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Rassemblement National: Skepsis aus USA und Frankreichs Wirtschaftselite wächst

Vor der Präsidentschaftswahl 2027 zweifeln US-Diplomaten und französische Konzernchefs an der wirtschaftlichen Glaubwürdigkeit des Rassemblement National.

Rassemblement National: Skepsis aus USA und Frankreichs Wirtschaftselite wächst

Der Rassemblement National (RN), Frankreichs größte Parlamentspartei, steht vor einem wachsenden Glaubwürdigkeitsproblem. Sowohl US-amerikanische Diplomaten als auch führende Vertreter der französischen Wirtschaft äußern erhebliche Zweifel an der wirtschaftspolitischen Kompetenz der Partei. Mit Blick auf die Präsidentschaftswahl 2027 kämpft der RN darum, sich vom populistischen Bewegung zur ernsthaften Regierungsalternative zu wandeln – bislang mit mäßigem Erfolg.

Im Mittelpunkt der Kritik steht das Fehlen eines kohärenten Wirtschaftsprogramms. Frankreich trägt derzeit eine Schuldenquote von 115,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, kämpft mit schwachem Wachstum und hohen Kreditkosten. Die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone mit einem BIP von rund 3,5 Billionen US-Dollar braucht klare wirtschaftspolitische Antworten – die der RN bislang schuldig bleibt.

Diplomatische Spannungen mit Washington

Jüngste Treffen zwischen US-Botschafter Charles Kushner und der RN-Führung, darunter Marine Le Pen und Jordan Bardella, haben amerikanische Regierungsvertreter wenig überzeugt. Diplomatische Quellen berichten, Washington sei besorgt über die Fähigkeit der Partei, Frankreichs Wirtschaft zu managen.

Konkrete Streitpunkte sind die RN-Pläne, die Rentenreform von 2023 rückgängig zu machen, die das Renteneintrittsalter angehoben hatte. Zusätzlich unterstützte der RN einen Haushaltsänderungsantrag, der die Digitalsteuer auf sechs Prozent verdoppelt hätte – eine Maßnahme, die US-Regierungsvertreter als direkten Angriff auf amerikanische Technologiekonzerne werten. Obwohl der Antrag den endgültigen Haushalt 2026 nicht erreichte, hat die Unterstützung des RN für solche Maßnahmen protektionistische Bedenken geschürt.

Die USA bewegen sich dabei auf einem schmalen Grat: Während frühere Administrationen gelegentlich ideologische Verbündete in Europa unterstützten – etwa den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán –, brachten solche Bemühungen oft gemischte Ergebnisse. Derzeit gibt es keine Anzeichen, dass Washington den RN offen unterstützen will. Auch die Partei selbst scheint zunehmend darauf bedacht, nicht als zu eng mit ausländischen Politikern verbunden wahrgenommen zu werden.

Gespaltene Signale an Frankreichs Wirtschaftselite

Im Inland ringt der RN um die Gunst der Unternehmensführer. Beobachter sehen eine deutliche Spannung zwischen Marine Le Pen, die für populistische und ausgabenfreudige Positionen steht, und Jordan Bardella, der ein wirtschaftsfreundlicheres Image projizieren will. Diese Ambiguität, die der Partei einst half, ihre Wählerbasis zu verbreitern, ist nun zur Belastung geworden.

Am 7. April hielt die RN-Führung ein Treffen mit den Vorstandsvorsitzenden mehrerer großer französischer Konzerne ab, darunter LVMH, TotalEnergies, AXA und Renault. Die Sitzung, die von Teilnehmern als „hitzige" Fragerunde beschrieben wurde, wurde von François Durvye moderiert, einem Fondsmanager, der kürzlich als Wirtschaftsberater von Bardella ernannt wurde. Die Partei besteht darauf, dass ihr Programm – mit Steuersenkungen, reduzierten Staatsausgaben und einer Umstrukturierung des Sozialsystems zugunsten französischer Staatsbürger – das wachstums- und wirtschaftsfreundlichste im aktuellen politischen Spektrum sei.

Der schwierige Weg zur Wahl 2027

Trotz dieser Bemühungen bleibt der RN in einer schwierigen Position. Die Partei wurde lange von der französischen politischen und wirtschaftlichen Establishment-Welt gemieden. Zwar hat sie bei den Wählern erhebliche Fortschritte erzielt, doch die institutionellen Akteure, die für wirtschaftliche Stabilität entscheidend sind, bleiben skeptisch.

Das Fehlen eines detaillierten, umfassenden Wirtschaftsprogramms bleibt das größte Hindernis. Ein leitender Mitarbeiter Bardellas bestätigte, dass die Partei ihr Programm aktiv weiterentwickelt, einschließlich Plänen für strukturelle Rentenreformen. Bis diese Pläne jedoch formalisiert und klar präsentiert werden, dürfte die Skepsis von internationalen Diplomaten und heimischen Wirtschaftsführern anhalten.

Die zentrale Frage für den RN lautet: Kann die Partei ihre populistischen Wurzeln mit den Anforderungen einer globalisierten, hochverschuldeten Wirtschaft in Einklang bringen? Die Antwort darauf wird maßgeblich über ihre Chancen bei der Präsidentschaftswahl 2027 entscheiden.

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