Qualcomm verdoppelt Wachstumsziel und setzt auf KI-Rechenzentren
Auf seinem Investorentag hob Qualcomm das Nicht-Smartphone-Umsatzziel auf 40 Milliarden Dollar an – und nennt erstmals konkrete Rechenzentrum-Ambitionen.

Qualcomm hat auf seinem Investorentag am Mittwoch die ambitioniertesten Wachstumspläne seiner Geschichte vorgestellt. Der Chip-Hersteller hob sein Umsatzziel außerhalb des Smartphone-Segments für das Geschäftsjahr 2029 von bisher 22 Milliarden Dollar auf rund 40 Milliarden Dollar an – eine nahezu Verdoppelung. Erstmals nannte das Unternehmen zudem konkrete Zahlen für seine Ambitionen im Bereich Rechenzentren: Bis 2029 soll dort ein Umsatz von mehr als 15 Milliarden Dollar erzielt werden.
Die Anleger reagierten begeistert auf die Ankündigungen. Die Qualcomm-Aktie legte am Handelstag um bis zu 15 Prozent zu. Das Unternehmen, dessen Chips nach wie vor hauptsächlich in Mobiltelefonen verbaut werden, sendet damit ein klares Signal: Es will sich als ernstzunehmender KI-Akteur positionieren.
Eine größere Wette jenseits des Smartphones
Qualcomms Diversifizierungsstrategie ist nicht neu, wohl aber deren Ausmaß. Das bisherige Ziel von 22 Milliarden Dollar für den Nicht-Smartphone-Umsatz war bereits 2024 festgelegt worden, um die Abhängigkeit von Smartphones zu reduzieren. Dieser Markt gilt als reifend, und zusätzlich verliert Qualcomm schrittweise Apple als Modem-Kunden, da der iPhone-Hersteller auf eigene Modem-Produkte umstellt. Das neue Ziel von 40 Milliarden Dollar verdoppelt diese Ambition nahezu.
Im Mittelpunkt der Rechenzentrum-Strategie steht ein neuer Server-Prozessor namens Dragonfly C1000, der auf mehr als 250 eigenen Kernen basiert. Ergänzt wird dieser durch eine Reihe von KI-Beschleunigern, die eher für die Ausführung von KI-Modellen als für deren Training konzipiert sind. Der HBC-basierte AI250-Beschleuniger soll Mitte 2027 mit der kommerziellen Bemusterung beginnen.
Die wichtigste Bestätigung für Qualcomms Rechenzentrum-Ambitionen lieferte ein prominenter Kunde: Meta Platforms hat eine mehrjährige Vereinbarung über mehrere Generationen unterzeichnet, um den neuen Qualcomm-Prozessor in seinen Rechenzentren einzusetzen. Die Produktion soll in der zweiten Jahreshälfte 2028 beginnen. Für ein Unternehmen, das seinen Einstieg in den Rechenzentrumsmarkt erst beweisen muss, ist die Partnerschaft mit einem der weltweit größten Investoren in Computerinfrastruktur eine bedeutende Bestätigung.
Auch im Automobilsektor zeigt Qualcomm starkes Wachstum. Der Umsatz stieg im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2026 im Jahresvergleich um 38 Prozent auf einen Rekordwert von 1,3 Milliarden Dollar. Bis zum Geschäftsjahr 2029 strebt das Management einen jährlichen Automobilumsatz von 10 Milliarden Dollar an. Die Design-Win-Pipeline wird inzwischen auf rund 65 Milliarden Dollar beziffert.
Ein später Start in einem umkämpften Markt
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Zur AktienanalyseTrotz der ambitionierten Ziele bleibt die zentrale Frage offen: Kann Qualcomm als relativer Späteinsteiger im Rechenzentrumsmarkt wirklich Fuß fassen? Nvidia dominiert diesen Markt bereits und verfügt über ein tief verwurzeltes Software-Ökosystem, das Kunden an sich bindet. Qualcomm startet in diesem Segment praktisch bei null.
Die aktuellen Quartalszahlen verdeutlichen, wie weit der Weg noch ist. Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres erzielte Qualcomm einen Gesamtumsatz von 10,6 Milliarden Dollar – davon entfielen rund 6 Milliarden Dollar auf Smartphone-Chips. Der Rechenzentrum-Umsatz ist im Vergleich dazu bislang eine Randgröße.
Das Ziel von 40 Milliarden Dollar außerhalb des Smartphone-Segments setzt eine jahrelange, starke Umsetzung in Märkten voraus, in denen Qualcomm seine Skalierungsfähigkeit noch nicht unter Beweis gestellt hat. Zwischen heute und Ende 2028 kann sich in der schnelllebigen KI-Branche viel verändern. Die Ankündigungen sind mutig – ob sie sich bewahrheiten, wird die Zeit zeigen.


