ProSiebenSat.1-Spitze empfiehlt Annahme des MFE-Angebots
Berlusconi-Konzern erhöht Offerte deutlich – Entscheidung liegt nun bei den Aktionären

Die Führung des Medienkonzerns ProSiebenSat.1 hat den Aktionären empfohlen, das überarbeitete Übernahmeangebot der italienischen Media for Europe (MFE) anzunehmen. Vorstand und Aufsichtsrat erklärten, das Angebot sei nach eingehender Prüfung als "angemessen" einzustufen. Noch im Mai hatte das Management das ursprüngliche Angebot von MFE zurückgewiesen und es als finanziell unzureichend bewertet. In der aktuellen Mitteilung würdigte die Unternehmensspitze das Engagement der Italiener und hob hervor, dass das überarbeitete Angebot das langfristige Interesse von MFE an ProSiebenSat.1 unterstreiche.
MFE, kontrolliert von den Kindern des verstorbenen früheren italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, hatte sein Angebot zuletzt deutlich aufgestockt. Statt bislang 0,4 bietet der Konzern nun 1,3 eigene Anteile je ProSiebenSat.1-Aktie. Derzeit liegt der Kurs einer MFE-Aktie bei rund 2,70 Euro. Zusätzlich bleibt das Barangebot von 4,48 Euro pro Aktie bestehen. Das neue Paket stärkt die Position von MFE in der laufenden Bieterschlacht um den deutschen Medienkonzern erheblich.
Der tschechische Finanzinvestor PPF, ebenfalls an einer Übernahme interessiert, hatte den Aktionären ein alternatives Angebot in Höhe von sieben Euro pro Aktie unterbreitet. Dieses ist rein monetär und nicht abhängig von Kursentwicklungen. PPF hat jedoch inzwischen erklärt, das Angebot nicht weiter zu erhöhen. Damit könnte das verbesserte MFE-Angebot für viele Anleger attraktiver erscheinen, auch wenn dessen Wert teilweise von der zukünftigen Kursentwicklung der MFE-Aktien abhängt.
Beide Offerten laufen noch bis zum 13. August. Für die Aktionäre ist die Empfehlung der ProSiebenSat.1-Führung rechtlich nicht bindend, dürfte aber als klares Signal gewertet werden. Die endgültige Entscheidung über die Zukunft des Medienkonzerns liegt somit weiterhin bei den Anteilseignern.
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Zur AktienanalyseMFE verfolgt mit der Übernahme das Ziel, eine paneuropäische Sendergruppe aufzubauen. Während der Vater Silvio Berlusconi das Medienimperium über Jahrzehnte auch für politische Zwecke nutzte, stehen seine Kinder, die heute MFE führen, der Politik zwar nahe, haben aber bisher keine eigenen Ambitionen in dieser Richtung erkennen lassen. Dennoch hat Kulturstaatsminister Wolfram Weimer kürzlich seine Sorge über die journalistische Unabhängigkeit nach einem Eigentümerwechsel geäußert und Pier Silvio Berlusconi zu einem Gespräch ins Kanzleramt eingeladen.


