PwC droht sechsmaliges Geschäftsverbot in China
Kundenverlust und Untersuchungen wegen Evergrande-Skandal setzen Wirtschaftsprüfer unter Druck

Der Wirtschaftsprüfer PwC steht in China unter massivem Druck, nachdem ihm vorgeworfen wird, gravierende Fehler bei der Bilanzprüfung des insolventen Immobilienkonzerns Evergrande gemacht zu haben. Die chinesischen Behörden untersuchen derzeit, ob PwC die Bilanzmanipulationen in den Jahren 2019 und 2020 hätte erkennen müssen und warum dies nicht geschehen ist. Angesichts dieser Vorwürfe droht dem Unternehmen ein sechsmonatiges Geschäftsverbot in China, das ab September in Kraft treten könnte. Dieses Verbot könnte auch mit einer hohen Geldstrafe einhergehen und wäre eine der härtesten Sanktionen, die je gegen einen der großen vier Wirtschaftsprüfer verhängt wurden.
Bereits vor Bekanntwerden des möglichen Geschäftsverbots hatte PwC in China zahlreiche Kunden verloren. Die Bank of China, eines der größten Finanzinstitute des Landes, kündigte unerwartet die Zusammenarbeit mit PwC. In den letzten Monaten folgten diesem Beispiel mindestens 50 weitere chinesische Unternehmen, darunter die Versicherungskonzerne PICC und China Life Insurance sowie der Telekommunikationsriese China Telecom und die Bahngesellschaft China Railway. Diese Entwicklungen haben dazu geführt, dass PwC rund zwei Drittel seines Umsatzes aus Prüfungsdienstleistungen für börsennotierte staatliche Unternehmen auf dem chinesischen Festland verloren hat. Dies entspricht einem Rückgang von etwa 80 Millionen Dollar, ein erheblicher Teil des Umsatzes, der jedoch nur einen Bruchteil des Gesamtumsatzes von PwC China ausmacht, der im Jahr 2023 bei etwa 1,1 Milliarden Dollar lag.
Um auf die finanziellen Einbußen zu reagieren, plant PwC drastische Maßnahmen zur Kostensenkung. Laut Insiderquellen könnten bis zur Hälfte der rund 2000 Stellen im Bereich Finanzdienstleistungen in China gestrichen werden. Zudem sollen die bestverdienenden Partner in China eine Halbierung ihres Jahreseinkommens akzeptieren, während die Gehälter der anderen Partner um 20 bis 40 Prozent gekürzt werden. Obwohl PwC diese Berichte nicht offiziell bestätigt hat, räumte das Unternehmen ein, Anpassungen vorzunehmen, um sich besser auf die Marktnachfrage auszurichten.
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Zur AktienanalyseDie Krise von PwC in China hat zwei seiner größten Konkurrenten, KPMG und EY, begünstigt. Mindestens zwölf ehemalige Kunden von PwC sind zu KPMG gewechselt, während ebenso viele, darunter die Bank of China, bei EY untergekommen sind. Interessanterweise ist EY selbst durch den Wirecard-Skandal in Deutschland schwer belastet, was zu Parallelen zwischen den beiden Fällen führt. Sowohl PwC als auch EY sehen sich in ihren jeweiligen Märkten mit erheblichen Imageschäden konfrontiert, die ihre Position in der Wirtschaftsprüfungsbranche nachhaltig beeinträchtigen könnten.


