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Psychedelika in den USA: Pharmazeutischer und naturmedizinischer Weg gleichzeitig

Zwei Gesetze innerhalb von 48 Stunden verändern die psychedelische Medizin in Amerika – und Colorado wählt bewusst beide Wege.

Psychedelika in den USA: Pharmazeutischer und naturmedizinischer Weg gleichzeitig

Zwei Unterschriften innerhalb von 48 Stunden haben die Weichen für psychedelische Medizin in den USA neu gestellt. Am 18. April unterzeichnete Präsident Donald Trump eine Exekutivanordnung zur Beschleunigung der bundesstaatlichen Prüfung psychedelischer Medikamente für schwere psychische Erkrankungen. Nur zwei Tage später folgte Colorados Gouverneur Jared Polis mit einem Gesetz, das den Bundesstaat automatisch an künftige FDA-Zulassungen koppelt.

Die Food and Drug Administration (FDA) vergab im Zuge dieser Entwicklung drei sogenannte „National Priority Vouchers" des Kommissars. Diese Auszeichnungen gingen an Compass Pathways für Psilocybin-gestützte Therapie bei therapieresistenten Depressionen, an das Usona Institute für Psilocybin bei schweren depressiven Störungen sowie an Otsuka für Methylon – ein Verwandter von MDMA – bei PTBS. Solche Vouchers können die üblicherweise 10 bis 12 Monate dauernde FDA-Prüfung auf nur ein bis zwei Monate verkürzen – ein erheblicher Zeitgewinn im Zulassungsverfahren.

Colorados Doppelstrategie: Medizin und Gemeinschaft

Colorados Senate Bill 26-31 legt fest, dass in dem Moment, in dem die Drug Enforcement Administration (DEA) ein von der FDA zugelassenes Medikament der Liste I neu einstuft, das Landesgesetz automatisch folgt. Pharmazeutisches Psilocybin wäre damit in Colorado legal abgabebereit, sobald die Bundesgenehmigung erteilt wird. Entscheidend ist dabei, was das Gesetz ausdrücklich ausnimmt: Naturmedizin und Marihuana bleiben explizit unberührt.

Der von den Wählern angenommene Rahmen der Proposition 122 – Colorados Naturmedizinprogramm mit seinen von Begleitern geleiteten Heilungszentren – bleibt vollständig intakt. Dies unterscheidet Colorado von den meisten anderen Bundesstaaten, die sich bei der Psychedelika-Politik für einen einzigen Weg entscheiden: entweder den medizinisch-verschreibungspflichtigen Pfad oder den gemeinschaftsbasierten, von Begleitern geleiteten Ansatz. Colorado wählt bewusst beides.

Shannon Hughes von Elemental Psychedelics, die den Gastbeitrag im Colorado Newsline verfasste, begrüßt diese Doppelstrategie ausdrücklich: „Der pharmazeutische Weg und der Weg der Naturmedizin sind keine konkurrierenden Flüsse. Sie sind Nebenflüsse desselben Einzugsgebiets." Verschiedene Menschen bräuchten verschiedene Zugangswege zur Heilung – und beide seien legitim.

Warnung vor voreiligen Schlüssen

Hughes äußert jedoch auch eine klare Warnung. Mit dem Aufkommen des medizinischen Zugangs könnte die Versuchung entstehen, die Arbeit am gemeinschaftlichen Zugang als erledigt zu betrachten. Die Heilungszentren, die Lizenzierung der Begleiter und die sorgfältige Umsetzung von Proposition 122 könnten depriorisiert werden – mit dem Argument, Patienten könnten Psilocybin bald einfach über Arzt und Apotheke erhalten.

Dies wäre laut Hughes ein schwerwiegender Fehler. Medizinischer und gemeinschaftlicher Zugang dienen unterschiedlichen Bedürfnissen. Ein Patient mit therapieresistenten Depressionen, dessen Versicherung künftig Psilocybin-Therapie abdecken könnte, braucht eine andere Tür als jemand, der einen Verlust in einer Gemeinschaft betrauern oder durch eine Zeremonie den Weg zurück zu sich selbst finden möchte.

Für deutsche Anleger und Beobachter ist diese Entwicklung aus mehreren Gründen relevant. Unternehmen wie Compass Pathways, die nun von beschleunigten FDA-Verfahren profitieren könnten, sind auch an europäischen Börsen gelistet. Die regulatorische Dynamik in den USA gilt zudem häufig als Vorreiter für spätere Entwicklungen in Europa – auch wenn hierzulande psychedelische Substanzen weiterhin streng reguliert sind. Die Frage, wie pharmazeutische und alternative Heilansätze koexistieren können, dürfte auch in der deutschen Gesundheitsdebatte zunehmend an Bedeutung gewinnen.

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