Putin gesteht Treibstoffmangel nach ukrainischen Drohnenangriffen ein
Russlands Präsident räumt erstmals öffentlich ein, dass ukrainische Fernangriffe die heimische Treibstoffproduktion spürbar beeinträchtigen.

Wladimir Putin hat in einem Interview mit einem staatlichen Fernsehreporter erstmals detailliert eingeräumt, dass ukrainische Drohnenangriffe auf russische Energieinfrastruktur zu einem Treibstoffmangel im Land geführt haben. Der russische Präsident bezeichnete das Problem als „vorübergehendes Defizit" und betonte, der Kreml habe die Lage unter Kontrolle. Als Gegenmaßnahmen kündigte Putin an, mehr Treibstoff zu importieren und Reparaturen an Ölanlagen zu beschleunigen.
Die Äußerungen sind bemerkenswert, weil sie das erste Mal markieren, dass Putin öffentlich das Ausmaß der Schäden durch ukrainische Fernangriffe auf die russische Treibstoffproduktion eingesteht. In einer Rede vor dem Parteitag der Regierungspartei Einiges Russland sagte er: „Ja, wir sehen und erkennen unsere Probleme – wir reagieren auch darauf." Zugleich bekräftigte er Russlands Entschlossenheit, seine militärischen Ziele zu erreichen.
Ukrainische Angriffe treffen russische Raffinerien tief im Hinterland
Die Ukraine hat ihre Angriffe auf russische Ölanlagen in den vergangenen Wochen deutlich intensiviert. Ziel ist es, Moskaus Energieeinnahmen zu kappen und Putin zur Beendigung des seit mehr als vier Jahren andauernden Krieges zu zwingen. Besonders aufsehenerregend war eine gewaltige Explosion in der Moskauer Raffinerie des Staatskonzerns Gazprom Anfang des Monats, die Analysten als möglichen Wendepunkt im Konflikt zugunsten der Ukraine werteten.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj meldete am Sonntag zwei weitere Angriffe: Eine Raffinerie in der Region Krasnodar, rund 186 Meilen von der Frontlinie entfernt, sowie eine Anlage in der Region Jaroslawl, etwa 435 Meilen von der ukrainischen Grenze entfernt, seien attackiert worden. Der Gouverneur der Region Jaroslawl, Michail Jewrajew, bestätigte, dass ein Drohnenalarm ausgelöst und der Verkehr auf der Straße von Jaroslawl in Richtung Moskau kurzzeitig gesperrt worden sei. Russische Behörden machten zunächst keine weiteren Angaben zu den Angriffen.
Putin räumte die Folgen der Drohnenangriffe auch bei einem Treffen mit Regierungsministern ein. Er wies dabei auf Warteschlangen an Tankstellen hin und erklärte, ein vollständiges Verbot von Dieselexporten werde in Erwägung gezogen. Diese Aussagen unterstreichen, dass die Versorgungslage im Inland bereits spürbare Auswirkungen auf den Alltag der russischen Bevölkerung hat.
Fassade der Stabilität oder echte Kontrolle?
Forscher des Institute for the Study of War, einer in Washington ansässigen Denkfabrik, bewerten Putins Äußerungen kritisch. Sie erklärten, der russische Präsident erkenne zwar die Auswirkungen der ukrainischen Fernangriffskampagne an, versuche jedoch gleichzeitig, Bedenken zu zerstreuen und eine „Fassade der Stabilität" zu fördern. Diese Einschätzung legt nahe, dass die tatsächlichen Schäden an der russischen Energieinfrastruktur möglicherweise größer sind, als Moskau offiziell zugibt.
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Zur AktienanalyseDie Ukraine verstärkt unterdessen auch ihre Angriffe auf die Krim, die Russland 2014 gewaltsam annektiert hatte. Diese Strategie zielt darauf ab, die Halbinsel zu isolieren. Selenskyj hat zudem eine 40-tägige Operation genehmigt, die den Kreml zur Beendigung des Krieges bewegen soll. Details zu dieser Kampagne nannte er nicht.
Die wirtschaftlichen Folgen der ukrainischen Drohnenkampagne dürften die ohnehin schwächelnde russische Wirtschaft weiter belasten. Die russische Zentralbank prognostiziert für 2026 lediglich ein BIP-Wachstum zwischen 0,5 und 1,5 Prozent – ein deutliches Zeichen dafür, dass der anhaltende Krieg und die westlichen Sanktionen ihre Spuren hinterlassen.

