Prosus kämpft gegen EU-Auflage zum Verkauf von Delivery Hero
Der Technologieinvestor Prosus will seine 17-Prozent-Beteiligung an Delivery Hero nicht zwangsweise verkaufen – mitten in Uber-Übernahmegesprächen.

Prosus NV hat die Europäische Union formell darum gebeten, eine kartellrechtliche Auflage zum Verkauf von Anteilen an Delivery Hero SE fallen zu lassen. Dies berichteten mit der Angelegenheit vertraute Personen, die anonym bleiben wollten, da die Gespräche vertraulich sind. Die Auflage war ursprünglich im Rahmen der wettbewerbsrechtlichen Genehmigung für die Übernahme einer anderen Lieferplattform erteilt worden.
Prosus hält derzeit rund 17 Prozent an Delivery Hero und möchte nicht zu einem Verkauf dieser Beteiligung gezwungen werden. Der Hintergrund ist brisant: Uber Technologies Inc. verhandelt derzeit über eine mögliche Übernahme des deutschen Essenslieferanten. Ein erzwungener Anteilsverkauf zu diesem Zeitpunkt könnte für Prosus erhebliche finanzielle Nachteile bedeuten.
Kartellrechtliche Auflagen im Fokus
Kartellrechtliche Auflagen dieser Art sind ein gängiges Instrument der EU-Wettbewerbsbehörden. Sie werden erteilt, wenn Regulatoren bei einer Unternehmensübernahme potenzielle Wettbewerbsverzerrungen befürchten. Unternehmen können jedoch beantragen, dass solche Auflagen geändert oder aufgehoben werden, wenn sich die Marktbedingungen verändert haben.
Im vorliegenden Fall argumentiert Prosus offenbar, dass ein Zwangsverkauf seiner Delivery-Hero-Beteiligung unter den aktuellen Umständen nicht gerechtfertigt ist. Die laufenden Übernahmegespräche zwischen Uber und Delivery Hero dürften dabei eine zentrale Rolle in der Argumentation spielen.
Delivery Hero im Übernahmefokus
Delivery Hero ist eines der bekanntesten deutschen Tech-Unternehmen und betreibt Essenslieferdienste in zahlreichen Ländern weltweit. Eine mögliche Übernahme durch den US-amerikanischen Fahrdienstvermittler Uber würde den Markt für Essenslieferungen in Europa und darüber hinaus erheblich verändern.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseFür Prosus, den niederländischen Technologieinvestor und eine der größten Beteiligungsgesellschaften Europas, ist die Delivery-Hero-Beteiligung ein bedeutender Vermögenswert. Ein erzwungener Verkauf – möglicherweise zu einem ungünstigen Zeitpunkt oder Preis – widerspricht den Interessen des Unternehmens und seiner Aktionäre.
Wie die EU-Kommission auf den Antrag von Prosus reagieren wird, ist derzeit nicht bekannt. Die Entscheidung der Brüsseler Wettbewerbshüter dürfte jedoch erheblichen Einfluss auf den weiteren Verlauf der Uber-Verhandlungen und die Eigentümerstruktur von Delivery Hero haben.


