4,35% verbleiben könnten. Der aktuelle Leitzins werde als „etwas" restriktiv eingeschätzt – doch die Unsicherheiten seien nach wie vor erheblich.

Geopolitik und Produktivität als Schlüsselfaktoren

Kent nannte konkrete Bedingungen, die erfüllt sein müssten, um weitere Zinserhöhungen abzuwenden. Dazu zählt unter anderem, dass die Straße von Hormus – eine strategisch wichtige Schifffahrtsroute im Nahen Osten – „in angemessener Zeit wieder passierbar" sein müsse. Zudem sei ein anziehendes Produktivitätswachstum notwendig. Sollten diese Bedingungen nicht eintreten, könnten die Zinssätze weiter steigen, so Kent.

Die RBA hatte den Leitzins zuletzt am Dienstag bei ihrer zweiten Sitzung in Folge unverändert bei 4,35% belassen. Zuvor hatte die Notenbank die Zinsen seit Februar bereits um insgesamt 75 Basispunkte angehoben, um den hartnäckigen Inflationsdruck zu bekämpfen. Die Inflation lag im letzten Quartal bei 3,9% – deutlich oberhalb des Zielbandes der RBA von 2% bis 3%.

Auch RBA-Gouverneurin Michele Bullock hatte zuletzt gewarnt, dass sie persönlich eine erneute Zinserhöhung für möglich halte. Die jüngsten Prognosen der Bank gehen jedoch davon aus, dass die Inflation im nächsten Jahr in das Zielband zurückkehren werde – eine Einschätzung, die Kent mit Vorsicht versieht.

Märkte rechnen mit weiterer Erhöhung

Die Finanzmärkte spiegeln die Unsicherheit wider: Investoren preisen derzeit eine Wahrscheinlichkeit von rund 54% für eine weitere Erhöhung auf 4,60% bis Dezember ein. Gleichzeitig gehen Anleger davon aus, dass dies das Ende des aktuellen Straffungszyklus markieren würde. Eine Mehrheit der von Reuters befragten Ökonomen ist hingegen der Ansicht, dass der Leitzins seinen Höhepunkt bereits erreicht hat.

Kent gab zudem ein Update zur aktuellen Finanzlage. Die bisherigen drei Zinserhöhungen wirkten wie beabsichtigt und dämpften die Nachfrage. Das Wachstum der Wohnungsbaukredite habe sich angesichts sinkender Immobilienpreise verlangsamt, und die Vergabe neuer Hypotheken sei spürbar zurückgegangen – was mit der Zeit die Ausgaben bremsen werde.

„Unter sonst gleichen Bedingungen werden diese Veränderungen dazu beitragen, das Ausmaß zu verringern, in dem die Geldpolitik das Wachstum der Gesamtnachfrage einschränken muss, um die Inflation wieder an das RBA-Ziel heranzuführen", sagte Kent. Er wies jedoch darauf hin, dass der weltweite Boom bei Investitionen im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) in die entgegengesetzte Richtung wirken könnte.

Nicht alle Finanzindikatoren seien gleichermaßen restriktiv, merkte Kent abschließend an. Die Markterwartungen für den Leitzins hätten sich in den letzten Monaten abgeschwächt, während Kredite für Banken, Haushalte und Unternehmen weiterhin problemlos verfügbar seien – ein Zeichen dafür, dass die geldpolitische Straffung noch nicht vollständig in der Realwirtschaft angekommen ist.

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