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Psychedelische Medikamente im Aufschwung

Investitionen und Rückschläge prägen die Branche

Psychedelische Medikamente im Aufschwung

Psychedelische Medikamente erfreuen sich bei Investoren und Pharmaunternehmen zunehmender Beliebtheit. Im ersten Halbjahr dieses Jahres wurden über 600 Millionen Dollar in Firmen investiert, die sich mit der Erforschung und Entwicklung von Psychedelika wie Ecstasy, Magic Mushrooms und Ketamin befassen. Diese Summe übersteigt bereits das gesamte Investitionsvolumen der beiden vorhergehenden Jahre. Besonders hervorzuheben ist das kanadische Unternehmen Cybin Therapeutics, das im März eine Kapitalerhöhung von 150 Millionen Dollar erfolgreich abgeschlossen hat.

Cybin Therapeutics plant, einen Großteil der Mittel in eine Phase-3-Studie mit Psilocybin zu investieren. Psilocybin, ein Wirkstoff aus den sogenannten „Magic Mushrooms“, wird zur Behandlung schwerer Depressionen getestet. Erste Ergebnisse aus Phase-2-Studien zeigen, dass 75 Prozent der behandelten Patienten vier Monate nach der Therapie symptomfrei waren. Aktuell sind 36 klinische Studien mit Psychedelika in der Datenbank clinicaltrials.gov verzeichnet, wobei sich sieben Studien in der ersten, 22 in der zweiten und sieben in der dritten Phase befinden.

Neben Depressionen werden Psychedelika auch zur Behandlung von Angststörungen, posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) sowie Essstörungen, Abhängigkeiten, Reizdarmsyndrom und chronischen Kopfschmerzen getestet. Die Wirkstoffe docken an speziellen Serotonin-Rezeptoren im Gehirn an und verändern die Wahrnehmung und emotionalen Zustand der Patienten. Zu den klassischen Psychedelika gehören LSD, Psilocybin, MDMA (als Ecstasy bekannt) und Ketamin.

Seit Ende der 1960er-Jahre war der Einsatz von Psychedelika weitgehend eingeschränkt. Der Zugang zu diesen Substanzen für medizinische Forschung war lange Zeit nahezu unmöglich, hat sich jedoch in den letzten Jahren geändert. In einigen Ländern, wie der Schweiz, Kanada und Australien, sind bestimmte psychedelische Behandlungen unter strengen Auflagen erlaubt. In den USA ist Psilocybin in Oregon für therapeutische Zwecke freigegeben.

In der Schweiz beispielsweise werden jährlich etwa 1000 Behandlungen mit MDMA, Psilocybin oder LSD von rund 100 Ärzten durchgeführt. Die Kosten für eine Sitzung belaufen sich auf 1000 bis 3000 Franken. Auch Ketamin, das in der Schweiz als verschreibungspflichtiges Medikament gilt, wird in der Ovid Clinic Berlin angeboten. Ketamin-Nasenspray, vermarktet von Johnson und Johnson unter dem Namen Spravato, hat im ersten Halbjahr dieses Jahres bereits fast 500 Millionen Dollar Umsatz generiert und könnte sich zu einem Blockbuster-Medikament entwickeln.

Die Branche musste jedoch kürzlich einen Rückschlag hinnehmen, als die US-Arzneimittelaufsicht FDA den Zulassungsantrag von Lykos Therapeutics für eine MDMA-Behandlung gegen PTBS ablehnte. Die FDA verlangte zusätzliche Studien, um den Nutzen der Therapie eindeutig zu belegen. Diese Entscheidung verschiebt den möglichen Marktstart der MDMA-basierten Behandlungen auf Ende 2027 oder später.

Während einige Rückschläge zu verzeichnen sind, bleibt die Branche optimistisch. Christian Angermayer von der Psychedelika-Holding Atai Life Science hofft auf positive Ergebnisse der Phase-3-Studie mit Psilocybin und erwartet eine Markteinführung bis Mitte 2026.

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